Ein zerbrochener Krug — aber ein tadelloser Auftritt

Ein zerbrochener Krug — aber ein tadelloser Auftritt

Die Theatergruppe der Evangelischen Kirchengemeinde begeistert die Besucher im Gemeindehaus mit Kleist-Lustspiel.

Burscheid. Zu Heinrich von Kleists Kriminallustspiel „Der zerbrochene Krug“ hatte die Theatergruppe der Evangelischen Kirchengemeinde zu Aufführungen am Wochenende ins Gemeindehaus eingeladen. Und die Laienschauspieler boten den rund 120 Gästen durch ihre mitreißende Spielfreude einen wunderbaren Theaterabend.

Auf der durch zahlreiche Holzelemente vergrößerten Bühne des Gemeindesaals standen ein Schreibtisch, zwei Stühle und ein Schreibpult. Hier fand der Schreiber Licht (Daniel Kleinscheck) morgens früh den Richter Adam (Carsten Holst) arg zerschunden auf dem Boden liegend. Beule an der Stirn, blutige Wunde am Hinterkopf, blaues Auge, zerrissene Hose — der Richter versucht seinen jämmerlichen Zustand durch einen simplen Sturz zu erklären. Und dass er kahlköpfig nach Hause kam, das liegt daran, „dass ich den Hut abnahm und die Perücke darin hängen blieb“. In der Gerichtsverhandlung, der Gerichtsrat Walter (Andreas Genau) beiwohnt, versucht er den Angeklagten Ruprecht (Dirk Stein) durch Tipps wie, „je knapper das Geständnis, desto kleiner die Strafe“ möglichst schnell zum Schweigen zu bringen, muss aber schließlich über seine eigene Verfehlung zu Gericht sitzen. Und verfängt sich in einem Netz von Lügen.

Bühnenbild und Kostüme passen bestens zum Stück, Maskenbildner haben beim Richter überzeugende Arbeit geleistet. Die Protagonisten, angefangen bei den beiden Mägden Liese (Nadine Albrecht) und Grete (auch Frau Brigitte: Karin Färber-Kersten), die beide die Arbeit nicht erfunden haben, über den Angeklagten, der energisch abstreitet, den wertvollen Krug zerschlagen zu haben, über das verzweifelte Mädchen Eve (Anna Brand), das schließlich die Wahrheit ausspricht, den misstrauisch gewordenen Gerichtsrat, den verlogenen Richter bis hin zu Marthe (Annette Gorny), die den „Lumpen“ verurteilt sehen will und Bauer Veit (Dirk Schirmer) spielen alle ihre Rollen so authentisch und überzeugend, dass es ein Genuss ist, ihnen zuzusehen und zuzuhören. Gestik, Mimik — hier stimmte einfach alles. Mit viel Applaus bedankten sich die Zuschauer für die gelungene Aufführung.

Anke Theron-Schirmer, seit rund 27 Jahren Theaterpädagogin und Jugendleiterin in der Gemeinde, hat das Stück als Regisseurin mit ihrer Theatergruppe einstudiert. Ein Dreivierteljahr ist geprobt worden, bevor das bekannte Lustspiel am Samstag und Sonntag aufgeführt wurde. Auch die Vorstellung am Sonntag war restlos ausverkauft. „Es kommen viele Gäste, die früher selbst in den Jugendspielgruppe dabei waren“, freut sich die Leiterin der Theatergruppe über das große Interesse. Nach der Aufführung heißt für sie vor der Aufführung, denn nach Pfingsten soll ein neues Stück einstudiert werden. Geprobt wird immer donnerstags im Saal des Gemeindehauses. Wer Lust hat, mitzumachen, der ist willkommen. Anmelden dazu kann man sich unter Tel. 6 37 15.

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