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Lesen: Ein Gotteshaus mit vielen Geschichten

Lesen : Ein Gotteshaus mit vielen Geschichten

Wer sich Köln nähert, sieht die beiden Türme des Doms schon von weitem. Sie sind das Markenzeichen der Stadt am Rhein und begeistern nicht nur die Einheimischen. Der Kölner Dom gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Deutschland.

Der kostbare Dreikönigenschrein und das faszinierende Richter-Fenster locken jedes Jahr Touristen aus aller Welt. Doch es gibt in der Kathedrale noch weit mehr zu sehen und nicht alles findet sich in den Reiseführern wieder. Ein neues Buch im Emons-Verlag stellt „111 Orte im und am Kölner Dom, die man gesehen haben muss“ vor.

Dazu zählt zum Beispiel das Achsfenster. Dort findet sich ein rätselhafter, in Stein gehauener Kopf. Eine runde, flache Kopfbedeckung gibt es den Hinweis, dass es sich wohl um einen der Dombaumeister handelt und es könnte sich um einen besonders prominenten Vertreter, nämlich um Meister Gerhard handeln. Er war der erste Dombaumeister und könnte sich an seinem Gotteshaus mit einem Selbstporträt verewigt haben. Ihm ist der Gesamtplan für den Dom zuschreiben, der bis zum 19. Jahrhundert maßgeblich blieb. Die erste Frau, die 1999 die Aufgabe des Dombaumeisters übernahm, war Barbara Schock-Werner. Ihr Porträt aus Stein ist seit 2014 an einem westlichen Eckpfeiler zu sehen.

Wertvolle Kunstwerke
finden sich im Kölner Dom

Besonders prächtig ist der Agilolphusaltar gestaltet, der erst im 19. Jahrhundert in den Dom gelangte und der seinen Platz im südlichen Querhaus gefunden hat. Zuvor diente er knapp drei Jahrhunderte lang als Hochaltar der Stiftskirche Sankt Maria ad gradus. Seine Ausmaße machen ihn zu einem der größten Exemplare der Antwerpener Schnitzaltäre. Der üppig mit Figuren ausgestattete Altar zeigt Szenen aus Leben und Passion Jesu. Im Sockel des Altars findet sich der Schrein der heiligen fünf Mauren, die allesamt Gefährden des heiligen Gereon waren. Der Agilolphusschrein hat seinen Platz in unmittelbarer Nähe.

Das ältere Bibelfenster bietet dem Betrachter, der den Dom vom Westen aus betritt, farbenprächtige Bilder voller Geschichten. Es ist das älteste und das ranghöchste Fenster im Dom, das von Anfang an mit Bildern der Heilsgeschichte farbig gestaltet war. Es ist das einzige Fenster, das bis heute von der ersten Verglasung der Chorkapelle noch vorhanden ist. Die Chortabernakel zeigen Engelsfiguren in der vierten Generation. Die ältesten stammen aus dem 19. Jahrhundert und ersetzten die mittelalterlichen Skulpturen. Der jüngste Engel kam 1968 an seinen Platz.

Ein filigraner Koloss aus Stahl ist der Dachstuhl des großen Gotteshauses in einer Höhe von 45 Metern, den man mit dem Lastenaufzug an der Nordseite erreichen kann. Ursprünglich bestand dieser aus massiven Eichenholzbalken. Diese wurden bei der Vollendung des Doms in den 1860er Jahren durch eine moderne Stahlkonstruktion ersetzt, die man bei einer Dachführung bewundern kann. Als der Kölner Erzbischof Gero 976 starb, prägte noch der karolingische Dom die Silhouette der Stadt. Dort fand der als Heilige verehrte Kirchenmann seine letzte Ruhestätte. Er soll von seinem Nachfolger bei lebendigem Leibe eingemauert worden sein. Das Hochgrab findet sich heute im Bereich des Chorumgangs, wo auch das Gerokreuz in Augenschein genommen werden kann.

Beantwortet wird im Buch die Frage, ob der Dom eine eigene Hausnummer besitzt. Seine korrekte Adresse laut „Domkloster 4“. Bei den steinernen Skulpturen an der Fassade befinden sich auch weltliche Figuren wie Politiker, Fußballer und Figuren aus dem Karneval. Unter dem Titel „Der Rechenschaftsbericht“ wurde der Mitarbeiter der Dombauhütte, Heinrich Wingender, mit Bauarbeiterhelm und aufgeschlagenem Notizbuch auf dem Knie als Wasserspeier verewigt. Zu sehen ist am Dom auch der aktuelle Papst Franziskus, der seinen Platz als Zierwasserspeier am Mittelportal der Westfassade bekommen hat.

Ein besonderes Schmuckstück im Altarbereich ist die Kathedra – ein so würde- wie auch kunstvoll gestalteter Thron des Kölner Erzbischofs, der 1952 vom damaligen Dombaumeister Willy Weyres entworfen wurde. Eine besondere Geschichte erzählt die Papstreliquie von Johannes Paul II., die ihren vom Düsseldorfer Künstler Bert Gerresheim gestalteten Platz im nördlichen Querhaus bekommen hat. Diese wurde 2016 nachts von einem Unbekannten gestohlen, konnte aber dank des Krakauer Erzbischofs Stanislaw Kardinal Dziwisz gleichwertig ersetzt werden.

Thematisiert werden in dem 111-Orte-Buch unter anderem auch die Außenbeleuchtung des Doms, das aus 30 Eichenstämmen gefertigte Chorgestühl mit seinen tierischen Motiven, die bleigedeckten Dächer des Doms, der ehemalige Dombunker als Schutzort für Kunst, die Domglocken, die Domplombe, die Domuhr, das Firstkreuz und der Dachkamm, das Fußbodenmosaik im Chorbereich, die „ewigen“ Gerüste am Dom und dessen Gesteinsarten, der Hochaltar, die Kanzel, die Kreuzblume, die Krypta, die Lostrommeln der Domlotterie, die Papstterrasse, die Pfingsttür, der Preußenadler, die Sängerempore, die Schutzgitter des Doms, der Teufelsstein und der Vierungsturm.

Verfasst wurde der umfassende und unterhaltsam geschriebene Domführer in 111 bebilderten Kapiteln vom Kunsthistoriker Klaus Hardering, der seit drei Jahrzehnten für die Kölner Dombauhütte tätig ist, und von Petra Sophia Zimmermann, die als Professorin für Kunstgeschichte an der Fakultät für Architektur der TH Köln arbeitet.

 

Klaus Hardering, Petra Sophia Zimmermann: 111 Orte im Kölner Dom, die man gesehen haben muss, Emons Verlag, 240 Seiten, 16,95 Euro