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Finanzielle Einbußen durch Staus

Finanzielle Einbußen durch Staus

In einer Umfrage der Handwerkskammer teilt fast die Hälfte der Betriebe mit, mehrmals täglich im Stau zu stehen.

Köln. Dass Firmenfahrzeuge regelmäßig im Stau stehen, gehört inzwischen zum Alltag vieler Handwerksunternehmen in der Region Köln/Bonn. Bei der Umfrage der Handwerkskammer zu Köln in diesem Frühjahr teilten 49 Prozent der befragten Betriebe mit, dass ihre Firmenfahrzeuge mehrmals täglich im Stau stehen. Vor einem Jahr traf das auf 45 Prozent aller befragten Unternehmen zu, im Jahr 2015 erst auf 35 Prozent. Am stärksten von Verkehrsproblemen betroffen sind die in Leverkusen ansässigen Handwerksbetriebe, fast zwei Drittel von ihnen setzen Fahrzeuge ein, die mehrmals täglich im Stau stehen. Das gilt auch für 58 Prozent der Kölner und für 54 Prozent der Bonner Betriebe.

Vermutlich wegen der starken Ausrichtung auf Köln und Leverkusen sind auch die Handwerker im Rheinisch-Bergischen Kreis stark belastet, bei 47 Prozent dieser Unternehmen stehen die Fahrzeuge mehrmals täglich im Stau, nur 16 Prozent sind selten von Staus betroffen.

„Für Betriebe, deren Mitarbeiter oft mit dem Auto zum Kunden fahren müssen, sind die Wegezeiten immer schwieriger zu kalkulieren — besonders problematisch ist es für Firmenfahrzeuge, die eine der Rheinbrücken nutzen müssen“, erläutert Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln. Es gebe bereits Unternehmen, die Kundenaufträge auf der anderen Rheinseite nicht mehr annehmen wollen oder zu vermeiden versuchen.

Gravierend sind die finanziellen Folgen für die Unternehmen, deren Fahrzeuge regelmäßig im Stau stehen und die ihre Mitarbeiter dann für unproduktive Stunden bezahlen müssen. Nach der neuen Hochrechnung entsteht im Handwerk der Region Köln/Bonn ein Gesamtschaden von jährlich 300 Millionen Euro (2017: 290 Millionen Euro, 2015: 240 Millionen Euro).

Die durchschnittlichen Staukosten pro Betrieb belaufen sich inzwischen auf 20 100 Euro (2017: 19 100 Euro, 2015: rund 15 000 Euro). Die von den Kölner Unternehmen in der aktuellen Umfrage mitgeteilten Staukosten sind allerdings im Vergleich zu 2017 etwas zurückgegangen, wobei für Köln weiterhin die höchste Belastung ermittelt wurde.

Eine der Ursachen für die sich verschärfende Stausituation sind nach Ansicht der Kammer die vielen Groß- und Dauerbaustellen, die angesichts des Sanierungsstaus auf den Hauptverkehrsachsen und Rheinbrücken unumgänglich sind. Die langjährige Forderung der Handwerkskammer, das Baustellenmanagement zu verbessern, werde nur schleppend umgesetzt. Doch es gebe auch einige Lichtblicke, betont Weltrich. So erhofft er sich von dem im April von der Stadt Köln gegründeten Amt für Verkehrsmanagement konkrete Verbesserungen bei der Baustellenplanung und beim Verkehrsfluss auf Kölner Straßen. Ebenfalls begrüßt die Handwerkskammer die neuen Initiativen des nordrhein-westfälischen Verkehrsministers: Seine Absicht, „dass bei besonders neuralgischen Baustellen rund um die Uhr gearbeitet wird, dass sogenannte Schlafbaustellen vermieden werden, entspricht unseren langjährigen Forderungen.“

84 Prozent der im Handwerk eingesetzten leichten Nutzfahrzeuge werden mit Diesel betrieben, rund 60 Prozent der betrieblich genutzten Autos haben einen Dieselmotor. „Dieselfahrverbote belasten das Handwerk unverhältnismäßig stark“, betont Weltrich. Erst 17 Prozent der mit Diesel betriebenen Nutzfahrzeuge entsprechen der Euro-6-Norm. Es werde noch Jahre dauern, bis Unternehmen auf Fahrzeuge dieser Schadstoffklasse umgestellt haben, so die Vermutung der Handwerkskammer. „Das Handwerk darf nicht der Leidtragende der Versäumnisse der Autoindustrie werden. Unsere Klein- und Mittelbtriebe können sich nicht von heute auf morgen neue Fahrzeuge beschaffen.“