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Dürscheid: Ein Ort mit eigenem Charakter

Dürscheid: Ein Ort mit eigenem Charakter

Die erst 1930 eingemeindete Ortschaft hat bis heute ihre kulturelle Vielfalt behalten.

Burscheid. Beschaulich und rührig: die Ortschaft Dürscheid im Wiembachtal, die erst am 1. April 1930 nach Burscheid eingemeindet wurde, hat einen ganz eigenen Charakter. Beschaulich wegen der geschlossenen, teilweise alten Bebauung, umgeben von Wiesen und Wald, rührig in der Vielzahl der Vereine, die dem Ort sein Gepräge gegeben haben und geben.

Die Eingemeindung nach Burscheid am 1. April 1930 entsprach durchaus dem Willen der Bevölkerung: "Gemäß dem Wunsche der Bevölkerung Dürscheids erfolgte die Abtrennung von Lützenkirchen nach Burscheid" - heißt es in der Dürscheider Schulchronik, die ein kleines Geschichtsbuch des Ortes ist.

Dürscheid ist ein alter Ort. Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahre 1202: in der Höfeliste des Lagerbuchs von St. Remigius in Opladen findet sich in der Flur VIII (Ropenstall) ein Hof der Brüder Heinrich und Roland von "Durscheyt". 1210 wird ein Marsilius von "Durscheide" erwähnt. Ob Dürscheid tatsächlich ein Rittersitz war, wie immer wieder vermutet und spekuliert worden ist, ist jedoch mehr als zweifelhaft - Spuren hat man nie gefunden.

Die Dürscheider Mühle, die 1217 in einer Schenkungsurkunde des Grafen Adolf von Berg erstmalig erwähnt wird, gibt es dagegen heute noch. Das unter Denkmalschutz stehende ehemalige Mühlengebäude stammt in seiner ursprünglichen Form, die im 19. Jahrhundert verändert wurde, allerdings aus dem Jahre 1775.

Erbaut wurde es von den Brüdern Henrich und Rütger Wirtz aus Bornheim, wie die Inschrift über der Eingangstür verrät. Bis etwa 1900 lief noch der Mühlenbetrieb, anschließend wurde die Mühle bis 1978 landwirtschaftlich genutzt. Seitdem ist sie ein Privathaus.

Erstmalig kartographisch erwähnt wird Dürscheid im Jahre 1715: Erich Philipp Ploennies zeichnete es als "Vollhof" in seine Karte des Amtes Miselohe ein. Aus dem also schon beträchtlich großen Hof entwickelte sich die Ortschaft, die mit ihrem traditionellen Eigenleben und ihrer kulturellen Vielfalt einzigartig in Burscheid ist. Geistiger Mittelpunkt und Herz des Ortes wurde die 1843 gegründete katholische Schule, die bis 1966 bestanden hat und auch von vielen Kindern von den benachbarten Höfen und Weilern besucht wurde.

Von den Lehrern gingen zahlreiche Initiativen zur Belebung des Ortes aus. Alles wurde in der Schulchronik dokumentiert und kommentiert: von den Sorgen und Nöten der Einwohner bis hin zur Gründung von Vereinen und mehreren Wassergenossenschaften. Missernten und ein "schlimmes Hochwasser", bei dem "der heimatliche Bach eine Höhe wie sonst niemals hatte", wurden ebenso festgehalten wie persönliche Schicksale und die Vereinsgründungen.

Allen voran der Männergesangverein Dürscheid, 1889 durch den Lehrer Georg Kaiser gegründet, zusammen mit neun sangesfreudigen Dorfbewohnern. Der MGV lässt bis heute bei seinen Konzerten die Säle aus den Nähten platzen. Seit 1968 verfügt der Verein über ein weitgehend in Eigenleistung entstandenes Sängerheim. Zweitältester Dürscheider Verein war der Humoristenverein "Fidelia" (bis etwa 1935), der 1899 mit dem Wahlspruch "Humor und Scherz, ein frohes Herz" gegründet wurde. Er belebte ab den 20er Jahren die alte Tradition des Hahnenköppens" neu, dass anlässlich der Dürscheider Kirmes stattfand.

Ein 1904 gegründeter Verschönerungsverein wurde neben dem MGV, dem Humoristenverein und der Schule hauptsächlicher Veranstalter des Heidbergfestes, das alljährlich, heute in alleiniger Regie des MGV, im Mai gefeiert wird. 1986 wurde der Damenchor "Dürscheider Dreiklang" gegründet, seit zwei Jahren gibt es den "Young Music Choir".

Trotz seiner idyllischen Lage ist Dürscheid nie ein Touristenmagnet geworden. Nur zweimal kamen vermehrt Städter nach hier: Im Hungerjahr 1917 wurden sie "nachts in den Feldern angetroffen und trugen zum Teil sogar Geräte zum Ausroden der Kartoffeln bei sich". Friedlicher und länger blieben Flüchtlinge aus Mariaweiler bei Düren, die 1944 von den Dürscheider Familien aufgenommen wurden.

Der Bau der Dürscheider Kapelle Peter und Paul im Jahre 1968, in der heute griechisch-orthodoxer Gottesdienst gefeiert wird, geht im Grunde auf diese Episode zurück. Ein Ehrenmal erinnert in der Ortsmitte an die Gefallenen der beiden Weltkriege. Als beliebtes Wohngebiet zählt Dürscheid, so meint Dietmar Reinighaus "heute mehr Zugereiste als Einheimische."