Evangelische Kirche: Auf der Suche nach Judas

Evangelische Kirche : Auf der Suche nach Judas

In der Evangelischen Kirche wird ab morgen die Ausstellung „Abendmahl – Finde Judas“ des Kölner Fotografen Michael Müller-Münker gezeigt.

Ein vermutlich von einem Lastwagen plattgewalzter Einkaufswagen fliegt durch die Luft – nur scheinbar – eine optische Täuschung, wie sich erst später bei der Sichtung der Aufnahmen für den Kölner Fotografen Michael Müller-Münker herausstellt.

Das Bild ist Mittelpunkt eines von 13 Triptychen, die ab morgen in der Evangelischen Kirche am Markt zu sehen sind. Doch es geht nicht um optische Spezialeffekte in der Ausstellung  „Abendmahl – Finde Judas“. Es ist eine Ausstellung, die in die Tiefe geht, in der Alltägliches der Weg zur Erkenntnis sein kann. Von der Suche nach Judas bis zum klaren Blick in den Himmel.

„Der Verrat an Judas ist immer noch ein Ding“, beschreibt der Fotokünstler die Motivation für sein Projekt, als er gestern seine Bilder in der Kirche installiert. Näher darauf eingehen, was er damit meint, will er nicht. „Es ist zwar alles meine Handschrift, aber es ist interaktiv. Jeder darf sich ein eigenes Bild davon machen.“ Und so folgt der Betrachter dem Weg von einem Triptychon zum nächsten. Begonnen mit einem dreilagigen Bilderensemble, bei dem Handschuhe auf dem Boden liegen. Achtlos weggeworfene, verlorene oder zurückgelassene Gegenstände. Können sie das Abendmahl darstellen? Eine Frage, die jeder selbst bei der Betrachtung beantworten darf. Auch wenige Meter weiter: „Ich thematisiere hier ein bisschen, wer am Tisch sitzen darf“, sagt Müller-Münker, als er vor verschiedenen Einkaufszetteln in unterschiedlichen Sprachen steht. Als Mitarbeiter einer Firma habe er einst Kollegen angesprochen, ihre Wünsche für das Abendessen aufzulisten. In der Mitte dann ein Zettel mit der Aufschrift: „Ich liebe Dich.“ Es ist Raum für Interpretation.

Deutlicher wird die Botschaft am Triptychon mit dem Blick nach oben auf den Vierungsturm des Kölner Doms. „Das ist in meiner Vorstellung österlich“, sagt der Künstler, dem beim Fotografieren Regentropfen auf das Objektiv prasselten. Sie wirken wie Tränen bei der Suche nach Hoffnung im Licht.

Und dann wird der Kölner Fotograf doch deutlicher zur eigenen Sicht bei der Betrachtung der Einkaufswagen, die wohl jedem schon mal in der Öffentlichkeit begegnet sind mit der Frage: Wie kommt der denn hier hin? Müller-Münker: „Es ist unglaublich, wie mit den Dingen umgegangen wird.“ Nicht nur mit den Dingen...

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