Engelaktion vor dem EU-Parlament

Engelaktion vor dem EU-Parlament

Das interkulturelle Projekt überzeugt in Brüssel auch Martin Schulz, den Präsidenten des Parlaments.

Burscheid. Drei Jahre Vorlauf sind eine lange Zeit. Aber dann sagt Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, am Dienstag diesen Satz: „Der Engel der Kulturen ist ein Symbol für die europäische Idee, wie es kein besseres geben könnte.“

Der Sozialdemokrat steht dabei vor dem Parlamentsgebäude in Brüssel, das damit auch Teil der interkulturellen Idee wird, die hinter dem Symbol steckt.

Die Burscheider Künstler Gregor Merten und Carmen Dietrich, Initiatioren des Projekts, sind nicht allein gekommen. Mit ihnen sind gut 200 Gäste angereist, zum Großteil Schüler aus Leverkusen und Köln, die sich schon an der seit vier Jahren laufenden Aktion beteiligt haben. Sie alle sind der Einladung des EU-Abgeordneten Herbert Reul (CDU) gefolgt, der vor drei Jahren bei einer Engel-Station in Leichlingen Feuer gefangen hatte und das Projekt seither nach Brüssel holen wollte.

Für Merten und Dietrich ist der Engel der Kulturen mittlerweile eine Art Lebensaufgabe und Zentrum ihrer künstlerischen Aktivitäten geworden. Am Anfang stand eine grafische Idee: Die Symbole der drei abrahamitischen Religionen (Davidstern, Kreuz und Halbmond) sind so angeordnet, dass sie eine Engelgestalt ergeben. Seither werben die beiden mit dem Engel für Verständigung zwischen den Religionen und Kulturen.

Immer unter Einbindung der Bevölkerung: Vor Ort gibt es sowohl ein temporäres Engelbild auf dem Boden, geformt aus weißem Quarzsplitt, als auch eine fest installierte Bodenintarsie. In Brüssel fand sie ihren Platz nicht unmittelbar vor dem Parlament, sondern wenige hundert Meter entfernt vor der Chapelle pour l’Europe.

Der beim Ausbrennen der Intarsie entstehende innere Engel wird in Burscheid zu einer Säule aufgeschichtet und so Zeugnis dafür, wie viele Orte bereits durch die Aktion verbunden sind. Eines Tages, so hoffen die Künstler, wird die Säule in Jerusalem ihren endgültigen Standort finden. Eine Zwischenstation könnte der Düsseldorfer Landtag werden; Gespräche dazu sind in Kürze geplant.

„Tiefe bekommt das Symbol aber erst, wenn es zum Anlass genommen wird, über das Thema nachzudenken“, sagt Gregor Merten. An den Schulen wird die Aktion stets vor- und nachbereitet.

Auch in Jerusalem waren für den Herbst schon zwei Schulen ausgeguckt, die mitmachen wollten. Doch dann gab es doch eine Absage — „aus politischen Gründen“. Jetzt ist Beharrlichkeit gefragt, wahrscheinlich über Jahre. Der Weg bis nach Brüssel war im Vergleich dazu womöglich richtig schnell.

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