Odenthal-Blecher: Jecken hüpfen Flummis hinterher

Odenthal-Blecher: Jecken hüpfen Flummis hinterher

23 Gruppen zogen beim Rosenmontagszug bunt verkleidet durch Blecher. Viele Burscheider verfolgten das Geschehen.

Odenthal. Der Karneval braucht eine gute Grundlage. Bei dem einen ist es ein zünftiges Mittagessen, damit der Alkohol nicht auf den Magen schlägt. Bei dem anderen, und damit ist vor allem das Festkomitee Bergische Jecken gemeint, ist es das finanzielle Polster, das über Spaß oder Verdruss entscheidet. Von Tür zu Tür gingen die Jecken aus Blecher, um Geld für den kleinen Karnevalszug zu sammeln, der sich jedes Jahr durch die kleine Ortschaft schlängelt.

Auf offene Ohren trafen die Bittsteller, die sich ehrenamtlich für den Erhalt des Brauchtums in Blecher einsetzen. „Klar zieht nicht jeder Anwohner mit. Aber wir haben es gut im Griff“, sagte Birgit Hecken, zweite Vorsitzende des Festkomitees. „Die Kosten für den Zug können wir tragen. Die Kamelle muss jede Gruppe selbst zahlen.“

Dass die Mehrheit der Anwohner den Karnevalszug mitträgt, war gleich auf dem Weg zur Zugaufstellung festzustellen. Manch einer funktionierte an der Feld- und Eifgenstraße den eigenen Vorgarten zu einer Feierstätte um. Fässer wurden angeschlagen, Biertische aufgestellt. Der Rosenmontagszug in Blecher strotzte nur so vor Gemütlichkeit.

Das schätzten die „Blecher Pänz und Jecke Familije“ ganz besonders. Zauberer Gandalf, mit bürgerlichem Namen Wolfgang Herzog, und seine Elfe, Ehefrau Heike, fuhren schon zum 27. Mal mit. Angefangen hatte alles, als die Kinder noch zur Schule gingen. Mit anderen Eltern hatte sich das Ehepaar organisiert. Viele sind im Laufe der Jahre abgesprungen, neue Jecken sind dazu gestoßen.

So kam es dazu, dass Wolfgang und Heike Herzog auch am Rosenmontag 2017 an der Strecke standen — obwohl die Kinder schon längst selbst Nachwuchs bekommen haben. „Es ist für uns einfach eine Tradition geworden“, erzählte Wolfgang Herzog. Den Festwagen und die Kostüme hatte die etwa 15-köpfige Gruppe selbst gestaltet. Auf dem Anhänger entstand so ein Wald, im Herzen davon ragte ein Baum empor, der sich dank Motorantrieb drehte und die Lippen bewegte. Dass Hunderte Besucher die Wegstrecke säumten, freute die Herzogs sehr. Viele von ihnen kamen teils zu Fuß aus Burscheid vorbei.

Es regnete nicht nur Kamelle und Strüßche. Es hagelte auch in Blecher Kritik an die große Weltpolitik. Ein Karnevalszug ohne Donald Trump kann es in dieser Session schließlich nicht geben. Anders als in den Rheinmetropolen wurde der neue US-Präsident nicht in obszönen Posen gezeigt. Er wurde hinter Gittern gesetzt von den „Lostige Junge und Mädchen von Berg“. Die Botschaft der zehn Zugteilnehmer: „Mexiko ist schlauer, baut um Trump die Mauer“. Passend dazu warfen sich Martina Stelze und Bärbel Frohlingsdorf Ponchos um. „Wenn die richtigen Leute dabei sind, kommt man schnell in Stimmung“, sagte Martina Stelze.

Laut lachend zogen derweil die „Jecken Farbtupfer“ voran. Die bunten Kostüme flatterten im teils starken Wind. „Das ist beabsichtigt“, sagte Daniela Kotthaus mit einem Augenzwinkern. Sie brachte allerhand Süßkram und Kleinigkeiten unter die Leute. „Von Haarkuren bis Leckmuscheln haben wir alles dabei“, sagte Birgit Hecken, die sich vor allem darauf freute, Flummis in die Menge zu werfen. Dass die Flugbahn des runden Wurfgeschosses unkontrollierbar ist, war ihr wohl bewusst. „Das ist toll zu sehen, wie die Jugendlichen ihre Coolness verlieren, wenn sie hinter den Bällen herlaufen.“