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Das Leben eines Ausnahmetänzers

Das Leben eines Ausnahmetänzers

Das Ballett „Nijinski“ von Marco Goecke gastiert am 14. März im Forum Leverkusen.

Leverkusen. Mit einem ganz besonderen Gastspiel zu einer besonderen Gelegenheit ist die Company Gauthier Dance am Mittwoch, 14. März, im Forum Leverkusen zu erleben: „Nijinski“ — ein Ballett, das Marco Goecke 2016 für und mit Gauthier Dance kreierte und das 2017 in der Fachzeitschrift „Tanz“ zum Publikumsfavoriten gekürt wurde.

2008 waren Eric Gauthier und Egon Madsen mit dem Stück „Don Q“ von Christian Spuck zum ersten Mal im Forum Leverkusen zu Gast und läuteten eine erfolgreiche Zusammenarbeit ein. Rund ein Jahr zuvor hatte Eric Gauthier seine neue, erste Company am Theaterhaus Stuttgart ge-gründet.

In den folgenden Jahren wurde Gauthier Dance zu zahlreichen Gastspielen der Kulturstadtlev ins Forum ein-geladen und tanzte sich in die Herzen des Publikums. Mit der Vorstellung „Nijinski“ feiern Leverkusen und Gauthier Dance nun zehn Jahre Gastspiel-Zusammenarbeit.

Marco Goeckes Ballett erzählt von dem Tänzer und Choreographen Waslaw Nijinski, einem der außergewöhnlichsten Künstler des 20. Jahrhunderts, von seinem Leben, vom Zauber und Wert des Tanzes und davon, wie nah Kunst und Wahnsinn beieinander liegen können. Als Tänzer bei den Ballets Russes unter Sergej Diaghilew verkörperte Nijinski Rollen, die noch immer für die Tanzgeschichte von großer Bedeutung sind, und der bis heute kaum erreichte Theaterskandal seiner Uraufführungs-Choreographie zu Strawinskys „Le sacre du printemps“ 1913 in Paris lässt seine visionäre künstlerische Tragweite erahnen — dies ist auch ein Aspekt des diesjährigen Spielzeitmottos „Zeitenwenden“.

Verwoben mit seiner Karriere ist Nijinskis Weg in den Wahnsinn, der Kampf gegen Schizophrenie, der Rückzug von Bühne und Leben. Er erlebte beide Weltkriege und konnte als Patient einer Ner-venheilanstalt nur knapp dem nationalsozialistischen Euthanasieprogramm entkommen.

Marco Goecke, Hauschoreograph beim Stuttgarter Ballett und Associate Choreographer beim Nederlands Dans Theater in Den Haag, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem weltweit gefragten Choreographen entwickelt. Geschätzt für seine prägnante Tanzsprache und den Mut, ästhetische Grenzen zu sprengen.

Der gebürtige Wuppertaler, der seine Ballettausbildung an der Ballettakademie der Heinz-Bosl-Stiftung München und am Königlichen Konservatorium Den Haag absolvierte, gewann 2003 den Prix Dom Perignon, 2005 den Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg und 2006 den Nijinsky-Preis für aufstrebende Choreographen. Sein Nussknacker-Ballett wurde 2007 für den Faust-Preis nominiert. In der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift „Tanz“ wurde er zum Choreographen 2015 gekürt. In den letzten zehn Jahren hat Goecke über 30 Stücke choreographiert, darunter die beiden Ballette Nussknacker und Orlando.