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Astrazeneca, Biontech und Co.: Was über die aktuellen Corona-Impfstoffe bekannt ist

Astrazeneca, Biontech und Co. : Was über die aktuellen Corona-Impfstoffe bekannt ist

Zuletzt gab es viele - teils widersprüchliche - Informationen über die zugelassenen Impfstoffe in Deutschland. Ein Überblick, was wir bisher über die Vakzine wissen.

Biontech/Pfizer

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer war das erste Vakzin, das die EMA zugelassen hat. Laut Studien der Unternehmen liegt die Wirksamkeit bei Comirnaty von Biontech/Pfizer bereits sieben Tage nach der zweiten Dosis bei 95 Prozent. Nach einer Impfung werden am häufigsten Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen und Ermüdungals Nebenwirkungen genannt.

Inzwischen laufen dem Mainzer Biotech-Unternehmen zufolge auch Zulassungsstudien zur Wirksamkeit des Impfstoffs für Kinder und Schwangere. Außerdem laufen Studien, um dessen Wirksamkeit bei den neueren Corona-Mutationen genauer zu prüfen und Fragen zu etwaigen Auffrischungsimpfungen abzuklären. Biontech ist ein vergleichsweise neues Pharmaunternehmen, das sich ursprünglich etwa auf die Entwicklung neuartiger Krebstherapien spezialisierte.

Der dabei verfolgte Ansatz der Boten-RNA-Technologie erwies sich aber auch bei der Impfstoffentwicklung in der Corona-Pandemie als erfolgreich. Bereits Anfang vergangenen Jahres tat sich Biontech dafür mit dem US-Pharmariesen Pfizer zusammen, mit dem es schon bei einem anderen Projekt kooperierte. Auch der Corona-Impfstoff des Konkurrenten Moderna basiert auf der Boten-RNA-Technologie.

Moderna

Das US-Unternehmen Moderna beziffert die Wirksamkeit seines Impfstoffs auf 94 Prozent - gemessen 14 Tage nach der zweiten Dosis. Als Nebenwirkung ist bei einigen Untersuchungen ein Hautausschlag aufgefallen.

Forscher haben inzwischen die Wirksamkeit des Impfstoffs bei Schwangeren untersucht. Insgesamt 131 Frauen, davon 84 schwanger, 31 stillend, und 16 weder noch haben Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer bekommen. Das daraufhin erreichte Antikörper-Level sei bei jeder der drei Gruppen von Frauen vergleichbar hoch gewesen, hieß es. Zudem seien Nebenwirkungen selten und ebenfalls ähnlich gewesen.

Astrazeneca

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) untersucht einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Corona-Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca und dem Kapillarlecksyndrom, wie sie am Freitag in Amsterdam mitteilte. Es gehe um fünf Fälle der auch als Clarkson-Syndrom bekannten Gefäßerkrankung. Bei dem nur sehr selten auftretenden Leiden ist die Durchlässigkeit der Kapillargefäße zu hoch, so dass Plasma austritt und es zu Ödemen und einem Abfall des Blutdrucks kommt.

Erst am Mittwoch hatte sich die EU-Behörde mit dem möglichen Zusammenhang zwischen der Astrazeneca-Impfung und dutzenden, teilweise auch tödlichen, Fällen von Thrombosen befasst. Sie kam zu dem Schluss, dass der Nutzen der Impfung das Risiko überwiegt und empfahl lediglich, Blutgerinnsel künftig als "sehr seltene Nebenwirkung" des Impfstoffs aufzuführen. In Deutschland wurde der Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs grundsätzlich auf Menschen ab 60 Jahren eingeschränkt.

Johnson & Johnson

Die EU-Arzneimittelbehörde prüft Fälle von Thrombosen nach einer Coronaimpfung mit dem Vakzin des Herstellers Johnson & Johnson. Vier ernsthafte Fälle von Blutgerinnseln seien nach einer Impfung aufgetreten, teilte die EMA am Freitag in Amsterdam mit. Eine Person sei gestorben. Einer der Verdachtsfälle sei während der klinischen Studien aufgetreten. Die Behörde betonte, dass ein Zusammenhang mit dem Impfstoff des US-Herstellers noch nicht festgestellt worden sei.

