Interview mit Polizei-Einstellungsberater Tilmans: „Hier ist es nicht wie im Fernsehen“

Interview mit Polizei-Einstellungsberater Tilmans: „Hier ist es nicht wie im Fernsehen“

Jahrelang war der Burscheider Peter Tilmans zugleich Pressesprecher und Einstellungsberater der Polizei. Jetzt musste er sich für eines entscheiden.

Burscheid. Junge Menschen für die Polizei zu gewinnen, das ist seit 1990 die Aufgabe von Peter Tilmans (51). Sieben Jahre später wurde der Polizeihauptkommissar zugleich Mitarbeiter der neu entstandenen Pressestelle seiner Behörde in Bergisch Gladbach.

Die Neustrukturierung der Kreispolizei zu Jahresbeginn machte es erforderlich, dass sich der zweifache Familienvater, der seit seinem zwölften Lebensjahr in Burscheid wohnt und seit 2009 für die CDU im Stadtrat sitzt, für eine der beiden Aufgaben entscheiden musste. Ein Gespräch zu seinem halben Abschied.

Herr Tilmans, warum haben Sie sich für die Einstellungsberatung entschieden?

Peter Tilmans: Weil ich das immer gerne gemacht habe und viel mit jungen Menschen zu tun habe. Als Einstellungsberater arbeitet man sehr flexibel, ist oft unterwegs und hat eine große Bürgernähe.

Also fällt Ihnen der Abschied von der Pressearbeit leicht?

Tilmans: Nein, überhaupt nicht. Auch die Arbeit in der Pressestelle hat mir viel Spaß gemacht. Für mich war das eine optimale Kombination und ich bedauere sehr, dass dieser fast schon Idealfall für mich nicht mehr möglich ist.

Wie wird sich der Arbeitsbereich, dem Sie erhalten bleiben, jetzt verändern?

Tilmans: Weil die Pressearbeit entfällt, werde ich zusätzlich die Studentenbetreuung übernehmen. Bisher war meine Tätigkeit ja erledigt, wenn ich die jungen Menschen für die Polizei gewonnen hatte. Jetzt begleite ich sie auch während der Ausbildung. Jeder, der bei der Polizei eine Ausbildung beginnt, absolviert mittlerweile ein Fachhochschulstudium mit eingestreuten Phasen in der Brühler Polizeischule, aber auch immer wieder in der Einstellungsbehörde vor Ort. Dort sollen die angehenden Polizisten Erfahrungen im Streifendienst, bei den Kriminalkommissariaten und in anderen Dienststellen sammeln.

Wie begehrt ist die Ausbildung bei der Polizei?

Tilmans: Landesweit stellen wir aktuell rund 1400 junge Leute pro Jahr ein. Das war auch 2011 schon so und wird nächstes Jahr wieder so sein. Damit ist die Polizei einer der größten Ausbilder in NRW. Aber man sollte nicht glauben, dass sich dadurch auch nur ein Polizist mehr auf der Straße befindet. Das ist nur eine reelle Zahl, um die bevorstehenden Pensionierungen aufzufangen. Im Rheinisch-Bergischen Kreis nehmen wir im Jahr um die 20 Auszubildende auf. Dafür gehen in der Regel 110 bis 120 Bewerbungen ein.

Ihre Aufgabe dabei?

Tilmans: Ich muss den Bewerbern die Realitäten aufzeigen, ihnen zum Beispiel klarmachen, dass es bei der Polizei nicht so zugeht wie im Fernsehen. Da muss man dann auch mal die Erschwernisse aufzeigen wie Früh-, Spät- und Nachtdienst.

Wenn Sie auf Ihre Zeit in der Pressestelle zurückblicken, wie hat sich die Pressearbeit seit 1997 verändert?

Tilmans: Total. Mitte der 90er Jahre hatte sich die Behörde ja gerade erst entschlossen, einen Pressesprecher einzustellen und später auch eine Pressestelle einzurichten. Heute ist die Berichterstattung ein völlig normaler Vorgang mit täglichen Nachfragen. Möglicherweise ist noch einmal ein Schub zu erwarten, wenn Videoberichte und Lokalfernsehen zunehmen.

Und welche Einsätze sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Tilmans: Das mit Abstand schlimmste Erlebnis war der Dachstuhlbrand am Ostersonntag 2004 in Wermelskirchen-Grunewald. Anstatt mit meinen Kindern Ostereier zu suchen, musste ich plötzlich zum Tod von vier Menschen Auskunft geben.

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