Einblicke in eine andere Zeit

Einblicke in eine andere Zeit

Bei der Renovierung ihres Bestattungshauses haben Ulrike Zelms und Alexandra Hölter Ausgaben des Volksboten aus dem Jahr 1901 gefunden.

Burscheid. Eine Überraschung erlebten Ulrike Zelms und ihre Tochter Alexandra Hölter, als sie die vorderen Räume ihres Bestattungshauses Kuhler & Kaufmann an der Altenberger Straße renovieren ließen. „Als die Fußleisten abgenommen wurden, entdeckten wir alte Zeitungen, die als Dämm- und Füllmaterial verwendet wurden. Es waren Ausgaben des Bergischen Volksboten aus dem Jahr 1901“, erinnert sich Hölter.

Vom Samstag, 20. April 1901, stammt ein Volksbote. Zu lesen gibt es dort unter anderem Reiseskizzen aus Russland, Vermischtes und einen Artikel über eine Deutsche Köhlerstation. Außerdem finden sich zahlreiche Kleinanzeigen in der Ausgabe. Geworben wird zum Beispiel für Kräuterwein für Magenleiden und für eine Zitronensaftkur. Auch bekannte Familiennamen aus Burscheid finden sich dort, wie der des Barbiers Reininghaus oder des Fotografen Schneppendahl.

Entdeckt wurde zudem eine Gratisbeilage des Volksboten mit dem Titel „Des Landmanns Sonntagsblatt - Allgemeine Zeitung für Landwirtschaft, Gartenbau und Hauswirtschaft“. Der Aufmacher handelt vom „Franken- und Mainthaler Rind“. Ein weiterer Artikel informiert über „Edel-Dahlien“. Auch hier finden sich zahlreiche Kleinanzeigen von der Schnurrbartpflege über Musikinstrumente bis zum „Deutschen Kückenheim“.

„Die Ausgaben würden wir gerne erhalten. Bei uns im Haus gibt es den Bergischen Volksboten schon, als ich noch ein Kind war. Und daran hat sich bis heute nichts verändert“, sagt Ulrike Zelms. Die alten Zeitungen müssen zu einer Zeit „verarbeitet“ worden sein, als die Familie noch gar nicht ihren Sitz in dem Haus hatte.

Diese blickt auf eine lange Tradition zurück, der Urgroßvater hatte als Bau- und Möbelschreiner 1880 das Unternehmen gegründet, das seit 1927 seinen Sitz an der Altenberger Straße hat. Gewandelt hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder. So wurden Ende der 70er Jahre die Möbelschreinerei und 1985 das Möbelgeschäft aufgegeben. Dafür spezialisierte man sich neben den Bestattungen auf ein Bettenfachgeschäft, das es bis 2002 in Burscheid gab.

„Die vorderen Geschäftsräume stammten aus den 60er Jahren. Jetzt wollten wir unsere Räume in der Gestaltung und bei der technischen Ausstattung auf den Stand der heutigen Zeit bringen“, sagt Hölter. Anfang Juli begannen die Arbeiten, die nun Mitte September abgeschlossen werden konnten. Zur Ausstattung des Empfangsbereichs gehört nun auch ein großer Präsentationsmonitor. „Dort können wir Informationsfilme zeigen. Themen wären beispielsweise See-, Wald- oder Baumbestattung, die immer stärker gefragt sind. Dazu kommen Bilder von Särgen oder Urnen, die wir in unserer Ausstellung nicht vor Ort haben“, sagt Zelms.

Die Renovierung setzt die Modernisierung fort, die 2008/09 mit dem neuen Verabschiedungsraum begonnen hat. „Die Empfangsräume sind nun hell, mit warmem Farben und klaren Linien. Das soll auch die Schwellenangst nehmen und soll möglichst angenehm sein für Menschen, die trauern“, erklärt Ulrike Zelms.

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