Attraktion auf dem Hülser Wochenmarkt Zwischen Schinken und Käse bekommen die Kunden ihr Fett weg

Krefeld · „Der Tiroler“ lässt mit guter Laune, jeder Menge Charme und Delikatessen schlechte Laune gar nicht erst aufkommen.

 Mit viel guter Laune und einer Menge Charme führen Johannes Hübner (l.) und Konrad Terbrüggen das Geschäft.

Mit viel guter Laune und einer Menge Charme führen Johannes Hübner (l.) und Konrad Terbrüggen das Geschäft.

Foto: Andreas Bischof

Und so stehen sie da – zwei echte Kerle. Für Johannes Hübner gehört die Lederhose zum normalen Outfit dazu, sein Kumpel und Kollege Konrad „Konny“ Terbrüggen streift sich dazu auch noch das rot-weiß karierte Trachtenhemd und den dazu passenden Hut über. Auf ihrem Wagen verkaufen sie ihre Spezialitäten. Schinken und Käse frisch geliefert aus Tirol. Soweit so normal. Doch wer sich die beiden mal etwas genauer anschaut, der kommt schnell ins Grübeln. Ist das noch der Wochenmarkt in Krefeld-Hüls oder bin ich in einer Comedy-Show gelandet?

„Schlechte Laune lasse ich hier gar nicht aufkommen“, brüllt Hübner quer über den Marktplatz, Terbrüggen entgegnet: „Der ist bekloppt, total irre.“ Im Vergleich der beiden Kollegen besitzt Hübner definitiv das lautere Organ und lässt das auch gerne jeden Besucher wissen. Sein langgezogenes Lachen lässt einen schnell mal zusammenzucken, im Gespräch mit den Kunden gleicht der Smalltalk eher einem Comedy-Dialog.

Seit 15 Jahren arbeiten
beide zusammen

Auf dem Hülser Wochenmarkt sind Hübner und Terbrüggen seit mehr als 15 Jahren fester Bestandteil der Marktbeschicker. Mit ihren Wagen sind sie ansonsten noch auf den Märkten in Bockum und in Essen-Kettwig zu finden. Hübner, der das Geschäft hauptberuflich leitet, kommt ursprünglich aus Duisburg, Terbrüggen, der seinen Freund nun schon seit über 15 Jahren unterstützt, kommt aus Moers. Beide ergänzen sich perfekt, sind gute Kumpels und fahren auch zusammen in den Urlaub. Mit dabei ist immer das Rad, schließlich sind beide „leidenschaftliche und begnadete Radfahrer“, wie Terbrüggen es mit einem Augenzwinkern formuliert. Die knapp 15 Kilometer zwischen Moers und Hüls sind für „Konny“, wie er von vielen nur genannt wird, daher ein Klacks. Meist ist er sogar schon vor Hübner da, ab acht Uhr klopfen dann die ersten Kunden gegen die noch verdeckte Kühltheke. „Er ist eigentlich fast immer zu spät“, sagt Terbrüggen, dessen Anschuldigungen von Hübner nur mit einem lauten Lachen quittiert werden.

Kunde Kühne: „Sie haben immer einen schönen Spruch drauf“

Viele ihrer Besucher sind Stammkunden und wissen daher ganz genau, was sie beim „Tiroler“ erwartet. Holger Kühne in etwa schaut fast jeden Samstagmorgen vorbei – auch weil das Ambiente passt: „Es ist teilweise schon verrückt. Sie haben immer einen schönen Spruch drauf, meist unterhalten wir uns über Fußball“, sagt Kühne, der wie Hübner leidenschaftlicher MSV-Duisburg-Fan ist. Ab und an kriegt Hübner nach eigener Aussage dafür gerne mal etwas Häme ab, doch auf den sprachlichen Konter müssen die Besucher nicht lange warten. „Man kann das ganze auch sehr förmlich und höflich machen“, sagt Hübner und schiebt hinterher: „Aber das gibt es hier nun mal nicht.“

Weil für den MSV an jenem Samstag der letzte Spieltag in der dritten Liga anstand, zog sich der Einkauf Kühnes so ein wenig dahin. Auch weil die beiden hinter der Theke heute „besonders langsam“ sind. Stammkunden wie Kühne haben das gegenseitige Beschimpfen schon lange verinnerlicht. Und während bei seiner Abrechnung mit der „Hochpreistaste“ „schön teuer“ gemacht werden soll, kommt in Andrea Träger bereits die nächste Stammkundin an den Wagen.

Schinken und Käse kommen von bäuerlichen Kleinbetrieben

Träger kommt ursprünglich aus Düsseldorf. „Wenn ich in Krefeld bin, dann schaue ich immer hier vorbei. Das ist Entertainment pur und die Qualität der Waren ist natürlich auch top.“ Hübner bezieht seine Lebensmittel von bäuerlichen Kleinbetrieben aus Tirol. Sowohl der Schinken als auch der Käse sind qualitativ auf einem hohen Niveau. Durch die Corona-Pandemie erlebt der Markt laut Terbrüggen gerade so etwas wie eine „Renaissance“. „Früher hatte der Markt die Absicht, die Nahversorgung der Menschen zu sichern. Heute ist es ein ganz anderes Ambiente und der Markt ist gewissermaßen auch ein Kunstfaktor.“

Während Terbrüggen für einen kurzen Moment ernst wirkt, beschwert sich Hübner im Hintergrund bereits darüber, dass heute „nur die schwierigen Kunden“ da wären. Das Spiel mit den Kunden geht von vorne los. „Wenn ich zuhause bin, frage ich mich schon manchmal, was ist da heute wieder alles passiert“, sagt Hübner. Doch das gehört nun mal zum Charme des „Tirolers“, dazu.

Und während sich Hübner an jenem Samstag noch darüber geärgert haben dürfte, dass sein MSV Duisburg nicht aufgestiegen ist, so werden beide an den kommenden Samstagen wieder auf dem Hülser Markt stehen. Selbstverständlich mit Lederhose und mit einer richtig guten Laune.