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Eine Fundgrube für Familienforscher

Eine Fundgrube für Familienforscher

Der Geschichtsverein hat ein Buch über die ersten Burscheider Hausnummern herausgebracht. Es ist eine wichtige und einzigartige Quelle für die Ahnenkunde.

Burscheid. Sieben Jahre Recherche und weitere drei der Niederschrift und Korrektur hat es gedauert, bis Hans-Werner Spitzer das 700 Seiten starke Werk „Die ersten Burscheider Hausnummern. Burscheider Häuser und ihre Bewohner 1803 - 1838“ in Kooperation mit Anne Marie Frese (Lektorin) veröffentlichen konnte. Am Freitagabend stellte der Burscheider Geschichtsverein als Herausgeber die opulente Fundgrube für Familienforscher in der Buchhandlung Hentschel vor.

Eine Fundgrube für Familienforscher
Foto: Doro Siewert

„Ziel ist es, Familienforschern den Zugang zu den Lebensdaten und den Fundstellen der Burscheider Bewohner in diesem Zeitraum zu ermöglichen“, erläutert Spitzer den Zweck des Werkes. Der Wuppertaler hat seinen Wurzeln in Burscheid.

Schon in den 1980er Jahren gab es den Versuch einer Annäherung zu dem Thema. Geplant war damals ein Heftchen zu den ersten Burscheider Hausnummern. Spitzer: „Es blieb bei dem Versuch, da nur ein Bruchteil der inzwischen verfügbaren Daten zugänglich war.“

Soweit wie möglich wurden die Vorfahren der Menschen, die in dem Zeitraum von 1803 bis 1838 lebten, über die Kirchenbücher ermittelt. Wie Anne-Marie Frese, Vorsitzende des Burscheider Ablegers des Bergischen Geschichtsvereins, ergänzt, werden sehr viele familienhistorische Anfragen von Privatleuten bei der Stadtverwaltung weitergeleitet. „Sie landen dann bei uns.“

Zu manchen Familien, die ihre Wurzeln in besagtem Zeitraum in Burscheid haben, konnten über die Kirchenbücher die Daten von fünf bis sieben Generationen rekonstruiert und größere familiäre Zusammenhänge nachvollzogen werden.

Drei Quellen dienten als Grundlage für das Buch: zivile Personenstandsdaten der Stadtverwaltung, Kirchenbücher und — die Leichenpredigten von Pastör Löh als Hauptquelle. „Damals wurde noch kein Blatt vor den Mund genommen“, sagt Anne Marie Frese. Die positiven Dinge seien über den Verstorbenen erwähnt worden, aber auch die negativen. „Das wäre heute undenkbar“, sagt die Burscheiderin mit einem Schumzeln.

Spitzer spricht in diesem Zusammenhang von einem „besonderen Schatz an Informationen“. Deshalb wurden sie auch nicht als Lebensdaten nur aufgelistet. „Pastor Löh hat Besonderheiten des Lebens der beerdigten Personen festgehalten und ermöglicht uns so einen interessanten Einblick in die Lebenswelt zu Beginn des 19. Jahrhunderts.“ Beispiel gefällig? Hier die Wiedergabe einer Beschreibung des Geschichtsvereins-Mitglieds, dessen Original sich in dem Buch wiederfindet: „Am 12. Juni 1833 nachmittags zwischen 6 und 7 Uhr starb durch Selbstmord, durch Gurgeldurchschneiden in Gegenwart anderer, in der Wohnstube seines Bordherrn Henrich Klein in Irlermühle, nachdem er überführt und bekannt hatte, diese 14 Funfthaler Scheine bei dem Abbrand der Mühle entwendet zu haben . . .“

Dass die Predigten von Löh überhaupt eine derartige Bedeutung im Zusammenhang mit der nachvollziehbaren Familienchronik in Burscheid haben, hat folgenden Hintergrund: „Der Beginn von Löhs Wirken in Burscheid und die Einführung der ersten Burscheider Hausnummern fallen zeitlich nah zusammen“, erläutert Spitzer: „Pastor Löh hat diese Neuerung begeistert aufgegriffen und die neuen Nummern sofort verwendet.“ So bieten sie heute eine gute Orientierung für Familienforscher, die in dem Buch auch einen alphabetischen Index aller im Werk verzeichneten Personen finden und können gezielt nach ihnen suchen.