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Kirche: „Ein Politiker mit einem Gewissen“

Kirche : „Ein Politiker mit einem Gewissen“

„Der heilige Heribert war als Kölner Erzbischof ein Politiker, dem sein Gewissen wichtiger war, als der bloße Machterhalt“, sagt Pfarrer Jürgen Dreher über den Namensgeber seiner Kirche in Deutz, der vor 1000 Jahren gestorben ist.

Der Freund Kaisers Ottos III. und langjährige deutsch-römische Reichskanzler hat in seiner Amtszeit von 999 bis 1021 Maßstäbe gesetzt. „Er hat nicht nur für die Entwicklung der rechten Rheinseite Entscheidendes geleistet, sondern auch Maßstäbe in der sozial-karitativen Arbeit gesetzt“, erklärt Stadtdechant Msgr. Robert Kleine. Durch die Ansiedlung von Benediktinern und die Gründung der Abtei Deutz im Jahre 1002 wurde der Grundstein gelegt für die Ausdehnung und Blüte des Rechtsrheinischen. In der Zeit der großen Hungersnöte um 1005/1006 sorgte Heribert zudem systemisch dafür, dass den Armen geholfen wurde. „Heribert war ein echter kölscher Pontifex, ein Brückenbauer im wahrsten Sinne des Wortes. Er hatte Visionen und war ein Vorbild für alle“, betont Kleine.

In seinem Jubiläumsjahr gibt es die Doppelausstellung „Gerechtigkeit, Macht, Frieden – 1000 Jahre Heribert von Köln“  in der Domschatzkammer und in St. Heribert mit dem Schrein des Heiligen und den Exponaten der eigenen Schatzkammer. Um den Schrein hinter dem Altar und in der Mitte der Kirche an der Deutzer Freiheit besser in Augenschein nehmen zu können, wurde ein Gerüst aufgebaut, das den Betrachter auf Augenhöhe bringt. „Man sieht auf dem Schrein viele Details, welche die Lebensgeschichte Heriberts erzählen“, sagt Erzdiozesankonservatorin Anna Pawlik. Es handelt sich um einen der ältesten Großschreine im Rheinland und um ein herausragendes Zeugnis der rheinischen Goldschmiedekunst des 12. Jahrhunderts.

Dazu kommen in der Schatzkammer zwei wertvolle Seidenstoffe – eine „Löwenseide“ aus byzantinischer Hofkunst und eine „Vogelseide“, die in Spanien hergestellt worden ist. Zu sehen ist dort auch seine Trinkschale, sein Stab aus Wallrosszahn und seine leuchtend gelbe Kasel aus der Zeit um 1000. Die Trinkschale ist nur bruchstückhaft erhalten. Die unscheinbaren Fragmente von Kokosnuss sind aber das älteste Zeugnis dieser Gefäße. Der Schatz im sogenannten Sacrarium ist nur sehr selten zugänglich.

In der Domschatzkammer gehört der Kamm des heiligen Heriberts aus Elfenbein zu den herausragenden Exponaten. Er ist eine Leihgabe des Museums Schnütgen und entstand um 870 in Metz, wohl anlässlich der Krönung Karl des Kahlen. Zu bewundern ist außerdem ein Kelch mit Patene, der spätestens ab dem 17. Jahrhundert als Berührungsreliquie eine besondere Bedeutung bekam. Gezeigt wird zudem das Pallium des Heiligen, eine Art Stola, sowie der Petrusstab. Dazu kommen mehrere Handschriften und Urkunden aus der Zeit Heriberts.

Zur Ausstellung ist ein Begleitband des Experten Professor Heribert Müller erschienen. Er umfasst eine Abhandlung über das Werk und das Leben des heiligen Heribert sowie einen Katalog über die insgesamt 17 Exponate der Doppelausstellung. Der Band kostet 9.90 Euro. Fünf Euro davon gehen an die Fluthilfe der Caritas. Erhältlich ist dieser zum Beispiel im Domshop oder in der Domschatzkammer.