Abriss: Aus dem einstigen Internat wird wieder ein Rohbau

Abriss: Aus dem einstigen Internat wird wieder ein Rohbau

Der vordere Teil des Gebäudes wird seit Montag entkernt. Der Abrissbagger kommt aber erst im neuen Schuljahr.

Burscheid. Den Realschülern wird der Abrisslärm zum Schuljahresbeginn nicht erspart bleiben. Entgegen den Plänen, den Teilabriss des ehemaligen Internats überwiegend während der Sommerferien über die Bühne zu bekommen, haben die vorbereitenden Entkernungsarbeiten erst am Montag begonnen. Sie werden gut zwei Wochen in Anspruch nehmen.

„Das notwendige Schadstoffgutachten stand noch aus und wir waren auch terminlich eng gestrickt“, begründet Abbruchunternehmer Marc Köster die Verzögerung. Der Familienbetrieb des 34-Jährigen hat den Auftrag erhalten, den vorderen Querriegel des Gebäudes auf dem Schulberg sowie eines der beiden Treppenhäuser abzureißen.

Insgesamt sind das etwa 4500 Kubikmeter umbauter Raum. „Außerdem sollen wir auch noch den Aufzug demontieren.“ Das Hausmeisterhaus hat dagegen noch eine Gnadenfrist: Es wird während der Sanierung zunächst als Bauleitungsbüro dienen.

Türen und Fußleisten fliegen durch die Luft in die bereitgestellten Container vor der Tür. Zum Teil ist der Estrich schon aufgebrochen, um die Trittschalldämmung darunter zu entfernen. Auch die asbesthaltigen Eternitplatten an der Dachkante müssen getrennt entsorgt werden.

„Der Auftrag ist schon anspruchsvoll, ein bisschen filigraner als üblich“, sagt Köster. Da braucht man nicht nur wüste Arbeiter und auch keinen Haudegen auf dem Bagger. Schließlich steht das Internat nicht auf der grünen Wiese. Das sechsstöckige Gebäude muss entlang der Wand zwischen den beiden Treppenhäusern erst abgestützt und dann durchgeschnitten werden — denn den größeren Teil will der Evangelische Kirchenkreis als Eigentümer sanieren und ab 2014 als neuen Verwaltungssitz nutzen. Das Einschlitzen der Außenwände übernimmt der Elektrohammer, die Durchtrennung der Decken die Betonsäge. Ende September soll der Teilabriss erledigt sein.

Bald 18 Jahre wurde das Internat nicht mehr genutzt — oder fast nicht mehr. Die zahlreichen Graffiti und Schmierereien, darunter auch manche NS-Symbole, zeugen vor allem in der obersten Etage von vielen illegalen Besuchen. Der fantastische Ausblick wird künftig den kirchlichen Mitarbeitern vorbehalten bleiben.

Georg Melchior ist seit über 20 Jahren Hausmeister der benachbarten Realschule. In der Vergangenheit hat er das Internatsgelände mitgepflegt, „damit es hier ordentlich aussieht“. Dass hier endlich etwas passiert, findet er gut. Aber er blickt mit ein bisschen Sorge auf die sechs Bäumchen, die er vor einigen Jahren vor dem Internat gepflanzt hat, darunter ein Mirabellen-, ein Kirsch- und ein Pflaumenbaum. „Die muss ich retten“, sagt er. Denn ganz so filigran wird der Abriss dann doch nicht erfolgen.

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