Junger Burscheider Designer auf der Spur von Sander und Armani

Junger Burscheider Designer auf der Spur von Sander und Armani

Obwohl er noch Student ist, hat der Burscheider Michael Court schon eindrucksvolle Erfolge als Designer gefeiert.

Burscheid. In den vergangenen zwei Jahren ist es mit der erst kurzen Karriere von Michael Court steil aufwärtsgegangen. Nachdem er im Februar 2010 den European Fashion Award gewonnen hatte, war der junge Burscheider in London bei Vivienne Westwood und hat für unterschiedliche Musik- und Tanzaufführungen in Hamburg Kostüme entworfen. Jetzt arbeitet der 26-Jährige an seiner Diplomarbeit im Studiengang Integriertes Design an der Hochschule für Künste Bremen.

Im Februar kommenden Jahres möchte Michael Court mit seiner Ausbildung fertig sein. Was dann kommt, weiß er noch nicht genau: „Ob ich in eine Firma einsteige oder mich selbstständig mache, ist noch offen. Ich möchte gerne nach Berlin ziehen und versuchen, mir mehrere Standbeine zu schaffen.“

Und so ist es wahrscheinlich, dass er vielfältige Aufgaben und Projekte übernehmen wird. So, wie der Studiengang „Integriertes Design“ den Menschen in Zusammenspiel mit Mode, Produkt und Information betrachtet, will sich Court auch weiterhin der Mode, Raumkonzepten und Videoinstallationen sowie der Fotografie widmen.

Ihren Anfang nahm die rasante Entwicklung im Februar 2010 mit dem European Fashion Award. Die Jury schrieb damals: „Michael Court möchte die Mode erneuern, ohne zu verkleiden — und den Träger mitbestimmen lassen. Die Qualität in allen Bereichen — Wahrnehmung, Konzept, Entwurf, Handwerk, Illustration, Sprache — ist absolut herausragend. Michael Court schafft, was heute selten ist: ernsthafte Mode, die selbstverständlich wirkt.“ Von da an sei es Schlag auf Schlag gegangen, sagt Court rückblickend.

Deshalb wollte Radio Bremen einen Beitrag über Courts prämierte Kleidung produzieren. Sein damaliges Wettbewerbsthema: „Die Kraft der Stille“ — eine Kollektion, die durch Bewegung lebt. Das schuf die Verbindung zur Hamburgischen Staatsoper. In der Ballettcompagnie von John Neumeier wurde der junge Designer fündig: Die Tänzer Yuka Oishi und Orkan Dann posierten in seinen Entwürfen.

Daraus entwickelte sich eine weitere Zusammenarbeit. Der Tänzer Orkan Dann und der Designer Peter Schmidt fragten Court, ob er für das Arkadien-Projekt, eine musikalisch-tänzerische Produktion für das Schleswig-Holstein Musik Festival, Kostüme entwerfen wolle. Das war im März 2010.

Im Juni ging es schon für sechs Monate nach London, in die Werkstatt von Vivienne Westwood. Court schätzt die Arbeit der Punk-Designerin sehr. „Am Anfang hatte ich natürlich etwas Angst, was da auf mich zukommt, wie ich in dem Atelier und vom Team aufgenommen werde“, blickt er zurück. Er hatte wohl lpden Drachen aus dem Film „Der Teufel trägt Prada“ im Kopf. So sei es natürlich nicht gekommen, die Mitarbeiter hätten ihn bald eingeladen und er habe schnell gute Freunde gefunden.

Zurück in Deutschland, rief wieder die Bühne: die Oper „L’Orfeo“ von Claudio Monteverdi als Gemeinschaftsprojekt der verschiedenen Designbereiche der Hochschule für Künste Bremen. „Dabei kommt man automatisch in Kontakt mit anderen Designbereichen und Werkstätten wie der Näh-, Holz- und Metallwerkstatt oder der Druckwerkstatt.“

Courst ist begeistert vom integrierten Gedanken der Studiengänge. „Wenn ich Kleidung aus Metall machen möchte, brauche ich nur in die entsprechende Werkstatt zu gehen. Es ist etwas Besonderes, dass sich alle Werkstätten in einem Gebäude befinden und wir Studenten die Möglichkeit haben, überall zu arbeiten.“

Im Juni 2011 fand die Aufführung statt. Bei „L’Orfeo“ war Court für die Entwicklung und Realisierung des Raum- und Videokonzeptes mitverantwortlich, wie auch für das multimediale Modeevent „In between“ anlässlich der diesjährigen Hochschultage.

Zur Mode, zum Kostüm (obwohl er den Begriff gar nicht mag) brachten dihn wieder seine alten Bekannten, die Tänzerin Yuka Oishi und der Tänzer Orkan Dann des Hamburg Balletts von John Neumeier. Sie baten ihn, die Verantwortung für das Kostümbild des Ballettstücks „Renku“ zu übernehmen, das während der Hamburger Ballett-Tage im Juni uraufgeführt wurde.

Die Hamburger Ballett-Tage zählen zu den weltweit fünf bedeutendsten Ballett-Festivals. Michael Court ist damit nach Jil Sander (1984), Giorgio Armani (1998) und Albert Kriemler von Akris (2006 und 2008) erst der vierte Modedesigner, der für das Hamburg Ballett Kostüme entwarf.

„Renku“ erhielt vom Premierenpublikum begeisterte Ovationen und fast durchgehend positive Kritiken, die auch immer wieder Courts Beitrag hervorhoben — eine Leistung, die umso höher zu bewerten ist, da Michael Court die Kostüme parallel zu seinem Studium entwarf. Was auch immer danach folgt: Dem Designer scheinen alle Möglichkeiten offenzustehen.

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