Burscheid: Politpoker um Lauterbach-Haus

Burscheid: Politpoker um Lauterbach-Haus

Die Entscheidung über den Bauantrag ist verschoben worden. Die Politiker stören sich an den Fassadenplänen.

Burscheid. Das Thema Lauterbach-Haus war noch nicht ganz beendet, da stürmten Thomas und Andreas Winterfeld schon offenkundig verärgert aus der gemeinsamen Sitzung des Stadtentwicklungs- und Kulturausschusses. Zu dem Zeitpunkt, als sie aufsprangen, war bereits klar: Die Entscheidung über ihren Bauantrag, das denkmalgeschützte Doppelhaus nach einem Teilabriss mit einem Anbau zu versehen und zu sanieren, würde noch einmal vertagt werden.

Zwar räumten die Politiker ein, die Familie Winterfeld habe sich gegenüber der ursprünglichen Planung "deutlich bewegt". Aber beide Ausschüsse rieben sich an der vorgesehenen Fassadengestaltung des Neubaus, die sich optisch vom Altbau abheben soll, anstatt die alte Anmutung zu imitieren.

Auch die 17 Meter lange und etwa sechs Meter hohe Brandschutzmauer, die entlang der Hinterbebauung zum Nachbargrundstück Hauptstraße 87 entstehen soll, bot Anlass für Diskussionen.

Der Nachbar, der das Lauterbach-Haus ursprünglich einmal selbst erwerben wollte, hat inzwischen für sein Gebäude auch Denkmalschutz beantragt. Beim Rheinischen Amt für Denkmalpflege ist darüber aber noch nicht entschieden worden; der Ortstermin steht noch aus. Welche Auswirkungen ein möglicher Denkmalschutz auf das benachbarte Bauvorhaben hätte, ist offen. Einig sind sich aber die Beobachter, dass der Antrag Teil des schon länger schwelenden Nachbarschaftskonflikts ist.

Inzwischen gab es ein erstes Vermittlungsgespräch der Konfliktparteien bei der Stadt - "ergebnisoffen", wie Kurt Berger vom Stab Stadtentwicklung im Ausschuss erklärte. Eine Nachbarklage gegen das Bauvorhaben der Winterfelds ist noch nicht ausgeschlossen.

"Wir sind der Stadt mehrfach sehr weitgehend entgegengekommen und daher verwundert, dass der Ausschuss eine erneute Verschiebung der Entscheidung für nötig befunden hat", reagierte Apotheker Thomas Winterfeld am Tag danach. Die Vorgaben des Bebauungsplans werden in den neuen Planungen bis auf geringfügige Abweichungen eingehalten. Auch das Rheinische Amt für Denkmalpflege hat sein Einverständnis mit dem Vorhaben erklärt.

Bürgermeister Hans Dieter Kahrl kündigte am Freitag an, es würden jetzt zügig weitere Gespräche geführt. "Am 25.Juni muss die Sache auf jeden Fall entschieden werden." Es dürfe nicht passieren, dass sich der Kreis am Ende über ein nicht erteiltes Einvernehmen der Stadt hinwegsetzen müsse. "Wir müssen Wünsche von rechtlichen Zwängen abheben." Wenn aufgrund der Verzögerung die gesamte Umsetzung des Projekts kippe, sei das fatal.

Beim Kreis als Baugenehmigungsbehörde war noch keine Stellungnahme zu dem Politpoker zu erhalten. "Der Bauantrag ist bei uns erst am 26.Mai eingegangen", erklärte eine Sprecherin.