1. NRW
  2. Burscheid & Region

In Blecher blühen die Jecken auf

In Blecher blühen die Jecken auf

Gelöst und farbenfroh treibt das Narrenvolk über die Bergstraße. Aber die Last müssen andere ziehen.

Blecher. Ist das nicht der Zauber von Karneval — wenigstens ein paar Tage ein anderer zu sein? Wenn seriöse Männer in den 40ern plötzlich als Clown, Oma oder beinharter US-Cop am Straßenrand in Blecher stehen, geben sie sich jedenfalls gelöst wie selten. Und ähnlich wie ihnen muss es auch den Traktoren gehen: einmal im Jahr nicht Pflug, Egge oder Heuwender über schweren Boden ziehen zu müssen, sondern Karnevalswagen über die Haupt- und Bergstraße.

Sie sind die heimlichen Helden des Rosenmontagszugs: der Steyr 6165 CVT, der Case 1455 XL, der Fendt Vario 818, der Massey Ferguson 293 und sein Bruder 3085, der John Deere 5090 R und der Deutz Fahr 115. Manche kommen unkostümiert, andere verbergen ihre PS-Stärke hinter selbst gezimmerten Holzverkleidungen. Ihr Leid aber ist: Die Jubelrufe, die ihr Knattern übertönen, gelten nicht ihnen.

Sondern dem bunten Volk auf und hinter ihren Anhängern. Der Turngemeinde Hilgen beispielsweise, die hoch oben auf dem Wagen der KG Blau-Rot Schildgen thront. Sei Jahren schon leihen sich die Hilgener dort den Wagen aus, um in Blecher mitzuziehen; 2013 feiert der Sportverein beim Zug sein Zehnjähriges.

Kamelle-Rufe ereilen auch die stilecht mit Kochmützen ausgestatteten Mitarbeiter des Restaurants „Cramer Stuben“, erstmals beim Zug mit einem eigenen Wagen dabei. Oder das Dreigestirn mit Prinz Ralf, Jungfrau Martina und Bauer Willi, die am Ende des rund 25 Gruppen umfassenden Zuges ihre Kamelle mit vollen Händen unter das Narrenvolk bringen.

Aber eindrucksvoller sind wie so oft die kreativen Fußgruppen. Aus einem der originellen Drachenkostüme der Bergischen Funken Blecher blickt fröhlich die frühere Burscheider Straßenfest-Organisatorin Roswitha Dörr hervor. Die „Jecken Farbtupfer“ haben den Kreisverkehr in Blecher raffiniert in ihre Kostüme integriert. Besonders herzerwärmend sind aber die „Kinder der Sonne“ der Gruppe „Blecher Pänz & Jecke Familien“ geraten — ein verlässlicherer Lichtblick als die Wettervorhersagen, die Hoffnungen geweckt hatten, die sich nicht erfüllten.

Heimweg im unwirtlichen Schneeregen. Nur eine kurze Zeit noch, dann werden der Clown, die Oma und der beinharte US-Cop wieder seriöse Männer in den 40ern sein. Und der Steyr, der Fendt Vario und der John Deere machen sich wieder in schwerer Erde schmutzig.