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Bürgerbahnhof-Team in Wuppertal-Vohwinkel als Seelentröster für Musiker

Kriselnde Kulturbranche : Bürgerbahnhof-Team als Seelentröster für Musiker

Die Kulturbranche steht in der Pandemie still. Veranstalter wie Künstler leiden unter den Einschränkungen. Wir haben mit den Vertretern des Vohwinkeler Bürgerbahnhofs gesprochen.

Es sind keine einfachen Gespräche, die Uli Kopka vom Vohwinkeler Bürgerbahnhof derzeit führt. Durch die Verlängerung des Lockdowns muss er erneut zum Telefon greifen und den gebuchten Musikern der geschlossenen Einrichtung absagen. Angesichts der weiterhin ernsten Entwicklung der Pandemie sind die schlechten Nachrichten für die Künstler keine Überraschung. Trotzdem ist die endgültige Gewissheit, dass Auftritte und Veranstaltungen auch künftig ausfallen müssen für alle Beteiligten eine schmerzliche Erfahrung. Da kann das Telefonat auch schon mal länger dauern. „Wir müssen oft Seelentröster sein, weil die Musiker wirklich verzweifelt sind und nicht mehr weiterwissen“, berichtet Uli Kopka.

Hinzukomme, dass die Vergabe von Ersatzterminen nicht möglich sei. „Wir sind bis Ende des Jahres ausgebucht, damit wir loslegen könnten, sobald sich die Lage entspannt“, berichtet der Bürgerbahnhof-Sprecher. Zusätzliche Kapazitäten seien nicht vorhanden und für 2022 stünden vorerst keine Veranstaltungen auf dem Programm. „Wir werden erst über das Jahresende hinaus planen, wenn wir Klarheit haben“, betont Kopka. Er geht davon aus, dass es weit über den Sommer hinaus Einschränkungen beim Spielbetrieb geben wird. Diese Befürchtung hat auch Bastian Küllenberg vom Helferteam. „Es fehlt einfach eine Perspektive“, betont er.

Das gelte auch für Auftritte bekannterer Künstler etwa aus England. In der Vergangenheit konnte der Bürgerbahnhof mehrmals den  Stammgitarristen von Eric Clapton, Andy Fairweather-Low, verpflichten. „Wenn – wie im letzten Herbst – weniger Publikum zugelassen ist, dürfte sich das für Musiker dieser Größenordnung nicht mehr lohnen“, sagt Uli Kopka. „Hinzukommt die zusätzliche Brexit-Hürde“, ergänzt Bastian Küllenberg. Durch seine frühere Tätigkeit als Musikjournalist ist er hierzulande ebenfalls gut vernetzt mit Bands und Künstlern. „Die Stimmung in der Szene ist extrem angespannt, weil Live-Auftritte als wichtige Einnahmequelle seit Monaten wegfallen“, berichtet Küllenberg.

Doch auch beim Bürgerbahnhof selbst ist die Lage alles andere als rosig. Zwar kann das Team noch von seinen Rücklagen zehren, da in den vergangenen Jahren vorausschauend gewirtschaftet wurde. Auch die Bahn kommt der Initiative als Vermieter entgegen. Doch langsam wird es finanziell eng. Deutlichen Unmut äußern die Mitglieder bezüglich der Hilfspakete der Politik. „Es wird viel versprochen, aber am Ende kommt so gut wie nichts an“, kritisiert Uli Kopka. So sei ein Antrag auf Novemberhilfen abgelehnt worden, da kein Gewerbeschein vorliege. „Wir sind ein gemeinnütziger Verein, da gehen solche Vorgaben komplett an der Realität vorbei“, ärgert sich der Bürgerbahnof-Sprecher. Problematisch sei der Stillstand der Aktivitäten auch für die Motivation der Helfer. „Wir müssen schauen, dass uns diesbezüglich nicht die Puste ausgeht“, so Kopka.

Seit 2008 setzen sich die im Vohwinkeler Bürgerverein organisierten Bürgerbahnhof-Helfer für eine Belebung des Bahnhofsareals ein. Bis zum Pandemie-Beginn waren die Räume neben der Schalterhalle ein Ort des kulturellen und gesellschaftlichen Austauschs. In der Schalterhalle fanden Veranstaltungen wie Plattenbörsen und Kinoabende statt. Außerdem stellt der Bürgerbahnhof seine Räume in normalen Zeiten Vereinen und Gruppen zur Verfügung. Mehr Infos unter

 www.buergerbahnhof.com