Pflege „Gemeindeschwester“ als Hilfe vor Ort

Düsseldorf · SPD im Landtag möchte Ansprechpartner für ältere Menschen.

 SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty (rechts) und die gesundheitspolitischen Experten der SPD-Fraktion, Lisa Kapteinat und Josef Neumann.

SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty (rechts) und die gesundheitspolitischen Experten der SPD-Fraktion, Lisa Kapteinat und Josef Neumann.

Foto: Peter Kurz

Gemeindeschwester - das klingt nach Nostalgie. Eine Nostalgie, die die SPD im NRW-Landtag gern aufleben lassen möchte. Als „Gemeindeschwester Plus“. Das Ziel: Pflegebedürftigkeit und Vereinsamung von alten Menschen entgegenzuwirken.

In der früheren DDR gab es Tausende Gemeindeschwestern. Deren Aufgabe war es, angesichts zu weniger Hausärzte den Menschen Hausbesuche abzustatten, Verbände zu wechseln, Blutdruck zu messen. Die „Gemeindeschwester Plus“ hat nach der Idee der SPD eine andere Aufgabe. Die Schwester, die laut dem SPD-Gesundheitsexperten Josef Neumann auch ein Gesundheitsbruder sein kann, sollte eine erfahrene Pflegefachkraft sein. Wenn das im Landtag nun angestoßene Projekt einmal läuft, sollen solche Pflegefachkräfte nach Vorstellung der SPD flächendeckend in allen Kommunen tätig sein. Als zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Themen Gesundheit und Pflege. Sie sollen Orientierung bieten und Kontakte vermitteln - etwa zu einer geselligen Seniorenrunde. Oder Informationen darüber geben, wie eine Wohnung barrierefrei gestaltet werden kann. „Die Leute sollen nicht von Pontius zu Pilatus laufen müssen“, sagt Neumann. Sie brauchten den einen Ansprechpartner.

Angesichts der Tatsache, dass rund 80 Prozent der knapp eine Million Pflegebedürftigen in NRW zuhause versorgt werden, bedürfe es rechtzeitiger präventiver Hilfe, argumentiert Neumann. Die SPD verweist darauf, dass Rheinland-Pfalz schon 2015 ein entsprechendes Modellprojekt erprobt habe. Speziell geschulte Pflegekräfte hätten dort mehr als 3000 hochbetagte Menschen zu ihrer Gesundheits-,  Pflege- und Lebenssituation beraten und unterstützt. Das Projekt sei in dem Bundesland inzwischen mit den Krankenkassenverbänden ausgeweitet worden.

Auch in NRW gelte es, die soziale Teilhabe von älteren Menschen so lange wie möglich wohnortnah zu erhalten  und so eine Pflegebedürftigkeit und Vereinsamung durch gezielte Interventionen zu vermeiden oder hinauszuzögern. Und den Menschen zu ermöglichen, so lange wie möglich zu Hause zu leben.

Wie wichtig eine solche präventive Arbeit  angesichts des sich verschärfenden Fachkräftemangels in der Pflege sei, darauf macht auch SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty aufmerksam. Es gelte, den Trend zu brechen, dass Pflegekräfte ihrem Beruf den Rücken kehren. Applaus für die Beschäftigten im Gesundheitswesen reiche da nicht aus. Ihm hätten Pflegekräfte gesagt, dass sie ihre Kolleginnen und Kollegen im Augenblick wegen der Pandemie nicht im Stich lassen wollten. Aber später würden sie sich nach einem anderen Job umsehen. Kutschaty fordert: „Wir wollen attraktive Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen schaffen. Dazu gehört eine Personalbemessung, die am Bedarf orientiert ist. Die 35-Stunden-Woche in der Pflege muss ein langfristiges Ziel sein. Ebenso fordern wir bessere Löhne in der Pflege, die der Leistung der Beschäftigten gerecht werden.“

Dies und das Projekt „Gemeindeschwester Plus“ kann die SPD als Oppositionspartei derzeit nur anstoßen, nicht umsetzen. „Aber spätestens wenn die Regierung wechselt, können wir jedenfalls das aus eigener Kraft realisieren“, sagt Neumann optimistisch mit Blick auf die Landtagswahl im Mai nächsten Jahres.