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Gottfried Busch im Café Nostalgie - Lieber Kaffeehaus statt Politik

Gottfried Busch im Café Nostalgie - Lieber Kaffeehaus statt Politik

Beim Café Nostalgie gibt es neben der Musik den Kaffeehausbesitzer Gottfried Busch, der mit bissigen Geschichten überrascht.

Burscheid. Bilder der Zeitschrift Simplicissimus vom Beginn des 19. Jahrhunderts, Plakate für Columbia-Schallplatten und alte Fotos an den Wänden machten den Besuchern der 14. Auflage des Café Nostalgie klar, dass sie sich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit begeben würden. Das evangelische Gemeindezentrum Hilgen-Dünweg war in ein Kaffeehaus der goldenen Zwanzigern verwandelt worden. Durch das Programm des Konzertnachmittags führte am Sonntag Gottfried Busch als Kaffeehausbesitzer.

Busch erzählte die Geschichte von Wolfgang, der eine Frau und fünf Kinder in Paris hat, und sich auf große Reise begibt, weil er Schulden hat. Sein Plan: Politiker werden. Und auch, wenn die Veranstaltung nichts mit Karneval zu tun hatte, konnten die Gäste lachen. Busch hatte sich bitterböse Anekdoten und Begebenheiten ausgedacht. Eingebettet in diese Geschichten sang Bariton Wolfgang Krupp Lieder, begleitet von Kantorin Silke Hamburger.

Und da es so ganz ohne Karneval und Liebe zum Rheinland doch nicht geht, gab Krupp die Kölner Hymne „Ich mööch zo Foß no Kölle jonn“ von Willi Ostermann, die an Nostalgie kaum zu überbieten ist.

Die Figur Wolfgang ist aber nicht nur in Köln, sondern gelangt auch nach Italien. Passend dazu gab es die Lieder „Rosen in Tirol“ aus der Operette „Der Vogelhändler“ und das etwas wehmütige „La Montanara. Das Lied der Berge“, das Krupp mit starker Stimme vortrug.

Am besten aber ist der Bariton, wenn er sein komödiantisches Talent zusätzlich unter Beweis stellen kann, bei den flotteren, kesseren Liedern, bei denen Silke Hamburger am Klavier stets im Timing war. Besonders „Ich bin ein Mann wie jeder Mann“ aus „My fair lady“ begeistert das überwiegend weibliche Publikum. Vielleicht, weil es die Schutzlosigkeit der Männer vor Frauen darstellt. „Viele Macht der Trauring froh, mir gefällt mein Finger so“, singt Krupp keck und hält seine nackte Hand in die Luft.

Frech und bissig sind auch die satirischen Sprüche über Silvio Berlusconi und Christian Wulff. „Ich musste noch einiges umschreiben, weil der Bundespräsident zurückgetreten ist“, erzählt Busch in der Pause. Krupp singt ein gar selbst komponiertes Lied über die aktuelle Politik.

Und wie ergeht es dem Wolfgang in der Geschichte? Nach einem Abstecher zu Wladimir Putin, läßt er die Politik hinter sich und geht zurück zu seiner Liebe und dem Kaffeehaus in Paris.