Evangelische Realschule: Rektorin der offenen Türen

Evangelische Realschule: Rektorin der offenen Türen

Mit einem Gottesdienst in der Kirche am Markt wurde Angelika Büscher in ihr neues Amt eingeführt.

Burscheid. Wo gibt es das schon, dass man auf seiner neuen Stelle vom Chef mit einem Gottesdienst begrüßt wird?

Klaus Eberl, Oberkirchenrat der rheinischen Landeskirche und Vizepräses der EKD-Synode, ist als Leiter der Abteilung „Bildung“ im Landeskirchenamt in Düsseldorf Angelika Büschers Dienstvorgesetzter. Als Pfarrer übernahm er am Dienstag in der evangelischen Kirche am Markt die feierliche Einführung der neuen Realschulrektorin.

Lang genug hat’s gedauert: Zweieinhalb Jahre währte die Vakanz an der Schulspitze. Jetzt ist endlich die Chance zum Neuanfang gekommen — und Eberl griff das zentrale christliche Motiv gleich für seine Predigt auf. Kirche sei nicht anders als die Welt. „Das Einzige, was die Kirche von der Welt unterscheidet, ist der Regenbogen als Hoffnungszeichen.

Bei allem Scheitern und Versagen sagen wir uns gegenseitig zu: Wir können wieder neu anfangen.“ Das sei auch Leitmotiv für alle Schulen in christlicher Trägerschaft: „Niemand darf verloren gehen.“

Im Gottesdienst sorgten das Schulorchester von der Empore aus und Schülerin Vanessa Venditti („Hallelujah“ von Leonard Cohen) für die musikalische Begleitung, beim anschließenden Empfang dann neben Venditti die Bläserklasse 6 b. Und sie begrüßte die Gäste gleich anlassgemäß mit „Freude, schöner Götterfunken“.

Konrektor Thomas Pabst erinnerte einleitend noch einmal an die Ära von Rektor Bernd Siegele, deren Ende von der langen Krankschreibung und manchem Unmut überschattet war. Gleichwohl wolle er Siegeles Wirken „auch gewürdigt wissen“.

Dessen Nachfolgerin Büscher hat sich, darauf wies Rektor Michael Jacobs vom evangelischen Theodor-Fliedner-Gymnasium in Düsseldorf-Kaiserswerth schmunzelnd hin, bereits am ersten Amtstag um die Landeskirche verdient gemacht: „Mit Ihnen steigt die Frauenquote in der kirchlichen Schulleiterkonferenz auf 40 Prozent.“

Vier von zehn kirchlichen Schulen werden jetzt von Frauen geleitet — entsprechend dem von der Landeskirche gesetzten Ziel von 40 Prozent Frauenanteil in allen Leitungsgremien. Und Jacobs, Sprecher der Schulleiterkonferenz, gab der neuen Kollegin noch eine physikalische Analogie mit auf den Weg: „Schulen sind wie Stromkreise: Es gibt Leiter, Halbleiter und Widerstände.“

Von Widerständen war zumindest an diesem Freudentag allerdings nichts zu spüren. Wenn man mal von der fast schon erwarteten Auskunft von Klaus Eberl absieht, dass die zweite Konrektorenstelle, die Büscher zuvor besetzt hatte, mit ihrem Aufstieg wieder entfällt. Die Realschule wird also auch weiterhin nur von dem Duo Büscher/Pabst geleitet.

Von diesen beiden Namen verspricht man sich in der Stadt auch ein kooperativeres Neben- und Miteinander von Haupt- und Realschule. Sehr genau wurde registriert, dass beide in diesem Jahr erstmals bei der Entlassfeier der Nachbarschule zugegen waren. Und der katholische Pfarrer Temur Bagherzadeh gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass auch die ökumenische Zusammenarbeit Bestand hat.

Alles im Sinne der neuen Rektorin: „Wir wollen eine Schule mit ganz viel offenen Türen.“

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