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Rundgang: Gräber als Spiegel der Gesellschaft

Rundgang : Gräber als Spiegel der Gesellschaft

Friedhöfe sind stets Zeugen der Stadtgeschichte und ein Spiegel des gesellschaftlichen Wandels. In Köln finden sich sehr unterschiedliche Orte, wo die Toten der Stadt begraben worden sind. Das reicht vom großen Zentralfriedhof Melaten mit seiner Millionenallee bis zum kleinen, alten jüdischen Friedhof in Deutz.

Wir haben für Sie einen kleinen Rundgang unternommen.

Los geht es auf dem alten Jüdischen Friedhof in Deutz, der etwas versteckt unweit des Rheinufers zu finden ist. Zu den prominenten Toten zählt hier zum Beispiel Isaac Offenbach, der Vater des weltberühmten Komponisten Jacques Offenbach. Das Gräberfeld am Judenkirchhofsweg wurde 1695 eröffnet, die letzte Beerdigung erfolgte im Jahr 1941. Das Grundstück erhielten die Kölner Juden im 17. Jahrhundert vom damaligen Erzbischof Clemens zur Pacht. Offiziell geschlossen wurde der Friedhof bereits 1918, als der neue jüdische Friedhof in Bocklemünd eröffnet wurde. Zu finden ist in Deutz auch das Familiengrab der Oppenheims. Für einen Besuch muss man sich vorab bei der Synagogengemeinde anmelden.

Der Jüdische Friedhof an der Venloer Straße in Bocklemünd wird von der Gemeinde bis heute genutzt. Er ist frei zugänglich. Die große Trauerhalle im Eingangsbereich stammt aus dem Jahr 1930. Ihr Architekt Robert Stern setzte beim Bau seine Akzente im neoklassizistischen Stil. Auf dem Gelände gibt es ein Ehrenmal für die Opfer der Shoah und eine Bronzeskulptur, die an die zerstörten Kölner Synagogen erinnert. Auf dem Friedhof findet sich auch das Grab von Leonhard Tietz, Kaufmann und Gründer der Leonhard Tietz AG, aus der später der Kaufhof entstand.

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Westfriedhof, auf dem unter anderem das Kölner Krematorium seinen Platz hat. Eingeweiht wurde der Friedhof im Jahr 1917. Geplant wurde er von Johannes Ibach und Karl Wach. Rund 45.000 Gräber finden sich dort. Dazu gehört auch ein großes muslimisches Grabfeld sowie ein Grabfeld für Fehl- oder Todgeborene. Sehenswert ist unter anderem Ossip Zadkines Skulptur „Die Gefangenen“.

Der bekannteste Friedhof der Stadt ist Melaten an der Aachener Straße, der 1810 geweiht wurde. Wer über diesen Friedhof geht entdeckt viele bekannte Namen der Stadtgeschichte – vor allem an der Millionenallee, aber auch in anderen Bereichen des weitläufigen Friedhofs mit seinen rund 55.000 Gräbern. Dazu zählt die Familie Farina (Eau de Cologne) genauso wie die Familie Imhoff (Schokolade) oder Wilhelm Riphahn (Architekt). Weitere dort begrabene Persönlichkeiten sind beispielsweise Guido Westerwelle, Willy Millowitsch, Dirk Bach, Hans-Jürgen Wischnewski, August Sander, Sigmar Polke, Gunther Philipp, Willi Ostermann und Hans Böckler.

Ein besonderer Ort ist auch der 1901 entstandene Südfriedhof in Zollstock. Er ist einer der größten Friedhöfe der Stadt. Auf dem Gelände findet sich auch der „Cologne War Cemetery“ ein Commonwealth-Ehrenfriedhof, der Eigentum des britischen Staates ist. Beerdigt wurden dort in den beiden Weltkriegen ums Leben gekommene Soldaten der Commonwealth-Staaten. Unweit davon liegt der Italienische Ehrenfriedhof. Zu den Besonderheiten zählt außerdem eine Grabstätte für Obdachlose. Gräber bekannter Persönlichkeiten sind unter anderem die von FC-Legende Hans Schäfer oder den früheren Fortuna-Chef Jean Löring sowie der erste FC-Präsident Franz Kremer. Auch der Publizist Ralph Giordano hat dort seine letzte Ruhestätte gefunden.