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Schenkung: Gegenwartskunst der Aborigines und spätere chinesische Bronzen

Schenkung : Gegenwartskunst der Aborigines und spätere chinesische Bronzen

Der Rat hat in seiner gestrigen Sitzung die Annahme von Schenkungen für zwei städtische Museen beschlossen. Das Museum für Ostasiatische Kunst erhält von dem Sammlerehepaar Dieter und Christel Schürzeberg eine Sammlung von rund 600 späteren chinesischen Bronzen aus dem 3. bis 19. Jahrhundert im Wert von 3,5 Millionen Euro zum Geschenk.

Mit der bereits vorhandenen, einzigartigen Sammlung archaischer chinesischer Ritualbronzen (16. Jahrhundert vor Christus bis zweites Jahrhundert), die Hans Jürgen von Lochow dem Museum 1976 stiftete, wird das Museum für Ostasiatische Kunst durch die Schenkung der Sammlung Schürzeberg in den Rang eines europäischen Zentrums chinesischer Bronzekunst erhoben, vergleichbar nur mit dem Pariser Musée Cernuschi und dem Londoner Victoria & Albert Museum.

Bronzensammlung in
40 Jahren zusammengetragen

In China sind durch die Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts sehr viele Bronzen des „Zweiten Bronzezeitalters“ zerstört worden. Umso kostbarer ist die im Laufe von 40 Jahren in Europa und den USA zusammengetragene Sammlung von Dieter und Christel Schürzeberg. In Dankbarkeit für die Pionierleistung der Museumsgründer Adolf Fischer und seiner Frau Frieda Fischer-Wieruszowski, aber auch in Anerkennung der Tatsache, dass das Museum für Ostasiatische Kunst in Deutschland das einzige Spezialmuseum für Ostasiatische Kunst darstellt und somit gesamtstaatliche Bedeutung besitzt, fasste das Ehepaar Schürzeberg den Entschluss, seine Sammlung der Stadt zu übereignen.

Zu den einmaligen Prachtstücken der Sammlung zählt die Plastik des Liu Hai, der als Abgesandter des Gottes des Reichtums einen Reif mit Lochmünzen schwingt und Glück verspricht. Die Figur wurde erstmalig 2018 im Rahmen der Ausstellung „Alles unter dem Himmel“ präsentiert.

An die Schenkung sind zwei Auflagen geknüpft: Erstens: Die Sammlung soll wissenschaftlich aufgearbeitet werden und den Austausch mit chinesischen Museen und Universitäten fördern. Zweitens: Die Sammlung soll der Öffentlichkeit in einer großen Sonderausstellung präsentiert werden, begleitet von einem deutsch-/englischsprachigen Katalog.

Das Ministerium für Kunst und Wissenschaft des Landes NRW hat dem Museum für Ostasiatische Kunst zu diesem Zweck ein zweijähriges Forschungsvolontariat bewilligt. Seit dem 1. Juli dieses Jahres arbeitet die in Peking geborene und in Heidelberg promovierte Wissenschaftlerin Dr. Yan Geng an der Recherche. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass dieses Forschungsprojekt erstaunliche neue Ergebnisse liefern wird und eine zuverlässige Grundlage zur Datierung, stilistischen Einordnung und regionalen Zuordnung insbesondere Ming- und Qing-zeitlicher Bronzen aus dem 15. bis 19. Jahrhundert darstellt.

Australische Kunstwerke für das Rautenstrauch-Joest-Museum

Die zweite Schenkung erhält das Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM): 51 zeitgenössische Artefakte und moderne Gemälde indigener Künstlerinnen und Künstler aus Australien. Bisher besteht die Australiensammlung des RJM nahezu ausschließlich aus historischen Artefakten aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Annahme der Schenkung von Klaus Kaufhold bietet nun die Möglichkeit, einen Grundstock australischer Gegenwartskunst zu legen und mit traditionell gefertigten Artefakten aus den 1980er-Jahren an die Gegenwart anzuschließen. Die Schenkung umfasst elf moderne Gemälde auf Leinwand aus der Central und Western Desert Region, vier Rinden aus dem Arnhemland im Norden Australiens sowie 36 Artefakte schwerpunktmäßig aus der Kimberly-Region im nördlichen Westen.

„Die Kunstformen der indigenen Bevölkerung Australiens haben mit nachweislich mehr als 40.000 Jahren die weltweit längste Kontinuität. Schenkungen – noch dazu in dieser Qualität – sind eine Bereicherung für das Haus und seine Besucher. Sie weiten den Blick und machen die Sammlung vielfältiger“, betont Susanne Laugwitz-Aulbach, Beigeordnete für Kunst und Kultur. RJM-Direktorin Nanette Snoep unterstreicht: „Es ist uns wichtig, dass wir bei einer Schenkung neben der Qualität der Objekte auch kritisch ihre Provenienzen im Blick haben. Ihr Weg zu uns muss legal und fair sein. In diesem Fall freuen wir uns, dass wir die Provenienz dieser Sammlung als unproblematisch einstufen können.“

Die modernen Gemälde sind teilweise von international anerkannten Künstlern und wurden in damals bekannten Galerien erworben. Die Artefakte hat der anerkannte australische Anthropologe Kim Akerman als für den Touristenmarkt hergestellte Dinge identifiziert.

Unter den Gemälden befinden sich unter anderem Werke von Gloria Petyarre aus der Künstlergemeinschaft Utopia in der Western Desert Region. Sie ist die erste indigene Künstlerin, die von dem bedeutendsten Museum Sydneys, der Art Gallery of New South Wales, ausgezeichnet wurde und 1999 mit ihrem Werk „Bush Medicine Leaves“ den in Australien begehrten Wynne Prize gewann. Zur Schenkung gehören auch sogenannte Rindenmalereien aus dem Norden Australiens, etwa von Norman Mangawila, dessen Werke unter anderem in der Sammlung des British Museum in London vertreten sind.

Die Werke der Schenkung stehen in der Tradition von Kunstformen der indigenen Bevölkerung Australiens. Die Kunst der Aborigine ist traditionell verknüpft mit ihrem Vorwissen über Schöpfungsgeschichte, Land und Identität. So identifizieren sich die verschiedenen Gruppen der Aborigines mit den jeweils für sie typischen Geschichten und Zeichen in Kunstwerken, die auch nur für sie erkennbar und lesbar sind.

Traditionell malten die Aborigines vergänglich auf Sand und Körper und permanent auf Fels. Später nutzten sie Gebrauchsgegenstände und insbesondere in Nordaustralien Rinde, um darauf zu malen. Anfang der 1970er-Jahre begann in Papunya, rund 240 Kilometer nordwestlich von Alice Springs im Herzen Australiens, eine der spannendsten Kunstbewegungen des letzten Jahrhunderts: die Transformation einer der ältesten Kulturformen der Welt, das Malen auf Sand und Körpern, in Malerei auf Leinwand. Dieser Wechsel der Ausdrucksformen ermöglichte den Aborigines, ihre Tradition nachhaltig zu festigen und darüber hinaus den Zugang zum internationalen Kunstmarkt.

Entlang von Verwandtschaftslinien und Reiserouten zu Zeremonien und teils durch staatliche Programme gefördert, wurde der Wechsel der Ausdrucksform später in anderen Teilen des Kontinents aufgegriffen und angepasst. Dadurch entwickelte sich in einzelnen Regionen eine eigene Formsprache, die sich heute in unterschiedlichen Designs und Techniken widerspiegelt.