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Gewalt unerwünscht: Weniger kriminelle Jugendliche

Gewalt unerwünscht: Weniger kriminelle Jugendliche

Warum immer mehr junge Menschen die Folgen ihres Handelns bedenken und nicht zuschlagen.

Rheinisch-Bergischer Kreis. Immer mehr Straftaten, Wohnungseinbrüche, die mit dem Personal der Polizei kaum noch in den Griff zu bekommen sind, und eine sinkende Aufklärungsquote. Das sind die ernüchternden Fakten der aktuellen Kriminalitätsstatistik, die am Montag wie von uns berichtet von der Kreispolizeibehörde vorgelegt wurde.

Doch es gibt auch Entwicklungen, die Hoffnung machen: So ist die Zahl der jugendlichen Tatverdächtigen (also unter 21-Jährige, die 2011 bei einer Straftat im Rheinisch-Bergischen Kreis erwischt wurden) zurückgegangen. Es handelt sich um 1439 Heranwachsende, Jugendliche und Kinder. Das sind immerhin 66 Personen weniger als im Jahr 2010 und rund 200 weniger als zum Zehn-Jahres-Höhepunkt 2008 mit 1630 jungen Menschen. Und: Bei den erwachsenen Tatverdächtigen beklagt die Polizei einen entgegengesetzten Trend. Dort ist die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen mit 4278 Männern und Frauen im Vergleich zu 2002 deutlich um 23 Prozent gestiegen. Damals waren es 3137 Personen.

Rainer Hölzenbein, Leiter der Direktion Kriminalität, führt den Rückgang des Anteils der Tätergruppe unter 21 Jahren auf kriminalpädagogische Maßnahmen aber auch auf die konsequentere Ahndung von Delikten mit „Vorbilder“ zurück. Das Erleben von Gewalt im Erwachsenenbereich sei prägend für die Entwicklung des Nachwuchses. Werde diese Gewalt stigmatisiert, sei auch deren Nachahmung verpönt. Susanne Krämer, Opferschutzbeauftragte bei der Polizei, drückt es so aus: „Wenn jemand aus den Regeln ausbricht, wird ganz deutlich beobachtet, was mit dem geschieht.“ Ein Beispiel: Immer konsequenter verfolgt die Polizei häusliche Gewalt, zumeist, wenn Männer ihre Ehefrauen schlagen. Neben einer Strafverfolgung dürfen diese häufig zehn Tage lang nicht die heimische Wohnung aufsuchen. Krämer: „Das ist eine deutliche Ächtung.“ Das gesellschaftliche Signal sei, dass dieses Verhalten nicht gewünscht ist. Insofern überlegten sich Kinder ganz genau, ob sie sich auf die „sichere“ Machtseite des körperlich Stärkeren schlagen.

Doch ein Jugendlicher, müsse auch die Konsequenzen seines Handelns tragen. Ihm darf laut Hölzenbein ab einem bestimmten Moment nicht mehr „mit dem erhobenen Zeigefinger“ gedroht werden. Gewaltdelikte würden bei Heranwachsenden (18 bis 20 Jahre) deshalb immer häufiger mit Bewährungsstrafen sanktioniert. Und mit dem Projekt „Staatsanwalt vor Ort“ könne der Vertreter der Anklage sich persönlich ein Bild davon machen, „ob sich da ein Früchtchen entwickelt“. All das wirke abschreckend.

In Burscheid nahmen die Fälle von Gewaltkriminalität (auch von Erwachsenen von 27 (2010) auf 21 ab.