Theater im Megafon: Hashtag – eine Reise in das Internet

Theater im Megafon: Hashtag – eine Reise in das Internet

Etwa ein Dutzend Jugendliche proben derzeit ein inklusives Theaterstück auch über die Gefahren im weltweiten Netz im Megafon. Am 30. und 31. März ist die Aufführung.

. „4, 3, 2, 1, Achtung, die Türen schließen.“ Der Roboter weist die Passagiere im Zug mit monotoner Stimme darauf hin, dass die Reise beginnt. Malik, wie der „Google-Gott“ im silberglänzenden Anzug mit richtigem Namen heißt, warnt die Menschen auf dem Bahnsteig noch davor, dass der Zug abfährt, dann beginnt für die zwölf Mädchen und Jungen im Abteil der Ausflug.

In teils schrillen Kostümen rappeln die jungen Darsteller an dem Konfektionsständer auf Rollen. Auf der Bühne des Megafon wirken die Geräusche authentisch wie das Rattern eines Zuges auf hölzernen Schwellen. Doch die Lok zieht die Reisenden nicht in die Natur oder reale Städte wie Hamburg oder Berlin. Die Kinder und Jugendlichen im Alter ab zwölf Jahren aufwärts haben eine virtuelle Reise ins Internet vor sich.

Geprobt wird das Stück „Hashtag“ immer freitags von 16 bis 18 Uhr in dem Kinder- und Jugendzentrum an der Montanusstraße. Am vergangenen Freitag waren zwölf Darsteller anwesend. Megafon-Mitarbeiterin und Theaterpädagogin Nina Engelbert freut sich über die große Resonanz. Besonders junge Interessenten, die nicht zum „Kundenstamm“ des Megafon gehören, haben sich gemeldet. Lediglich das Thema unter dem Titel „Hashtag“ war gesetzt. „Dann haben wir gemeinsam Ideen und Charaktere gesammelt und ein Drehbuch entwickelt.“ Und nun wird schon seit Wochen fleißig geprobt. Manch ein Darsteller des Theaterprojekts habe sich bereits verabschiedet. Dafür steigen neue ein. Beispielsweise zum ersten Mal am Freitag Nisa. Sie ist an diesem Tag zwar recht bunt kostümiert, spielt aber den Schatten in der großen weiten Netzwelt. Also alle negativen Einflüsse und Gefahren, die in der schönen Welt von Internet und Apps lauern.

Moral der Erwachsenenwelt
wird nicht aufgestülpt

Doch mit erhobenem Zeigefinger aus der Erwachsenenwelt muss Nina Engelbert gar nicht kommen, wie sie im Vorfeld der Aufführung Ende März erklärt. „Natürlich ist es auch ein kritisches Stück, welches die Schattenseiten des Internets deutlich machen soll. Aber unsere jungen Darsteller sind selbst schon recht aufgeklärt und wissen um die Gefahren.“ Das habe sich schon bei den Proben gezeigt. „Es ist eben ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite haben wir die praktische Anwendung vieler Apps, auf der anderen Seite die Nebenwirkung.“

Doch es gehe auch um das Bühnenbild, die Kostüme und das, wie die weiblichen und männlichen Darsteller ihre Rollen auf die Bühne bringen. In sattem Grün kommt beispielsweise Taymar daher. Sie verkörpert in ihrem Kostüm den Messaging-Dienst Whatsapp. Joshua ist mit zwölf Jahren der jüngste Darsteller und spielt Facebook. „Bei diesem Netzwerk muss man aufpassen, dass sie unsere Daten nicht verkaufen“, sagt er. Auf der Bühne sagt er das natürlich nicht. Arrogant und mit viel Geld kommt er in seiner Rolle stattdessen daher, erklärt Nina Engelbert.

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