Bürgermeister hört zu: Caplan, Kaffee, Komplikationen

Bürgermeister hört zu: Caplan, Kaffee, Komplikationen

Eine „offene Sprechstunde“ im Eiscafé Noack stößt auf reges Interesse — aus einer Stunde werden glatte zweieinhalb.

Burscheid. Berührungsängste hat der Mann weiß Gott nicht — Stephan Caplan „kann“ mit Menschen und geht zielstrebig auf sie zu. Es wäre ja auch schlimm, wenn ein Bürgermeister zögerlich und verhuscht wäre. Nicht jedem aber ist dieses Geschick gegeben, so offen zu sein. Caplan weiß, das sich manche schwerer tun. Und wer in seinem Leben nur dann mit Behörden etwas zu regeln hat, wenn er einen neuen Personalausweis benötigt oder ein Auto zulässt, für den ist der Gang ins Rathaus wohl immer noch eine „Pille“.

Weil das wohl so ist, hat sich Burscheids Bürgermeister vorgenommen, seine Rolle als Brückenbauer und Vermittler einzunehmen. Motto: Es spricht sich leichter, wenn kein Schreibtisch zwischen zwei Menschen ist. Und noch einfacher wird alles, wenn man bei einer Tasse Kaffee zusammenkommt.

Gesagt, getan: Am Dienstag bezog der Bürgermeister einen Caféhaustisch vor dem Eiscafé Noack in der Kirchenkurve, um dort eine offene Bürgersprechstunde abzuhalten. Es sei das erste Mal gewesen, dass er diesen Weg des Dialogs in einem gastronomischen Betrieb angeboten habe, sagt Caplan später im Gespräch mit der Heimatzeitung, und ja, er sei schon ein wenig skeptisch gewesen, ob eine solche Örtlichkeit akzeptiert würde. Umso glücklicher sei er später gewesen, dass die Ortswahl wohl goldrichtig gewesen sei, denn der Andrang zur Sprechstunde war groß.

Aber was heißt da eigentlich Sprech-„stunde“? Der Bürgermeister hatte sich selbst eine Stunde Präsenz verordnet, doch als er später seinen Posten auflöste, hatte er fast zweieinhalb Stunden Gespräche geführt. Es war — und der Chronist kann das durch eigene Beobachtung aus der Redaktion des Volksboten heraus bestätigen — ein ständiges Kommen und Gehen, ein permanentes Warten auf die nächste Gesprächsmöglichkeit. „Da war keine Sekunde Pause“, freut sich Caplan, das richtige Angebot gemacht zu haben.

Vorwiegend waren es am Dienstag — wohl der Tageszeit geschuldet — Senioren, die den Bürgermeister aufsuchten. Sie schilderten ihm Verkehrsprobleme, berichteten von falschen Beschilderungen und unkorrekten Absperrungen, auch von Nachbarschaftsproblemen. Wenn hinter den Dingen ein Problem steckte, das nicht rein privat, sondern von öffentlichem Belang ist, notierte der Rathauschef den Fall und nahm sich das Problem mit ins Rathaus. „Ich habe jetzt eine ganze Reihe Zettel zum Abarbeiten.“

Stephan Caplan will seine offenen Bürgersprechstunden für jedermann fortsetzen — an anderen Orten, zu anderen Zeiten, alltags und sonntags, über das Stadtgebiet verteilt. Die nächsten Termine werden jeweils im Volksboten bekanntgegeben.

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