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Im Land von Licht und Schatten

Im Land von Licht und Schatten

Färöer-Inseln: Seit 28 Jahren zieht es den Hilgener Richard Kühle mindestens einmal im Jahr in die Einsamkeit.

Burscheid. Was sind das für Momente, in denen wir uns umblicken und sofort wissen: An die Landschaft, die wir sehen, haben wir ein Stück unseres Herzens verloren? Bei Richard Kühle fing der magische Augenblick so an: Spätabends im Mai 1979 trifft er mit dem Schiff in der kleinsten Hauptstadt der Welt ein. Es ist nebelig und regnerisch, man sieht kaum etwas, es gibt keine Hinweisschilder.

Irgendwo südlich von Tórshaven übernachtet Kühle im VW-Bus, der Regen trommelt aufs Dach und er fragt sich: "Was um Gottes Willen mache ich hier?" Am nächsten Morgen wird er um 5 Uhr bei strahlendem Sonnenschein wach und erblickt zum ersten Mal die Färöer. "Dieser Wechsel von Licht und Schatten hat mich von Anfang an fasziniert."

Es mag viele Orte geben, an die Burscheider im Urlaub immer wieder zurückkehren. Die 18 autonomen Inseln innerhalb des dänischen Königreichs, mitten im Atlantik zwischen Schottland und Island gelegen, gehören vermutlich nicht so häufig dazu. Für den Hilgener Kühle sind sie dagegen seit 28 Jahren zu einer Art zweiter Heimat geworden; mindestens einmal im Jahr macht er sich auf die Reise und hat inzwischen längst Freunde dort gefunden - wie den ehemaligen Schiffskoch, der ihn auch schon mal in Hilgen besucht hat. Und wenn der gelernte Landschaftsgärtnermeister gerade nicht vor Ort ist, dann verfolgt er im Internet färöisches Radio oder lädt sich die Nachrichten des örtlichen Fernsehsenders herunter.

Vor einem Jahr hat Kühle seinen 50. Geburtstag gefeiert - natürlich auf den Färöer-Inseln. "Das war etwas schwierig, weil unter meinen Freunden auch Lehrer sind und die konnten nicht so einfach mitten im Schuljahr Urlaub bekommen." Bei einigen hat es schließlich doch geklappt.

Die dem Altnordischen entstammende Sprache kann er inzwischen "gut lesen und auch einiges sprechen, nur mit dem Verstehen hapert es noch". Aber auch mit Dänisch und Englisch komme man gut zurecht.

Als schönste Anreise hat der 51-Jährige den Winter 2005/2006 in Erinnerung. Das Passagierschiff war ausgefallen, ersatzweise heuert er kurz vor den Feiertagen auf einem färöischen Frachter an - als einziger Passagier. "Der Weihnachtsbaum wurde an der Decke aufgehängt, damit er im Sturm nicht umkippt, und wir haben an Bord Weihnachten gefeiert."

Die Liebe zur der Inselgruppe mit ihren rund 50 000 Bewohnern hat längst weite Kreise gezogen. Mal besorgt er für das dortige Historische Museum einen deutschen Dokumentarfilm über die Inseln aus den 50er Jahren. Mal recherchiert er für den Besitzer einer alten Gallionsfigur die Geschichte des 1865 vor der Inselküste gesunkenen deutschen Schiffs "Christine". In Düsseldorf gehörte er 1988 zu den Mitbegründern des Deutsch-Färöischen Freundeskreises.

In 14 Tagen bricht Kühle wieder auf. Mit dem Auto nach Nordjütland in Dänemark, von dort weiter mit dem Schiff. Nach etwa 36 Stunden ist er da. Die Pläne für die diesjährigen Wanderungen sind schon geschmiedet.