Auf dem Laufsteg der Einmaligkeit

Auf dem Laufsteg der Einmaligkeit

Jubiläum: Der Jugendgottesdienst zum 25-jährigen Bestehen des evangelischen Jugendheims in Hilgen feiert vor allem die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten.

Burscheid. Vielleicht ist es ja so, dass Jugendhäuser einen Teil derEnergie speichern, die Generationen von Jugendlichen über die Jahre inihnen freigesetzt haben. Wenn das der Fall ist, dann hat sich dieseangesammelte Energie am Samstag in einer gewaltigen Eruption wiederentladen - zu einem eindrucksvollen Fest der Kreativität.

Was macht Kleidung mit uns und wir mit ihr? Wovon erzählen wir durchdas, was uns umhüllt? Wie frei sind wir in unserer Wahl? Und auf wessenKosten geht Mode um die Welt? "God’s own collection - ich danke dir,dass ich so wunderbar gemacht bin" lautet der Titel des gutzweistündigen Jugendgottesdienstes zur 25-Jahr-Feier des evangelischenJugendheims in Hilgen. Und dass er zum Loblied der Einmaligkeit jedesEinzelnen und der Vielfalt unserer Ausdrucksmöglichkeiten geraten soll,ahnen die Besucher schon, als sie vor der Kirche aufgefordert werden,sich neu einzukleiden.

Dass wir mit Kleidern auch in Rollen schlüpfen, das machtLandespfarrer Karl Hesse, Regisseur der gesamten Veranstaltung, gleichzu Beginn deutlich, als er vor laufender und in den Kirchenraumübertragener Kamera in die Sakristei zieht und seine Nachfolgerin inder Gemeinde, Pfarrerin Annerose Frickenschmidt, beim Anziehen desTalars interviewt.

Was dann folgt, ist ein mal belustigendes, mal bedrückendes, malbewegendes Spiel mit den vielen Facetten der Mode. Zu sehen und zuhören ist eine Collage aus Texten, Szenen, Assoziationen und vielMusik. Jugendleiterin Anke Theron-Schirmer kann dabei auf ihregesammelte Theatererfahrung zurückgreifen.

Eric Claptons "Wonderful tonight" neben dem wegen derBaumwollproduktion austrocknenden Aralsee. Das zarte "Dear Mr.President" der US-Sängerin Pink in einer betörenden Version von ThereasWeh und ihrer Mutter Annette neben den harten Beats der Band Tommy andthe Krauts. Die beeindruckende Paradies-Pantomime des halbnackten TomKschamer neben den schrill-selbstbewussten Modekreationen, die dieJugendlichen auf dem Laufsteg präsentieren.

Und mittendrin die ganz persönlichen Kleidungsstücke, die mit ihrerGeschichte quer durch den Kirchenraum gezogen werden: der ersteBlaumann, der erste BH, das Totenhemd des Großvaters. Quer durch denGottesdienst zieht sich auch die Frage, was denn Gott mit Mode zu tunhat. Die Jugendlichen suchen selbst nach Antworten. "Gott ist wieKleidung, die mich umhüllt", lautet eine.

Danach ziehen alle noch einmal über den Laufsteg, diesmal mit dem Gospel "Oh happy day" - Einstieg in einen glücklichen Abend.