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Corona in Köln: „Erneuter Lockdown wäre Katastrophe für viele Betriebe“

Corona in Köln : „Erneuter Lockdown wäre eine Katastrophe für viele Betriebe“

Die Situation der Unternehmen in der Region Köln hat sich zuletzt leicht verbessert. Doch die Zahlen sind bei weitem keine Entwarnung, warnt die Industrie- und Handelskammer.

Die Situation der Unternehmen in der Region Köln hat sich zuletzt leicht verbessert. Das zeigt die Blitzumfrage, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln im Juni durchgeführt hat. Laut dieser vierten IHK-Umfrage in der Corona-Krise rechnen derzeit rund 20 Prozent der Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von mehr als 50 Prozent. In der vorherigen Umfrage aus dem Mai waren es 30 Prozent. An der Umfrage haben sich 306 Unternehmen aus dem Bezirk der IHK Köln (Köln, Leverkusen, Rhein-Erft-Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis, Oberbergischer Kreis) beteiligt.

„Die umfassenden Lockerungen der vergangenen Monate haben vielen Betrieben wieder eine gewisse Perspektive gegeben. Gleichzeitig bewegen wir uns weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau. Die Zahlen sind bei weitem keine Entwarnung, sondern beschreiben eine tiefe Krise“, sagt IHK-Präsidentin Dr. Nicole Grünewald. Für die weitere Erholung müsse ein erneuter Lockdown wie jüngst in den Kreisen Gütersloh und Warendorf unbedingt vermieden werden. „Das wäre eine Katastrophe für viele Betriebe. Wir beobachten die Entwicklung in Westfalen mit großer Sorge“, sagt Grünewald. Außerdem müssten die Hilfen aus dem neuen Konjunkturpaket schnell bei den Unternehmen ankommen und insbesondere die versprochene Entbürokratisierung tatsächlich umgesetzt werden.

Geschäftslage im
Gastgewerbe besonders negativ

In der Umfrage beurteilen nur 16 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut. Fast jedes zweite (45 Prozent) meldet eine schlechte Lage. Zum Vergleich: Bei der Konjunkturumfrage der IHK Köln im Winter 2019/2020 bewerteten nur 17 Prozent der befragten Unternehmen ihre Lage als schlecht.

Besonders negativ ist die Situation in der Reisewirtschaft und im Gastgewerbe. Hier berichten vier von fünf Unternehmen von einer schlechten Geschäftslage. Insgesamt gehen für die kommenden zwölf Monate 35 Prozent der Unternehmen davon aus, dass sich ihre Geschäftslage verbessert. Demgegenüber erwarten 26 Prozent eine schlechtere Geschäftslage. Zwei Drittel der Betriebe halten die Lockerungen des Landes für angemessen. „Die Umfrage zeigt, wie nötig die Lockerungen waren. Die Belastungen für die regionale Wirtschaft sind erheblich. In vielen Fällen bedrohen sie die Existenz, in bestimmten Branchen wie dem Tourismus und der Veranstaltungsbranche sogar nahezu flächendeckend“, sagt Grünewald.

So beklagten in der Umfrage jeweils rund 40 Prozent der Unternehmen einen Eigenkapitalrückgang sowie Liquiditätsengpässe. Eine verringerte Nachfrage haben rund 60 Prozent der Betriebe vermerkt. Bei etwa zwei von fünf Unternehmen haben Kunden Aufträge storniert. Jeder vierte Betrieb sieht sich gezwungen, Personal abzubauen. „Bislang sehen wir zum Glück keine branchenübergreifende Pleitewelle“, sagt Alexander Hoeckle, Geschäftsführer International und Unternehmensförderung. Das habe verschiedene Gründe. Der wichtigste neben den Lockerungen sei das Kurzarbeitergeld. Dieses nehme laut der Umfrage fast jeder zweite Betrieb in Anspruch. Die umfangreichen Hilfen seien ebenfalls sehr wichtig gewesen. Viele Unternehmer hätten zudem mit großem Einfallsreichtum auf die Krise reagiert. „Die positiven Nachrichten stehen aber unter Vorbehalt, weil die Insolvenzantragspflicht noch bis September ausgesetzt ist“, sagt Hoeckle.

Neben der Vermeidung eines weiteren Lockdowns und der Umsetzung des Konjunkturpakets sei auch die Entwicklung des Welthandels entscheidend für die Konjunktur. „Die exportorientierten Unternehmen in unserer Region, in der Chemie- und Autoindustrie sowie im Maschinenbau sind auf die globale Arbeitsteilung und den Außenhandel angewiesen“, sagt Hoeckle. Der Einfluss Deutschlands auf die zuletzt destabilisierte globale Handelsordnung sei aber naturgemäß nur begrenzt. Die Unternehmen hofften gleichwohl auf eine Belebung des Handels, berichtet Hoeckle.

Eine Lehre der Corona-Krise sei jedoch schon jetzt, die Lieferketten in der internationalen Arbeitsteilung wieder robuster aufzustellen. Auch angesichts der Entwicklungen der vergangenen Jahre mit Handelskonflikten und dem Brexit hätten viele Betriebe ihre Strategie angepasst.

Die IHK Köln berät ihre Mitgliedsunternehmen in der Corona-Krise umfassend - von Fragen zur Finanzierung bis hin zu Lieferketten. Mehr Informationen gibt es unter:

www.ihk-koeln.de