Müllersbaum: Bußgeld vom Ordnungsamt: 280 Euro für Hund ohne Leine

Müllersbaum : Bußgeld vom Ordnungsamt: 280 Euro für Hund ohne Leine

Dorothea Schostek hat bereits das vierte Knöllchen bekommen. Die Stadt stützt ihre Bußgelder auch auf private Aufnahmen.

In Hilgen läuft derzeit ein Streit um einen angeblich häufig unangeleinten Hund aus dem Ruder. Bereits den vierten Bußgeldbescheid der Stadt  hat Dorothea Schostek erhalten, in dieser Woche den vorerst letzten. Sie gilt als eine Art Wiederholungstäterin, entsprechend hoch ist das Bußgeld des Ordnungsamtes diesmal: 278,50 Euro inklusive Gebühren und Auslagen.

Begonnen hatte es vor Monaten mit einem „Knöllchen“ in Höhe von rund 50 Euro, dann waren es 80, ein weiteres Mal 128 und jetzt knapp 280 Euro. Zwei der Bußgeldverfahren seien aber zurückgezogen worden, weil Zweifel gehegt worden waren, dass der Hund tatsächlich unangeleint gewesen sei, sagt die Bewohnerin von Müllersbaum. Sie ist mit ihrem kleinen Mischlingshund Leica regelmäßig im Park hinter der Wohnsiedlung anzutreffen. Zumeist sitzt sie auf einer Bank, ihr Hund, der aufgrund einer Krankheit kaum laufen kann, daneben.

Stadtsprecherin Renate Bergfelder-Weiss bestätigt nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt die Situation. „In dem angefragten Fall liegt ein wiederholter Verstoß gegen das Landeshundegesetz vor. Das Ordnungsamt ist auf mehrere Verstöße aufmerksam und damit tätig geworden. Nachdem mehrere mündliche Verwarnungen nicht gefruchtet haben, wurden Bußgelder angedroht und auch festgesetzt.“

Die Stadt sei verpflichtet, so zu handeln. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich um einen kleinen, laufbehinderten oder großen, wilden Hund handele. „In der Parkanlage Müllersbaum besteht, wie in allen für die Allgemeinheit zugänglichen, umfriedeten Park-, Garten- und Grünanlagen, eine Anleinpflicht für alle Hunde“, stellt die Stadtsprecherin klar. Das sei im Landeshundegesetz NRW (§ 2 Abs. 2 Nr. 2) so geregelt. Und das dicke Ende für Dorothea Schostek kann demnach noch kommen: Zuwiderhandlungen können mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 100 000 Euro geahndet werden.

Die Rentnerin fragt sich allerdings: „Warum bin ich die Einzige, die eine Anzeige bekommt.“ Tatsächlich waren auch gestern Morgen wieder zahlreich Hundebesitzer mit vielen Tieren vor Ort. Ihren Namen wollen alle nicht nennen, weil sie Angst haben, selbst in die Mühle der Verwaltung zu geraten. Alle berichten von einer Frau, die in der weiteren Nachbarschaft wohne, aber selbst Hunde habe, und regelmäßig auftauche und auch fotografiere und filme. Offenbar sind es genau jene Aufnahmen, die dann beim Ordnungsamt landeten.

„Ich gehe morgens um 5 Uhr, damit ich nicht gefilmt werde“

Warum sie sich so verhalte, sei nicht bekannt. „Ich gehe jetzt immer um 5 Uhr morgens und um 22 Uhr abends durch den Park mit meinen beiden Hunden, damit ich nicht gefilmt werde“, sagt eine zweifache Mutter, die ihren Kinderwagen schiebt. „Es kommt keine Hilfe von der Stadt, das Problem hier zu lösen“, sagt eine weitere Hundehalterin, die zwei Schäferhunde an der Leine hat. Seit zwei Jahren gebe es die Probleme, als die Frau zum ersten Mal aufgetaucht sei. Davor seien die Tiere frei gelaufen, niemand habe sich beschwert. Über zehn Jahre lang. Nichts sei in der Zeit passiert.

Die zweifache Mutter regt an, einen Bereich der Wiese für freilaufende Hunde wie in anderen Städten freizugeben. Oder ein Gehege, falls Anwohner mit Kindern oder andere Passanten sich dennoch gestört fühlten.

Einen Anwalt hat Dorothea Schostek kürzlich eingeschaltet. Der hat sich in einem Brief auch bereits an Bürgermeister Stefan Caplan gewandt.

Dorothea Schostek sagt, dass sie den Kopf persönlich hinhalte. „Wenn das Ordnungsamt mich erwischt, muss ich die Konsequenzen tragen.“ Aber sie wolle, dass die Hetzjagd auf sie beendet werde. Die Polizei hat ihr bereits geraten, die Frau anzuzeigen, falls sie noch mal fotografiert werde. Die Rentnerin sagt auch, dass die Aufnahmen nicht aussagefähig seien. Die 15 Meter lange Schleppleine sei häufig im hohen Gras nämlich nicht auf Bildern oder in Filmen zu erkennen.

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