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Kunst: „Ein Gang durch das Familienalbum“

Kunst : „Ein Gang durch das Familienalbum“

Wenn Jan Kollwitz im Kölner Museum am Neumarkt durch die neue Sonderausstellung mit den Porträts seiner Urgroßmutter Käthe Kollwitz geht, sind das für den herausragenden Keramiker besondere Begegnungen: „Dort hängen die Porträts meiner Tanten, meines Großvaters und weiterer Verwandter.

Da ist wie ein Familientreffen, ein Gang durchs Familienalbum. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich vor den Werken stehe. Ich bin beeindruckt, mit welcher Stringenz meine Urgroßmutter ihr ganzes Leben an ihrer Kunst gearbeitet hat. Da ist sie ein großes Vorbild für mich. Die Unbedingtheit, mit der sie gearbeitet hat, fühle ich auch in meinem Herzen“, sagt der Kollwitz-Urenkel.

Vom Schauspieler
zum Keramiker

In der aktuellen Ausstellung zeigt er noch bis morgen seine japanische Keramik. „Das ist meine dritte Ausstellung hier im Kölner Kollwitz-Museum. Beim ersten Mal hatte ich richtig Lampenfieber. Ich fühle mich hier nicht als Fremdkörper. Meine Urgroßmutter umgibt mich mit ihrem Wohlwollen, das überall in der Luft liegt. Die Sammlung in Köln ist die größte, die es weltweit von Käthe Kollwitz gibt. Das Museum ist eine tolle Adresse.“

Der Weg des Urenkels ging zunächst in eine andere Richtung. „Mit 13 Jahren habe ich eine Rolle in Peter Beauvais Film „Sechs Wochen im Leben der Brüder G“ bekommen. Dieser lief in der Reihe kleines Fernsehspiel und wurde mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Danach gab es für mich viele Angebote. Doch meine Familie bremste mich als angehenden Kinderdarsteller. Sie wollte, dass ich nicht verheizt werde. Ich sollte mit 18 Jahren mein Abitur machen und pro Jahr maximal einen Film drehen. Nach dem Abitur bin ich auf die Schauspielschule gegangen und mein Weg führte mich später ins Theater.“

Doch glücklich wird Jan Kollwitz bei seiner Arbeit auf der Bühne nicht. „Ich wollte alleine arbeiten und etwas mit meinen Händen machen. Da bot sich zunächst der Beruf des Bildhauers an. Doch das hätte bedeutet, dass ich ständig mit meiner Urgroßmutter verglichen worden wäre. Das wollte ich nicht.“ Seinen weiteren beruflichen Weg bestimmt hat eine Begegnung mit dem bekannten Keramiker Horst Kerstan in Kandern. „Er war ein Töpfer, der seine Gefäße bildhauerisch gestaltet hat. Solche Gefäße werden in Japan für die aufwendigen Teezeremonien gebraucht. Sie werden nicht nur für den reinen Gebrauchszweck hergestellt.“

Die Keramiker benutzen dafür in Japan den Anagama-Holzbrennofen, den Kollwitz bei seinen Reisen nach Asien kennenlernt. „Die Keramik wird dort in einem wahren Feuersturm von bis zu 1340 Grad gestaltet. Sie wird nicht glasiert. Farben und Glanz entstehen während des vier Tage dauernden Brandes. Die umherfliegende Flugasche verschmilzt auf den Gefäßen zu einer natürlichen Glasur. Aus der Asche wird durch die große Hitzeeinwirkung Glas. Je nachdem, wo sich ein Gefäß im Ofen befindet, verändert sich die Farbe. Vorne wird die Keramik eher grünlich, weiter hinten sind es matte Ockertöne. Dazu kommen durch den Rauch und die Flammen graue und rote Farben. In Japan sagt man, es ist die Sache des Ofens, welche Farbe entsteht“, erläutert Kollwitz.

Zunächst geht er für drei Jahre bei Kerstan im Schwarzwald in die Lehre, wo ein Anagama-Ofen steht. Doch das reicht dem Künstler bei Weitem nicht aus. „Ich wollte in Japan die originale Technik aus dem 16. Jahrhundert lernen und von 400 Jahren Erfahrung profitieren. Deshalb wollte ich bei einem japanischen Meister in die Lehre gehen.“ Mit der Eisenbahn fährt er nach Japan. „Die Suche nach dem Meister war zunächst eine Odyssee. Doch dann hat mich Yukata Nakamuras in Echizen als Schüler angenommen. Zwei Jahre habe ich bei ihm gelernt.“

Zurück in Deutschland beschließt Jan Kollwitz, sich seinen eigenen Anagama-Holzofen direkt an der Ostsee bauen zu lassen. Es gelingt ihm, durch seine enge Freundschaft zum Teekeramiker Yamada Kazu 1988 den berühmten japanischen Ofensetzer Watanabe Tatsuo für das Bauprojekt in Cismar zu gewinnen. „Dort steht der Ofen, den ich nun seit 33 Jahren besitze, im Garten eines alten Pastorats. Er kommt einmal im Jahr zu seinem Einsatz.“ Der japanische Ofenbau an der Ostsee findet sich in Christoph Peters unterhaltsamem Roman „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ wieder, der Jan Kollwitz bekannt gemacht hat.