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Ein Mädchen will die Dächer erobern

Ein Mädchen will die Dächer erobern

Die 14-jähriger Milena Leber arbeitete gestern zum Girls’Day bei Dachdecker Kantelberg und will dort eine Ausbildung machen. Ein Lichtblick für den Betrieb. Azubis sind seit Jahren Mangelware.

Burscheid. Dass sie arbeiten kann und will, zeigt Milena Leber sofort. Als Dachdecker Klaus Bergmann die etwa ein Quadratmeter große Lichtkuppel von der Öffnung des Dachs der Turnhalle auf dem Schulberg ziehen will, packt die 14-Jährige sofort mit an. Wie in einem lange eingespielten Team verhält sich die Schülerin der Gesamtschule Leverkusen Schlebusch. Dabei ist sie gerade ein paar Stunden dabei — und hat als weibliche Handwerkskraft Premiere in der Burscheider Traditions-Dachdeckerei.

„Es macht mir großen Spaß, auf Dächer zu steigen und handwerklich zu arbeiten. Außerdem bin ich gerne draußen“, erklärt die 14-Jährige ihren Wunsch, nach dem gestrigen Schnuppertag anlässlich des Girls’Days in fernerer Zeit auch eine Ausbildung in dem Burscheider Dachdeckerbetrieb machen zu wollen.

Das sei aber noch Zukunftsmusik. Erst mal wolle sie ihre Schule zu Ende machen — ob mit Mittlerer Reife oder Abitur zum Abschluss, wisse sie noch nicht. In jedem Fall möchte sie aber anschließend die Dächer erobern. Darüber werde zu Hause aber noch diskutiert. Ihre Mutter sehe sie eher als Erzieherin in einer Kita. Ihr Vater habe sich aber schließlich zur Ausbildungsmesse ins Megafon nach Burscheid im vergangenen Jahr gefahren, nachdem sie geäußert hatte, Dachdeckerin sei ihr Wunschberuf. Der Vater fand heraus, dass sich die Firma Kantelberg dort präsentierte — und die beiden zogen los.

Und sie hinterließ damals schon einen bleibenden Eindruck. „Wir haben sofort gemerkt, dass sie etwas kann“, sagt Anne Müller-Kantelberg, die im Betrieb für die kaufmännische Abteilung zuständig ist. Am Stand des Betriebs mussten Schieferplatten so bearbeitet werden, dass am Ende ein kleines Herz daraus wurde. Milena ging das gut von der Hand und ein erster Kontakt war geknüpft. Und womöglich mündet der in eine Ausbildung.

Für den Burscheider Betrieb ist dies auch ein Zeichen, auf dem richtigen Weg zu sein. Vor fünf Jahren habe sich zum ersten Mal gezeigt, dass Azubis dem Betrieb nicht mehr die Tür einrannten. „Wir konnten zwar noch immer unsere Ausbildungsstellen besetzen, aber wir können nicht mehr aussuchen“, erklärte Anne Müller-Kantelberg. Die Teilnahme am Girls’Day, das Angebot mehrwöchiger Praktika, die Möglichkeit zur Ausbildung, ein Internetauftritt und die Präsentation auf der Ausbildungsmesse seien heute notwendig, um auf den Beruf aufmerksam zu machen, bei dem viele Fähigkeiten gefragt seien. „Das Wichtigste ist aber, dass es dem Azubi Spaß macht“, erklärt Dachdeckermeister Thomas Kantelberg.