Die EMA hatte am Mittwoch bei einer erneuten Prüfung von seltenen Thrombosen-Fällen nach der Impfung mit dem Präparat von Astrazeneca festgestellt, dass es einen Zusammenhang gebe. Die Häufigkeit gemeldeter Zwischenfälle mit Blutgerinnseln im Gehirn treten nach EMA-Angaben mit ungefähr 1 je 100.000 auf. Die EMA gab weiter uneingeschränkt grünes Licht für eine Verwendung. Der Nutzen des Wirkstoffes sei höher zu bewerten als die Risiken, erklärte die Arzneimittelbehörde.

Sputnik V

Die EU-Arzneimittelbehörde prüft seit Anfang März eine Zulassung von Sputnik V in Europa. Bei der sogenannten Rolling Review werden erste Ergebnisse wissenschaftlicher und klinischer Tests nach und nach analysiert, bevor alle für eine Zulassung nötigen Daten vorliegen. Bei allen bisher zugelassenen Corona-Impfstoffen war die EMA ebenso vorgegangen.

Nach einer Anfang Februar in der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichten Studie schützt das Vakzin zu mehr als 90 Prozent vor einer symptomatischen Covid-19-Erkrankung. Damit hätte Sputnik V eine ähnlich hohe Wirksamkeit wie die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna.

Russland gab bereits Mitte August 2020 mit Sputnik V den weltweit ersten Corona-Impfstoff für eine breite Anwendung in der Bevölkerung frei. „Impfen ist immer auch Politik, es geht nie nur um medizinische Fragen“, sagt Historiker Malte Thießen, der sich mit der Geschichte der Immunisierung seit der ersten Pocken-Impfung beschäftigt. Er spricht von Vorbehalten im westlichen Teil der EU. Die Vergiftung von Kremlkritiker Alexej Nawalny dürfte für manchen Bürger zudem ein Grund sein, sich kein Produkt aus Russland injizieren lassen zu wollen. Den Namen Sputnik für einen Impfstoff zu wählen, sei bereits eine „Propaganda erster Klasse“, so Thießen. Sputnik 1 hieß der weltweit erste gestartete Satellit, mit dem die Sowjetunion 1957 die westliche Welt schockierte.

Für den ersten Platz bei der Impfstoff-Freigabe hagelte es für Russland international Kritik. Wissenschaftler beklagten vor allem das Fehlen schlüssiger Daten. Grund ist, dass die Zulassung vor dem Vorliegen der Ergebnisse sogenannter Phase-III-Studien stattfand. Das widerspricht dem üblichen Ablauf. Denn in der Prüfung mit mehreren Tausend Probanden könnten seltene Nebenwirkungen erkannt werden, heißt es beim Paul-Ehrlich-Institut.

Erste Details zu Sputnik V veröffentlichten die Forscher Anfang September 2020 in der Fachzeitschrift „The Lancet“. Demnach regt der Impfstoff eine Immunantwort an. Bei insgesamt 76 Teilnehmern konnten in der Testphase I/II Antikörper gegen das Virus nachgewiesen werden. Es folgte wieder Kritik am Vorgehen Russlands, aber auch Aufatmen: Das nun vorliegende Ergebnis sei eindeutig. Das wissenschaftliche Prinzip der Impfung sei aufgezeigt worden, sagte Forscherin Polly Roy von der London School of Hygiene & Tropical Medicine dem Fachblatt „The Lancet“.

Welche Impfstoffe sollen im EU-weit einheitlichen Impfausweis zählen?

Den Plänen der EU zufolge kommen nur Impfungen mit den von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA zugelassenen Impfstoffen in Frage. Das sind derzeit die Mittel von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson. Ungarn zum Beispiel verimpft aber auch das russische Vakzin Sputnik V und das des chinesischen Herstellers Sinopharm. Laut Kommission soll es den anderen Mitgliedstaaten freistehen, ob sie Bescheinigungen über Impfungen mit diesen Mitteln anerkennen oder nicht.

(AFP/dpa)