Ein Buch mit gesammeltem Wissen

Ein Buch mit gesammeltem Wissen

Der Bergische Geschichtsverein hat sein Buch über die Burscheider Läden vorgestellt. Viele Anwohner haben bei der Sammlung geholfen.

Burscheid. „Von Läden und Salons - Geschäfte in Burscheid früher und heute“ ist das Buch überschrieben, das Grete Klippert, Barbara Sarx und Sabine Wurmbach als Mitglieder des Bergischen Geschichtsvereins, Abteilung Burscheid, mit ganz viel Engagement und Liebe zum Detail zusammengestellt und jetzt in der Buchhandlung von Ute Hentschel vorgestellt haben. Das Layout hat Roland Schwamborn gestaltet.

Grete Klippert erinnert sich an die Samenhandlung

Und es war eine unterhaltsame Reise in die Vergangenheit, die die rund 20 Gäste am Dienstagabend erlebten. Denn es wurde nicht nur an die Vielzahl der Läden und Geschäfte - vom Schuhgeschäft über Bäckereien und Friseur bis hin zu einer Samenhandlung erinnert, sondern auch jede Menge Anekdötchen dazu erzählt. „Wir waren am Anfang ganz euphorisch, aber auch naiv. Wir dachten, wir könnten über ganz Burscheid berichten“, schildert Sabine Wurmbach den Beginn der aufwendigen Recherchen. Schließlich habe man sich dann auf die Höhe- und die Hauptstraße beschränkt. Sonstige Neben- und Geschäftsstraßen sollen folgen.

Erzählt wird zum Beispiel vom Haus an der Höhestraße 64, in dem heute ein Second-Hand-Laden ist. „Hier war früher die Samenhandlung von Herrn Ketels, wo ich immer Pflanzen, zum Beispiel Zuckerrüben holen musste“, erinnert sich Grete Klippert. Im Laden habe es immer noch Erde gerochen und kleine Mäuse seien zwischen den Säcken mit Saatgut herumgeflitzt. „Wenn mein Vater dabei war, hat er mich immer auf der riesigen Dezimalwaage, die auf der Verkaufstheke stand, gewogen“, kann sie sich gut erinnern.

Das Haus Höhestraße 16 bis 18, das inzwischen Anlaufstelle eines Ambulanten Pflegedienstes ist, wurde 1926 von den Eheleuten Kollbach, den Eltern von Gerda Hinz, geborene Kollbach gekauft. Bis 1973 backte der Bäckermeister Hinz, der Schwiegersohn von Kollbachs, hier Brötchen, Brot und Kuchen. Seine Milchbrötchen galten als die Besten in Burscheid. Wie Enkelin Tanja Pulvermacher erzählt, hat sie als Kind in der Backstube krabbelnd die Rosinen „geklaut“. Außerdem ist überliefert, dass nach einem Schützenfest die Brötchen stets ein wenig unförmig aus dem Ofen kamen. . .

Im Haus Höhestraße 54 bei Robert und Heinz Schmidt, wurde ebenfalls Brot und Kuchen gebacken. „Da gab es Himbeerbonbons, Seidenkissen und Lakritz in hohen Gläsern“, konnte sich eine Zuhörerin noch gut erinnern.

Im Haus an der Hauptstraße 59 war damals die Gaststätte mit Fremdenzimmer „Zur alten Post“ untergebracht. Darauf folgte der Lebensmittelladen von Schürmann. Auch das Reklameschild von damals: „Schürmann-Qualität, Sicherheit der Hausfrau“ ist im Buch abgebildet.

Zu sehen ist auch, wie Alfred Eckstein, der an der Hauptstraße 56 ein Geschäft hatte, seine Ware anbot: „Das älteste Schuhgeschäft am Platze empfiehlt sich in soliden Damen-, Herren- und Kinderschuhen sowie in Hauspantoffeln und Gummischuhen.“

Die Dokumentation basiert auf der im Januar 2017 in den Räumen der Stadtbücherei Burscheid veranstalteten Ausstellung über die Geschichte der Geschäfte in der Höhe- und Hauptstraße. Zahlreiche Burscheiderinnen und Burscheider haben nicht nur die Ausstellung besucht, sondern folgten auch dem Aufruf, sich an der Recherche mit Erinnerungen, Bildern und Erzählungen zu beteiligen. Dieses Engagement wurde von der Arbeitsgruppe des Geschichtsvereins in die Dokumentation eingearbeitet. „Wir haben immer ein ehemaliges einem aktuellen Bild gegenüber gestellt“, sagt Barbara Sarx, die als ehemalige Fotografin beim Bergischen Volksboten für die Auswahl der Bilder verantwortlich war. Das Buch „Von Läden und Salons“ kostet 12,95 Euro.