Burscheid: Ausweichroute in Großösinghausen: Der Kreis sieht keine Notwendigkeit, zu handeln

Burscheid : Ausweichroute in Großösinghausen: Der Kreis sieht keine Notwendigkeit, zu handeln

Nach der Demo in Großösinghausen ist nichts passiert. Die Siedlung bleibt Ausweichroute für Autofahrer.

Burscheid. Die Hilferufe waren laut — und doch blieben sie ungehört. Auch zwei Monate nach der Demonstration der Großösinghausener haben sie nichts von der Stadt oder Straßen NRW gehört. Kein Entgegenkommen. Keine Antwort. Dabei ist das Problem weithin bekannt.

Seit Beginn der Bauarbeiten an der B 51 ist der ruhige Stadtteil nicht mehr so ruhig, wie gewohnt. Viele Autofahrer nutzen die Straßen als Abkürzung. Armin Sagorski, Bewohner von Großösinghausen und Organisator der Demo im August, sagt, statt zehn Autos in der Stunde, führen jetzt 185 Pkw durch die 30er-Zone. Sagorski berichtete sogar schon von Straßenschäden wegen der 5-Achser, Tankwagen und anderer schwerer Fahrzeuge.

Für ihn ist es unverständlich, dass weder der Landesbetrieb Straßen NRW noch die Stadt sich um die Belange der Bürger kümmern. Die Anwohner hatten eine Regelung gefordert, um die Durchfahrt zu verbieten — etwa das Aufstellen eines Schildes „Durchfahrt verboten“.

Straßen NRW sieht das derweil anders. Projektleiter Friedel Lamsfuhs sagt, der Landesbetrieb als Bauherr auf der B51 sei nicht verantwortlich. „Wir können nichts tun.“ Zum einen sei der Weg durch Großösinghausen keine offizielle Umleitung, die von Straßen NRW ausgeschildert worden wäre. Zum anderen seien Stadt und Kreis für solche Beschilderungen verantwortlich, weil es deren Straßen seien, so Lamsfuhs. Er wisse aber um die Zusatzbelastung der Anwohner. „Ich verstehe die Bürger und zweifele deren Probleme nicht an“, sagt er. Aber weil die Straßen eben nicht im Verantwortungsbereich seiner Behörde liegen, habe diese neutral bleiben müssen. Hätte es von Kreis und Stadt den Wunsch gegeben, Schilder aufzustellen, wäre Straßen NRW dem nachgekommen, sagt er.

Der Kreis sagt sogar, dass Straßen NRW bei der Behörde angefragt habe, ob sie Schilder aufstellen und die Siedlung für den Durchgangsverkehr sperren könnten. Das habe der Rheinisch Bergische abgewogen und geprüft — sich aber dagegen entschieden. Die Sprecherin Hannah Weisgerber sagt, man habe abwägen müssen, ob die Belastung für die Ösinghausener oder die Menschen aus Hilgen großer sei, die durch die Abkürzung viel Weg sparen. Letztlich sei der Kreis zu dem Schluss gekommen, dass eine Sperrung Ösinghausens nicht nötig sei — auch weil es keine erhöhte Zahl von Unfällen dort gebe, so Weisgerber.

Die Stadt hat auf eine Anfrage zu ihrem Standpunkt nicht reagiert.

Für die Anwohner Großösinghausens ist das Vorgehen des Kreises nicht nachvollziehbar. Sie fühlen sich belastet durch das Mehr an Verkehr — und das wird so bleiben, bis die Bauarbeiten im Herbst 2017 abgeschlossen sein sollen.

Armin Sagorski habe damit gerechnet, dass nichts passiert. Er habe bei der Demo im August schon dazu aufgerufen, die Schilder zu behalten. „Vielleicht brauchen wir sie noch einmal.“ Zunächst will er sich aber an Straßen NRW wenden und nachhören, ob nicht doch etwas getan werden kann.

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