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Die zerstörte Stadt: Als Köln 1945 in Trümmern lag

Kultur : Die zerstörte Stadt: Als Köln 1945 in Trümmern lag

Im März 1945 war Köln eine Trümmerwüste. Von den ursprünglich 700.000 Einwohnern hausten nur noch 40.000 Menschen in der zerstörten Stadt. Eine Sonderschau zeigt „Köln 1945“.

Mehr als 1,5 Millionen Bomben waren laut Schätzungen auf die Metropole am Rhein gefallen, bis zu 20.000 Tote forderten die Luftangriffe der US-Luftwaffe und der Royal Air Force, die 1942 begonnen hatten. Die Kölner hatten eine tiefgreifende, traumatisierende Erfahrung gemacht. Wie die Stadt damals aussah, zeigt ein großes schwedisches Filmmodell, das jetzt in der Sonderausstellung „Köln 1945“ des Kölnischen Stadtmuseums zu sehen ist. Es wurde im Kinofilm „Über die Unendlichkeit“ für eine kurze Szene aufwendig gebaut.

Der Alltag im zerstörten Köln und der Wiederaufbau

Solche Bilder verführten nach Kriegsende dazu, die Stadt und ihre Bewohner als Opfer zu stilisieren. Das waren sie sicher auch, aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Der Blick muss hier auf die Ursachen und Hintergründe gerichtet werden. Denn es war die Nazidiktatur, die Europa und die Welt mit Angst und Schrecken überzog. Schon vor den ersten Luftangriffen wurden von den NS-Tätern Menschen aus Köln wie Juden, Sinti und Roma, politische Oppositionelle und Homosexuelle verschleppt, misshandelt und ermordet. Die Mehrheit der Bevölkerung jubelte den neuen Machthabern zu und unterstützte sie aktiv oder passiv bei ihren Verbrechen. Weltweit sind dem Krieg und dem Vernichtungswahnsinn der Nazis in den Lagern rund 60 Millionen Menschen zum Opfer gefallen.

Dies ist einer der Aspekte, die die Sonderschau behandelt und sich auch im zweisprachigen Begleitband von Yvonne Katzy zur Ausstellung widerspiegelt, den es im Museumsshop für 14 Euro zu kaufen gibt. Geschildert wird der Alltag der Menschen in der zerstörten Stadt, wo kaum ein Gebäude noch oberirdisch bewohnbar ist. Die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal, es herrscht Hunger und Not. Da wird die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und der Frage der Mitschuld am Terrorregime zunächst noch zur Nebensache.

Geschildert wird vor Ort und im Begleitband auch der Wiederaufbau der zerstörten Stadt. Das beginnt mit dem Wegräumen der zahlreichen Trümmer. Dies wird von Firmen genauso übernommen wie von Kölnern im Ehrendienst. Politik und Verwaltung werden unter alliierter Aufsicht neu organisiert. Auch die Kultur erholt sich – es gibt wieder Theater, Ausstellungen, Gesang und Tanz. Hunger bestimmt aber immer noch das Leben vieler Menschen und das „Fringsen“ von Kohle ermöglicht das Überleben. Davon erzählen in der Alten Wache Geschichten, Filme, Fotografien und Plakate, die den Alltag der Menschen in Köln widerspiegeln und die teilweise auch im Begleitband zu finden sind.

Die Kapitel dort behandeln zum Beispiel den demokratischen Wiederaufbau Kölns unter „Von Adenauer zu Pünder“, der den späteren Bundeskanzler als OB abgelöst hat. Auch die Entnazifizierung wird thematisiert. Dabei geht es um „Hauptschuldige“ genauso wie um „Mitläufer“. Weitere Bereiche im Buch sind die Kölner Heimkehrer, die in großer Zahl zu Fuß zurück in ihre Heimat kommen.

Schon Ende 1945 leben dort wieder 447.000 Menschen. Es geht um die „Kultur in Trümmern“, um „Hunger und Not“ mit vielen Objekten aus dem Alltag, um den Schwarzmarkt und um die Infrastruktur für das neue Köln. Behandelt werden auch die Kriegsnarben, die wie Einschusslöcher oder Schäden am Dom, bis heute in der Stadt zu finden sind. Auch Bombenfunde bestimmen bis heute immer wieder das Leben der Kölner. Zu sehen sind in der Domstadt auch noch Hochbunker oder Zugänge zu Luftschutzbunkern.

Service: Die Ausstellung „Köln 1945 – Alltag in Trümmern“ im Kölnischen Stadtmuseum läuft noch bis 27. Juni. Derzeit ist eine Voranmeldung des Besuchs online erforderlich. 

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