139 Kinder wollen zur Gesamtschule

139 Kinder wollen zur Gesamtschule

Die Zahlen übertreffen die Erwartungen. In den Planungen war von 114 Plätzen ausgegangen worden.

Burscheid. Am Samstag ist die einwöchige Anmeldungsphase für die neue Burscheider Gesamtschule zu Ende gegangen. Und das Ergebnis belegt, auf welch großes Interesse das kirchliche Schulangebot trifft: 139 Anmeldungen liegen der Schulleitung inzwischen vor.

Ab dem kommenden Schuljahr wird die Johannes-Löh-Gesamtschule unter der Trägerschaft der Evangelischen Kirche im Rheinland in den benachbarten Gebäuden der jetzigen evangelischen Real- und der städtischen Hauptschule mit den ersten Fünftklässlern ihren Betrieb aufnehmen.

Die von der Bezirksregierung vorgegebene Sollzahl von mindestens 108 Schülern wurde mit den bisherigen Anmeldungen bereits weit übertroffen. „Wir gleichen uns jetzt noch mit den Grundschulen ab, damit wir auch wirklich alle Burscheider Kinder erfasst haben und nicht aus Versehen eine Anmeldung vergessen wurde“, erklärt die Realschulrektorin Angelika Büscher.

Insgesamt wären mit den vorliegenden Anmeldezahlen rechnerisch schon fünf statt der zunächst eingeplanten vier Züge möglich. Angedacht ist eine Klassengröße von 27 Schülern. Für eine mögliche Inklusionsklasse würde entsprechend eine kleinere Schülerzahl angesetzt werden.

Dass das Interesse an der Gesamtschule in Burscheid groß ist, zeigt vor allem das erweiterte Einzugsgebiet, das von Wermelskirchen und Leichlingen bis nach Leverkusen reicht.

Die hohe Zahl an Bewerbern kann dazu führen, dass nicht jedes Kind, das sich auf einen Platz bewirbt, auch tatsächlich eine Zusage erhält. „Das ist nicht leicht, Schüler ablehnen zu müssen. Aber im Zweifel trifft es dann leider vor allem diejenigen, die am weitesten von der Schule entfernt wohnen“, sagt Büscher. Leicht macht es sich die Schulleitung dabei aber nicht. So ist für die nächste Woche eine Beratungsrunde geplant, in der über mögliche Absagen und Härtefälle noch mal im Einzelnen diskutiert werden soll.

Das Echo sowohl bei den Eltern als auch bei nicht direkt betroffenen Bürgern ist gleichermaßen positiv. „Der kurze Schulweg und die idealen Entwicklungsmöglichkeiten die es mit sich bringt, wenn man bis zum Abitur im selben Umfeld lernen kann, sind nur einige Punkte, die im Elterngespräch positiv genannt werden“, erzählt Angelika Büscher.

Bemerkbar macht sich bereits eine Identifikation der Burscheider mit ihrer Gesamtschule. So haben sich beispielsweise schon einige ehrenamtlich tätige Bürger außerhalb der Elternschaft gemeldet, die sich gerne in dem neuen Schulprojekt engagieren möchten. „Die Begeisterung ist vor allem groß, weil das fehlende Gymnasium in Burscheid durch diese Schulform jetzt aufgefangen wird. So müssen die Schüler, die ihr Abitur machen wollen, nicht mehr in andere Städte ausweichen“, berichtet Büscher, die auch die künftige Rektorin der Gesamtschule sein wird.

Ganz bewusst soll zudem der Dialog mit den Eltern gesucht werden, deren Meinungen und Wünsche der Schulleiterin am Herzen liegen. So soll in Zusammenarbeit mit den Eltern die Feinjustierung der neuen Schulform angegangen werden und es soll gemeinsame Themenrunden beispielsweise über Fremdsprachenangebote oder die Durchführung von Klassenfahrten geben.

„Natürlich kann nicht alles von Anfang an perfekt funktionieren. Dieses Projekt gemeinsam mit dem Kollegium, den Schülern und den Eltern anzugehe,n ist eine sehr spannende Angelegenheit und die Vorfreude darauf ist bei allen Beteiligten spürbar.“

Das war auch bei den Eltern so, die am Samstag zu den letzten Anmeldegesprächen kamen. Eine „kindgerechtere Atmosphäre“ versprach sich eine junge Mutter für ihre Tochter. Ein Burscheider Vater will seinem Sohn vor allem den G8-Stress der verkürzten Schulzeit an den Gymnasien ersparen. „Er soll noch Zeit für Hobbys haben.“ Das ist auch ein entscheidendes Argument für viele andere Eltern — neben dem kurzen Schulweg, von dem die Burscheider Kinder profitieren.

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