Radfahren: Burscheid bekommt nur Note 3,8

Radfahren : Burscheid bekommt nur Note 3,8

Die Stadt ist erstmals in das bundesweite Ranking des ADFC-Fahrradklima-Tests gekommen. Allerdings sind die Befragten trotz des Panoramaradwegs nicht zufrieden.

. Burscheid ist nicht mehr länger ein weißer Fleck im bundesweiten Fahrradnetz. Zumindest hat die Stadt es erstmalig in das bundesweite Ranking des ADFC-Fahrradklima-Tests geschafft.

Das allerdings ist laut ADFC-Sprecherin Sabine Krämer-Kox, die selbst in Burscheid wohnt, so ziemlich die einzig gute Nachricht. „Ernüchternd“ sei das Ergebnis des Rankings: Bei den in dieser Woche in Berlin vorgestellten Ergebnissen landete Burscheid unter den Kommunen seiner Größenordnung (bis 20 000 Einwohner) bundesweit allerdings immerhin noch auf Platz 90 von 186. Allerdings bewerteten die Burscheider das Radfahren in ihrer Stadt mit einer Durchschnittsnote von 3,8 (2016 mit 3,5).

Noch schlechtere Noten bekam Leichlingen. Die Stadt erreichte in der Kategorie der Städte zwischen 20 000 und 50 000 Einwohnern Platz 274 von 311  in der bundesweiten Gesamtbewertung. Die Leichlinger beurteilten die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt mit einer Schulnote von 4,3. Die Gesamtwertung aller Städte der Größenklasse betrug 3,9. Damit schnitt Leichlingen unterdurchschnittlich ab.

Damit wird auch klar, dass der viel gepriesene Panoramaradweg in der Gunst der Teilnehmer der Befragung offenbar nicht alleine Kriterium für eine Bewertung war – sie wäre dann sicher besser ausgefallen. Tatsächlich erläutert Sabine Krämer-Kox, dass sich die Teilnehmer am Fahrradklima-Test in Burscheid zwar einerseits über die Balkantrasse freuen, sie bemängelten aber andererseits, dass ansonsten kaum Radinfrastruktur vorhanden sei, die sie anhand des Tests hätten bewerten können. Positiv empfinden Burscheider demnach die Erreichbarkeit des Zentrums (Note 2,5), die Wegweisung für Radfahrer (2,9) sowie die geringe Diebstahlquote von Fahrrädern (2,9). Negativ gesehen wird dagegen, dass es kaum Winterdienst auf Radwegen gibt (Note 4,8), nur wenige Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrende geöffnet sind (5,1) und keine öffentlichen Leihräder zur Verfügung stehen (5,3).

„Wenn Burscheid also will, dass mehr Menschen aufs Rad steigen, damit die Stadt von Blechlawinen entlastet wird und Pkw-Parkflächen einer sinnvolleren Nutzung zugeführt werden können, muss etwas getan werden“, sagt Sabine Krämer-Kox, Ansprechpartnerin des ADFC in Burscheid.  Benötigt werde Platz für ein zusammenhängendes Radwegenetz – ohne Schlaglöcher, Hindernisse und parkende Autos – sowie ausreichend sichere Fahrradabstellmöglichkeiten. Dies spiegelt sich insbesondere in dem Feld für  freie Kommentare der Umfrage wider. Gerade im Zusammenhang mit dem Umbau der oberen Hauptstraße in Burscheid böten sich hier gute Chancen.

Einige Kritikpunkte sind allerdings  tatsächlich bereits Bestandteil der aktuellen Verwaltungsplanungen sowohl der Stadt als auch des Kreises. So sollen der Raiffeisenplatz und später auch die neue Bushaltestelle an der Bürgermeister-Schmidt-Straße so genannte Mobilstationen werden. An derartigen Punkten werden öffentliche Verkehrsmittel mit dem Individualverkehr zeitgemäß vernetzt – beispielsweise durch Ladestationen für E-Bikes: Während der Akku des Rades mit Elektrobetrieb lädt, ist der Besitzer unterwegs mit dem Bus zur Arbeitsstelle. In Hilgen war kürzlich auch die Rede davon, dass Fahrräder verliehen werden sollten.

Und in den gerade aktuellen Planungen zur Neugestaltung der Innenstadt wird es im Bereich der oberen Hauptstraße später möglich sein, mit dem Rad die Einbahnstraße in Gegenrichtung zu befahren (siehe auch unseren Bericht unten auf dieser Seite).

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