Megafon: Ein Jugend-Hörspiel gegen Rechts

Megafon : Ein Jugend-Hörspiel gegen Rechts

Acht Jugendliche sollen das Stück im Megafon schreiben und später auch selbst vertonen.

Das erste große Theaterprojekt zum Thema Soziale Medien ist noch nicht über die Bühne des Megafon gegangen (siehe Kasten), da zaubert Einrichtungsleiter Marc Munz schon das nächste sozialkritische Projekt aus dem Hut. „Wir wollen ein Hörspiel machen zum Thema, wie jemand rechts im Sinne von fremdenfeindlich geworden ist.“

Dabei sollen acht Jugendliche das Stück erstmal gemeinsam zu Papier bringen. „Entweder nehmen wir dabei ein schon bestehendes Theaterstück oder einen Film als Grundlage, oder wir schreiben eine eigene Geschichte“, sagt Munz. Keineswegs sei es so, dass ihm beim täglichen Miteinander antisemitische Äußerungen oder extremes Gedankengut der Kinder und Jugendlichen im Megafon aufgefallen seien. Im Gegenteil. „Ich erlebe das Thema hier gar nicht“, sagt er. „Ich habe noch nie erlebt, dass hier jemand ausgegrenzt wird.“ Alle jungen Besucher seien „sehr liebevoll miteinander, sehr offen und sehr zugewandt“.

Munz: „Aber wir müssen Konfrontation hervorbringen. Damit unsere Kinder mitreden können, brauchen sie die Auseinandersetzung.“ Gerade bei diesem Thema nicht zuletzt auch deshalb, weil gerade die AfD in Burscheid mit einer Ortsgruppe bei der nächsten Kommunalwahl antreten wolle. Aber auch deshalb, weil jeden Tag Vorfälle in den Zeitungen zu lesen seien.

Wichtig sei Munz aber auch das Handwerkliche. „Es ist letztlich wie ein Theaterstück“, sagt er, weist aber auf den entscheidenden Unterschied hin. „Die Jugendlichen müssen dem Stück mir ihrer Stimme Bedeutung geben.“ Und: „Ein Hörspiel hat eine viel größere Intensität.“ Gerade bei diesem Thema sei Tiefe wichtig, die vielleicht auf der Bühne abhanden kommen oder durch die Darstellung etwas in den Hintergrund rücken könne. Dennoch überlegt der Leiter des Megafon, ob er bei der Premiere „Zuschauern“ nicht doch eine Version im Veranstaltungssaal anbieten soll. „Wir könnten das Stück auf die Bühne bringen und den Besuchern die Augen zubinden.“

Aber vorher müsse das Stück natürlich geschrieben werden. Erst nach dieser „Trockenphase“ könne es dann in das Tonstudio des Megafon gehen, in dem aber nicht nur junge Menschen aus dem Burscheider Jugendzentrum teilnehmen sollen. Das Projekt ist eine Kooperation mit der Offenen Jugendarbeit Odenthal (OJO). „Wir haben ganz unterschiedliche Besuchergruppen“, erläutert Munz. „Bei uns gibt es sehr viele Kinder mit Migrationshintergrund, in der OJO eher nicht.“ Er sei deshalb gespannt, wie das Thema jeweils angegangen werde.

Wie auch beim aktuellen Theaterprojekt, das am Wochenende gezeigt wird, hofft der Megafon-Chef auf finanzielle Unterstützung. Ein Förderantrag wurde beim Landschaftsverband Rheinland bereits eingereicht.

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