Burscheider erfüllt sich als Rentner seinen Kindheitstraum

Burscheider erfüllt sich als Rentner seinen Kindheitstraum

Jürgen Elstermeier (67) stellt in seiner kürzlich gegründeten Mini-Firma „Drechselwerke“ Pfeffermühlen, Füller, Dekoartikel aus Holz und vieles mehr her.

Burscheid. Mit 67 Jahren sehnen sich wohl die meisten Menschen danach, etwas kürzer zu treten — zumindest aber im Arbeitsleben nicht noch eine neue „Baustelle“ zu eröffnen. Ganz anders ist das bei Jürgen Elstermeier. Der gebürtige Burscheider kam nach 31-jähriger beruflicher Tätigkeit als Diplom-Ingenieur in Königsbrunn bei Augsburg zurück in seine Heimatstadt — und legt mit einer eigenen Firma noch mal richtig los.

„Drechselwerke“ nennt Elstermeier seine Mini-Firma, die er im vergangenen Jahr bei seiner Rückkehr mit seiner Frau aus Bayern nach Burscheid gegründet hat. Nicht etwa, weil er das Geld nötig habe, sondern um sein bereits seit Jahren verfeinertes Hobby der Drechselei anständig auszuüben. „Ich wollte immer schon etwas mit Holz machen“, sagt er und blickt in seine Kindheit in Burscheid zurück. „Früher haben wir schon kleine Fernsehtürme gedrechselt in der Werkstatt meines Vaters.“

Aus dem Kindheitstraum ist eine professionelle Tätigkeit geworden. In der Werkstatt hinter seinem Haus an der Höhestraße stehen nicht nur hochwertige Drechselbänke, sondern auch eine Präzisionssäge, Bohreinrichtungen und eine Absauganlage. Zu der notwendigen maschinelle Präzision gesellt sich die handwerkliche Fertigkeit. „Man braucht sehr viel Gefühl. Die Form kommt aus den Händen.“ Mit einer Formröhre werde beispielsweise in das auf der Drehbank kreisende Holz das spätere „Kunstwerk“ erschaffen. Dutzende Kugelschreiber und Füller beispielsweise, Pfeffermühlen, Vasen, Teller, sogar „Weizenbiergläser“ — allerdings nicht aus Glas, sondern aus gedämpfter Birne.

Für den eigenen Haushalt drechselte er seiner Frau Ulrike eine Pfeffermühle aus Olivenholz, den Kopf als Verschluss setzte er aus schwarzem Ebenholz oben drauf. Besonders sei daran nicht nur das Handwerkliche und Optische, sondern auch das Mahlwerk: Es stammt von dem dänischen Hersteller Crushgrind, ist aus Keramik und werde mit einer 25-jährigen Garantie ausgeliefert. Die Preise für die Mühlen gehen etwa bei 80 Euro los.

Eine ansehnliche Sammlung hat der 67-Jährige, der drei bis vier Stunden täglich in seiner Werkstatt verbringt, bereits an Füllern und Kugelschreibern, die im Schnitt bei 100 Euro liegen. Hier wird nicht nur Holz eingesetzt, sondern auch ein Material namens „True Stone“, das sich anfühlt und aussieht wie Marmor. Bearbeitet werden auch der Elfenbeinersatz Juma sowie Acry und Celluloid. Oder auch Banksia-Zapfen eines Gehölzes aus Australien, das steinhart ist und optisch etwas hermacht — beispielsweise als Teelicht. „Am häufigsten arbeite ich aber mit Holz.“

Seit 2004 hat Elstermeier das Drechselhandwerk immer weiter verfeinert — und Ideen entwickelt. Beispielsweise für ein Hotel in Österreich, dass die Eheleute regelmäßig besuchen. Der Hotelier klagte darüber, dass seine Grappagläser beim Umkippen immer am Fuß abbrechen. Der Burscheider drechselte Füße aus Holz, die nun einfach mit dem kaputten Glas verklebt werden.

Mehr von Westdeutsche Zeitung