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Die Kapazitätsgrenze ist erreicht

Die Kapazitätsgrenze ist erreicht

Im vergangenen Jahr haben die Kölner Verkehrsbetriebe so viele Fahrgäste wie noch nie verzeichnet. Das Netz der Stadtbahnen ist extrem ausgelastet.

Köln. Rund 280,6 Millionen Fahrgäste waren im vergangenen Jahr mit den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) unterwegs. Das bedeutet für das Unternehmen einen neuen Fahrgastrekord und ein Plus von einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der mit Bus und Bahn beförderten Menschen in Köln um knapp 50 Millionen gestiegen.

Die Kehrseite des Rekords ist, dass die KVB inzwischen ihre Kapazitätsgrenzen klar erreicht haben — das gilt insbesondere für das Stadtbahnnetz und dort besonders für die sehr stark frequentierte Ost-West-Achse. „Unser Stadtbahnnetz wird zunehmend zu einem beengten Korsett“, sagt KVB-Chef Jürgen Fenske. Das ist auch erkennbar bei der Verteilung der Fahrgäste auf die verschiedenen Verkehrsmittel: So nutzen drei Viertel die Stadtbahn und nur ein Viertel ist mit dem Bus unterwegs.

Deutlich werden die Grenzen für die KVB auch im bundesweiten Vergleich — dort stiegen die Fahrgastzahlen durchschnittlich um 1,4 Prozent, also stärker, als dies in Köln der Fall war. „Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen ist das Ergebnis hier allerdings zufriedenstellend“, sagt Fenske. Großartige Zuwächse im Stadtbahnnetz konnte die KVB in den vergangenen Jahren nicht verzeichnen. Neu dazugekommen sind nur die Teilstrecken der Linie 5 zwischen Dom und Heumarkt und der Linie 17 zwischen Severinstraße und Bonner Wall.

„Es ist nicht schön, sich ständig bei unseren Kunden für die Situation am Neumarkt entschuldigen zu müssen“, sagt Fenske mit Blick auf einen ständig überlasteten Knotenpunkt von vier unterirdischen Bahnen — dort reicht eine kleine Störung auf einer der Trassen, um gravierende Auswirkungen auf den Fahrplan zu erzeugen. „Wir brauchen Kapazitäten, Kapazitäten und noch mal Kapazitäten, um die Betriebsqualität für unsere Kunden gewährleisten zu können. Wir wollen kurzfristig das Busangebot erhöhen und das Streckennetz der Stadtbahn nach dem ÖPNV-Bedarfsplan erweitern. So wollen wir in den nächsten zehn bis 15 Jahren zusätzlich 100 Millionen Fahrgäste gewinnen“, erklärt der KVB-Chef und appelliert an Stadt, Land und Bund dem Bekenntnis zum Nahverkehr nun auch Taten bzw. Entscheidungen folgen zu lassen.

Bedarf gibt es an vielen Stellen — allen voran die Kapazitätserweiterung auf der Ost-West-Achse mit den Linien 1, 7 und 9. Dazu kommen Verlängerungen von Stadtbahnlinien wie zum Beispiel nach Flittard/Stammheim, Meschenich oder Widdersdorf. „Die Menschen wollen mit Bus und Bahn fahren, wenn diese ordentlich fahren.“ Als Vorbild für einen funktionierenden Nahverkehr führt Fenske die österreichische Hauptstadt Wien an. Dort habe man dank des konsequenten U-Bahn-Ausbaus mittlerweile auf 23 Prozent reduzieren können. Zur Finanzierung wurde bereit 1970 eine U-Bahn-Steuer eingeführt, bei der Unternehmen für alle Mitarbeiter, die in Wien ihren Arbeitsplatz haben, pro Mitarbeiter und Kalenderwoche zwei Euro an die Stadtkasse bezahlen müssen.

Im April bzw. Mai wollen die KVB dem Rat ein Paket mit einer neuen Wachstumsstrategie als Beschlussvorlage vorlegen. Kurzfristig geht es dabei um neue Buslinien, die die Kapazitäten erhöhen und die beispielsweise neue Gewerbegebiete anschließen sollen. Die Beschaffung der neuen notwendigen Fahrzeuge könne binnen eines halben Jahres realisiert werden, so dass die Änderung schon zum Fahrplanwechsel im Dezember Inkrafttreten könnten. Auch auf den geplanten Trassen neuer bzw. erweiterter Stadtbahnlinien können neue Buslinien bis zur Realisierung der Bahnprojekte zum Einsatz kommen — so würden diese Staus meiden.

Zu den positiven Zahlen der KVB zählt die weitere Stabilisierung der Schwarzfahrerzahlen auf einem niedrigen Niveau. Aktuell liegt die Schwarzfahrerquote bei zwei Prozent, 2010 waren dies noch sechs Prozent. Mehr als 220 Mitarbeiter werden derzeit für Kontrollen eingesetzt. Gestiegen ist bei der KVB auch die Zahl der Stammkunden auf 309 000 (Vorjahr 304 500). Außerdem erfreut sich das Handyticket bei den Verkehrsbetrieben einer wachsenden Beliebtheit.

kvb.koeln