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Bluttat vor den Augen des kleinen Sohns

Bluttat vor den Augen des kleinen Sohns

Mann aus Afghanistan soll seine ehemalige Partnerin vor Weihnachten mit vielen Messerstichen lebensgefährlich verletzt haben.

Köln/Burscheid. Im Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Kölner Landgericht sagte gestern unter anderem die Mutter des Opfers aus. Angeklagt ist der 38-jährige Lebensgefährte aus Afghanistan, der einen Tag vor Weihnachten, am 23. Dezember 2017, sein Opfer in Burscheid mit einem Messer niedergestochen haben und lebensgefährlich verletzt haben soll.

Laut Anklage soll der mutmaßliche Täter mehrfach mit dem Messer auf sein Opfer eingestochen haben — auch als die Frau bereits blutend auf dem Boden lag. Das Opfer hatte am ersten Prozesstag ausgesagt, dass ihr Ex-Lebensgefährte sie nach einer kurzen Phase einer heilen Familienwelt bereits geschlagen habe.

Das vielleicht Schlimmste an dem Fall: Bei der Tat soll der vierjährige, gemeinsame Sohn anwesend gewesen sein. „Papa, warum hast du die Mama totgemacht“, das soll das Kind den Vater nach der Tat gefragt haben. Das Opfer hat die Tat nur knapp überlebt und ist schwer traumatisiert. Der Angeklagte soll als Flüchtling 2012 nach Deutschland eingereist sein.

Am gestrigen Verhandlungstag erklärte die Mutter des Opfers, dass die Beziehung am Anfang sehr glücklich gewesen sei. In den letzten Monaten vor Tat habe es Probleme gegeben. Unter anderem wegen kultureller Unterschiede. Am Ende habe ihre Tochter den Täter nicht mehr geliebt, aber so richtig verstehen, warum die Tat passiert sei, könne die Mutter immer noch nicht.

Was der Angeklagte bei dem Prozess empfindet, lässt sich kaum aus seinem Verhalten ablesen, auch nicht für Verteidiger Karl Christoph Bode. „Er kommt aus einem kleinen Dorf, in dem vorwiegend Analphabeten leben.“ Er habe aber viel aus sich gemacht und werde von allen Zeugen als sehr höflich, sehr umgänglich und sehr hilfsbereit geschildert.“ Die letzten Monate in Haft hätten seinen Mandanten geschwächt, er könne seinen Sohn nicht sehen.

Bode: „Das ist das typische Trauerspiel von interkulturellen Beziehungen, bei denen niemand eingreift und hilft. Weil auch niemand eine Ahnung hat, wie das geht.“ Das Drama hätte rund sechs oder sieben Monate gedauert. Bode: „Sie ging ja davon aus, dass sie sich von ihm getrennt hat, wollte aber befreundet mit ihm bleiben. Ob er begriffen hat, dass sie sich getrennt hat, ist offen.“

Der Prozess wird heute fortgesetzt.