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Die Ausstellung "Einblicke" vereint acht Künstler

Die Ausstellung "Einblicke" vereint acht Künstler

Acht Künstler, acht Sichtweisen auf die Welt: „Einblicke“ im Badehaus sind noch am Samstag und Sonntag möglich.

Burscheid. Sie haben sich vorher nicht gekannt und die gemeinsame Ausstellung im Badehaus hat auch kein übergreifendes Thema. „Einblicke“ heißt die Zusammenstellung der Werke schlicht — sie gewährt Einblicke in das Schaffen von acht freischaffenden Künstlern zwischen Aachen und Siegburg. Der Kulturverein eröffnet damit auch denjenigen Bewerbern ein Forum, die bei der Auswahl für die Einzelstellung im Herbst nicht zum Zuge gekommen waren.

Es sind Einblicke, die immer wieder Neugier wecken auf mehr. Augenfällig sind gleich beim Betreten die verdichteten Kleiderknäuel der Künstlerin Martina Clasen, von ihr selbst „moderne Fossilien“ genannt. Hinter jedem dieser Fossilien steht eine eigene Geschichte, der „genetische Fingerabdruck“ eines einzelnen Menschen.

So formte sie eines der umgarnten Knäuel aus einem Kleiderfund in der ehemaligen Schreinerwerkstatt, die ihr heute als Atelier dient: das Leben der längst verstorbenen Schreinersfrau, verdichtet zu einem Kunstwerk.

Der Flüchtigkeit unserer Wahrnehmung widmet sich Dietmar Paetzold mit seinen digitalen Fotorarbeiten, die durch die nachträgliche Bearbeitung und das Schemenhafte den dokumentarischen Charakter der Fotografie abstreifen und wie auf dem Sprung zum Gemälde erscheinen.

Dem heutigen Kölner ist als Einzigem Burscheid nicht fremd. 1950 wurde er hier geboren und hat in der Stadt seine Kindheit und Jugend verbracht. Sein Vater lebt bis heute hier und war gestern Abend Gast der Vernissage.

Der Zufall der künstlerischen Zusammensetzung hat spannungsreiche Kontraste ergeben: Judith Weißig, die Jüngste im Ausstellerkreis, fällt durch das farbenfrohe Spiel mit bunten Puzzleteilen auf. Conny Roßkamps Arbeiten wecken Erinnerungen an menschenleere Landschaften, vermeintlich vertraut und doch so zeitlos wie nicht verortet.

Vladimir Baranov wiederum hat sich in seinen lichtdurchfluteten Bildern von Schafen, einem Palast und einem Straßenzug vor allem dem Spiel von Licht und Schatten verschrieben. Und Helga Palmisanos Arbeiten haftet etwas Schelmenhaftes an: „Ohne Augen hört man mehr“, heißt beispielsweise eines ihrer Ölgemälde. Es zeigt eine Tischgesellschaft, die ihre Köpfe mit Tüchern verhüllt hat.

Gänzlich abstrakt die Arbeiten von Ingeborg Thistle, deren Mann Robert E. Thistle, ehemaliger Horndozent an der Rheinischen Musikschule, den gestrigen Abend musikalisch gestaltete, dem nicht unproblematischen Hall des Badehauses zum Trotz. Die Bildhauerin Marianne Roetzel schließlich hat von ihren „Grauen Vögeln“ nur eine Abordnung mitgebracht. In Gänze hätten sie im Badehaus kaum noch Platz für Publikum gelassen.

Unisono zeigten sich die beteiligten Künstler gestern Nachmittag nach dem erfolgten Aufbau begeistert von dem Ausstellungsraum: die Helligkeit, das Tageslicht von oben, die interessante Lokalität, die ihren Ursprung nicht verleugnet und auch „nicht zu schick“ daherkommt — von den Kreativen werden diese Möglichkeiten im Badehaus geschätzt.

Wenn dann auch noch die gemeinsame Anordnung der Kunstwerke unter einander bis dahin Unbekannten so friedlich und einvernehmlich über die Bühne geht wie gestern, ist die Zufriedenheit des Organisators Heinz-Peter Knoop kaum noch zu dämpfen.

Jetzt muss das alles nur noch dem Publikum gefallen. Am Wochenende ist die Gelegenheit dazu. Sie sollte nicht verpasst werden.