1. NRW

Anna Schwartz und Christine Mühlberger: Symbiose Fotos und Zeichnungen

Ausstellung im Fenster : Faszinierende Menschen-Ansichten

Anna Schwartz und Christine Mühlberger zeigen Symbiose aus Fotos und Zeichnungen.

Es geht um den Menschen, das was ihn ausmacht. Seine Faszination, die eingefangen, verstanden und abgebildet wird. Überführt in eine ästhetisch anspruchsvolle, schwarz-weiße Welt. Die Welt der Fotografien von Anna Schwartz und der darauf basierenden Einstrich-Zeichnungen von Christine Mühlberger. Einen Eindruck der Bilder-Symbiose können sich derzeit die Wuppertaler machen - wenn sie in die Fenster des Loch-Kulturzentrums an der Plateniusstraße schauen. Eine Ausstellung im Rahmen des coronakonformen Ausstellungsformats „Guck-Loch“.

Wer Christine Mühlberger auf ihren Job bei einem Finanzdienstleister in Wuppertal reduziert, tut ihr Unrecht. Der rote Faden in ihrem Leben sei die Kreativität, sagt die 54-Jährige und ergänzt, dass sie beinahe Kunst studiert hätte, gerne zeichne. In der Coronakrise entdeckte sie die Einstrich-Zeichnung für sich. Sie habe etwas Fokussierendes. „Das ist gut in sorgenvoller Zeit, holt auf den Punkt zurück.“ Und will geübt werden. Am Anfang habe sie sich dabei oft verlaufen, erzählt Mühlberger und erklärt ihr Vorgehen. Zunächst schaue sie sich ein Bild genau an und überlege sich einen möglichen Weg „wie Pfadfinder im Wald“. Dann setze sie mit dem schwarzen Fineliner an einem Punkt, meist den Augen, an, „arbeite mich durch und höre an einem anderen Punkt auf, wenn es genug ist“. Falten seien gut „wegen der Lebendigkeit“. Wenn es besonders gut laufe, spüre sie das Adrenalin im Körper und lege den Stift nicht aus der Hand, „das ist sehr befreiend“. Manchmal aquarelliert sie die Zeichnungen noch oder ergänzt sie durch Collagen – immer orientiert an der Vorlage.

Über Instagram lernten
sie sich kennen

Auf der Suche nach Motiven für ihre Zeichnungen stieß sie im letzten Jahr bei Instagram auf Fotos von Anna Schwartz. Die Fotografin, die auch für die WZ arbeitet, nutzt die Plattform, um dort die Fotos zu zeigen, die sie aus eigenem Antrieb macht. Von Menschen, die sie spannend findet, „die mich packen, etwas in mir auslösen“. Keine steifen Porträts, sondern in mehrere Stunden langen Sessions,  fein herausgearbeitete, lebendige Persönlichkeiten.  Immer in Schwarz-Weiß, „weil das meine Sprache ist“. Wenn eine Session richtig gut werde, dann sei sie sehr berührt, erzählt Schwartz. Und habe hinterher große Mühe, für Instagram die zehn besten Aufnahmen herauszufiltern.

Mühlberger gefallen die Fotos, weil sie nicht nur den Kopf der Menschen, sondern auch ihre Körper in bestimmten Haltungen zeigen. „Eine Aktivität, die ich festhalten will.“ Sie verlinkte ihre Zeichnungen mit Anna Schwartz, wodurch diese auf sie aufmerksam wurde. Und begeistert ist: „Ich finde es faszinierend, dass Christine etwas mit einer Linie schafft, was andere nicht mit hundert vermögen. Und sie holt die Person so heraus, dass man sie noch erkennt.“

Die beiden Frauen lernten sich kennen, genießen zunehmend ihr Zusammenspiel, aus dem auch eine Freundschaft erwuchs. Und schon früh der Gedanke an eine gemeinsame Ausstellung, die Fotos und Zeichnungen nebeneinander zeigt und in eine spannende Wechselwirkung bringt.

Der erste Versuch freilich scheiterte. Die Schau für die Woga im letzten Herbst war vorbereitet und fiel den steigenden Inzidenzzahlen zum Opfer. Vor kurzem erfuhr Mühlberger von der Ausstellungsreihe des Loch, nun bespielen die beiden zehn Fenster mit 14 Din-A-4 kleinen Bildkombinationen. Ein weiteres Bild  zeigt die Künstlerinnen und ihre Geschichte.  Bis Pfingsten sollen die Bilder in den Fenstern nun hängen.

Weitere Vorhaben werden bereits angedacht. Für einen Kunstkatalog der Wupperwerft-Studios von Horst Wegener in der Cotton Factory haben sie drei Arbeiten eingereicht, ein gemeinsamer Instragram-Account ist angedacht. Auch ein Projekt-Name muss noch gefunden werden. Und wenn  die Pandemie endlich vorüber ist, geht es richtig los.