ÖPNV: Busfahrerinnen werden gesucht

ÖPNV : Busfahrerinnen werden gesucht

Frauenquote soll beim Burscheider Bürgerbus von 18 auf 30 Prozent erhöht werden.

Bus fahren ist nicht nur Männersache – davon sind die Fahrerinnen des Bürgerbusses überzeugt. Allerdings sind sie unter den Busfahrern in der Minderheit. Unter dem Motto „Bürger fahren für Bürger“ steuern derzeit aktiv 28 Fahrer den gelben Mercedes Sprinter. Nur fünf von ihnen sind Frauen.

„Bus fahren scheint von vielen immer noch mit Kraft und damit eher mit Männern in Verbindung gebracht zu werden“, glaubt Hans Scheurlen, Vorsitzender des Bürgervereins. Das denkt auch Waltraud Ulrich-Kaes, eine der Fahrerinnen: „Frauen haben sicherlich eher Respekt vor dem großen Fahrzeug.“ Um dem Nachwuchsmangel an ehrenamtlichen Busfahrern entgegenzuwirken, sucht der Verein nun gezielt nach Frauen, die den Bürgerbus fahren wollen. Die Frauenquote, die bislang bei knapp 18 Prozent liegt, soll nach Wunsch des Bürgerbusvereins mindestens auf 30 Prozent erhöht werden.

10.000 Fahrgäste waren 2018 mit dem Bürgerbus unterwegs

Der Bürgerbus fährt von Montag bis Samstag auf der Linie 249. Im vergangenen Jahr wurden etwa 10.000 Personen befördert und über 31.000 km zurückgelegt. Die Fahrer fahren den Bus ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Der Besitz eines PKW-Führerscheins und Freude am Umgang mit Menschen sind dafür die Grundvoraussetzung.

Da überwiegend ältere Menschen und Fahrgäste mit körperlicher Beeinträchtigung den Bus nutzen, sind Einfühlungsvermögen und Hilfsbereitschaft gefragt. Und darin liegt für die Fahrerinnen auch die Motivation. „Bürgerbusfahren ist für mich genau das richtige Ehrenamt. Ich leiste einen Beitrag für die Mitmenschen und das Allgemeinwohl, freue mich sehr auf jeden Fahrgast und fahre gerne den Bürgerbus“, sagt Waltraud Ulrich Kaes. Das Fahrerteam ist sich der Dankbarkeit der Fahrgäste gewiss. „Wir bekommen für unseren Einsatz ganz viel zurück“, sagt Birgit Voss, die seit 2010 als Fahrerin dabei ist. „Von den Fahrgästen hören wir sehr oft, wie froh sie sind, dass es den Bürgerbus gibt.“

Bereits am Samstag konnte der Verein eine neue Fahrerin begrüßen. Meike Schuh-Hrenek hatte schon öfter mit dem Gedanken gespielt, den Bürgerbus zu fahren. Bei einem Austausch der Bürgerbusfahrerinnen beim Kaffee trinken sei sie dann mit den Fahrerinnen ins Gespräch gekommen, und möchte nun künftig auch mit dabei sein. Sie freut sich auf das Ehrenamt: „Man darf nicht nur nehmen, sondern man sollte auch geben.“

Nach der Gründung des Vereins 2004 hat der Bürgerbus ein Jahr später den Fahrbetrieb in Burscheid aufgenommen. Dieser ist ein öffentliches Nahverkehrsmittel, das entsprechend dem Personenbeförderungsgesetz nach einem festgelegten Fahrplan und auf einer festgeschriebenen Linie fährt.

Das Besondere an der Idee des Bürgerbusses ist jedoch, dass die Busse jeweils von qualifizierten, allerdings ehrenamtlich tätigen Fahrern gesteuert werden. So gelingt es, für gewerbliche Unternehmen unrentable Routen zu bedienen. Dies leistet einen wichtigen Beitrag, um besonders im ländlichen Raum die Mobilität zu erhalten.

Der Bürgerbus ist ein Kleinbus mit acht Fahrgastplätzen. Er wird dort eingesetzt, wo ein regulärer Linienverkehr nicht realisierbar ist. Somit tritt er nicht in Konkurrenz zu diesem. Der Burscheider Bürgerbus ist ein gelber Mercedes Sprinter, der ausschließlich mit Erdgas fährt. Dabei handelt es sich um 100 Prozent Bioerdgas aus Reststoffen. Der Burscheider Bürgerbus ist bundesweit der erste Erdgasbürgerbus. Mit diesem umweltfreundlichen Antriebskonzept und den damit verbundenen partikelfreien und katalysatorgereinigten Emissionen sichert sich der Bürgerbusverein Burscheid eine Vorreiterrolle im Personennahverkehr des Landes NRW.

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