Altenheim in Neersen: Baubeginn verzögert sich weiter

Baubeginn verzögert sich weiter : DRK will Altenheim-Bau am Monatsende klären

Ob das Rote Kreuz das seit Langem erwartete Altenheim in Neersen realisiert oder sich zurückzieht, könnte sich am 30. Oktober in einer Sitzung der DRK-Gremien entscheiden.

Es war Ende 2015, als der Landesverband Nordrhein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) von der Willicher Politik den Zuschlag erhielt, in Neersen ein Altenheim bauen und betreiben zu dürfen. Das von vielen Neersenern herbeigesehnte Haus hätte schon im vergangenen Jahr fertig sein können – doch noch heute herrscht gähnende Leere auf dem Grundstück zwischen Rothweg und Verresstraße, von einer prächtigen Linde abgesehen. Noch nicht einmal ein Bauschild weist auf das Vorhaben hin. Zuletzt war die Stadtverwaltung von einem Baubeginn am 15. Oktober ausgegangen, doch daraus wurde wieder nichts.

„Politik und Verwaltung haben ihre Hausaufgaben gemacht“, sagt Christian Pakusch, Vorsitzender des Willicher Planungsausschusses. So seien Anträge genehmigt worden, das alte Kita-Gebäude der „Brücke“ wurde abgerissen und ein Erbpacht-Vertrag mit dem Roten Kreuz geschlossen. Es ist das DRK, das nicht in die Pötte kommt. Inzwischen gibt es Gerüchte, dass es das Altenheim gar nicht mehr bauen möchte. Manchem in der Politik wäre das inzwischen womöglich lieber, damit irgendwann Klarheit herrscht und man auf die Suche nach einem anderen Investor gehen kann – was kein leichtes Unterfangen werden dürfte (damals gab es nur zwei ernsthafte Interessenten) und einen Baubeginn um weitere Jahre hinauszögern würde (es würde ein erneutes Interessenbekundungsverfahren geben).

Das DRK gibt keine Gewissheit, dass das Altenheim kommt

Auf die Frage, ob das DRK das Altenheim tatsächlich nicht mehr bauen möchte, antwortet Pressesprecher Andreas Brockmann: „Das ist so nicht korrekt. Es bedarf Abstimmungen mit Gremien, da es zu einer Baukostensteigerung gekommen ist.“ Wäre es also möglich, dass es zum „Nein“ für das Neersener Altenheim kommt? „Alles Weitere ist spekulativ und wird in den Gremien besprochen“, so Brockmann weiter. Der Baubeginn hänge von den Abstimmungen in den Gremien ab. „Zum jetzigen Stand ist eine Fertigstellung für das erste Halbjahr 2021 weiterhin geplant.“ Am 30. Oktober tagt das Präsidium des DRK Nordrhein und will sich auch mit dem Altenheim in Neersen beschäftigen, so die städtische Beigeordnete Brigitte Schwerdtfeger in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses.

Zu den Verzögerungen erklärt DRK-Sprecher Brockmann: „Zunächst wurde der Architekt gewechselt. Dann gab es immer wieder Abstimmungsbedarf, da das Projekt über das neue Architekturbüro geplant werden musste. Es sollten Umplanungen vorgenommen werden, die weitere Anpassungen als Konsequenz hatten. Verhandlungen eines Erbbauvertrages mit der Stadt Willich haben ebenfalls Zeit in Anspruch genommen, die einen Baubeginn verzögerten.“ Und nun also noch die Steigerung der Baukosten.

Christian Pakusch sagt schon seit Monaten, dass er die ständigen Verzögerungen mit Sorge betrachtet. Denn er fürchtet einen Vertrauensverlust der Bürger in Politik und Verwaltung. Daher appelliert er an das Rote Kreuz, eventuelle Probleme klar zu benennen und mit der Stadtverwaltung auf Augenhöhe zu sprechen. Brockmann versichert, man sei „derzeit im engen Austausch mit verschiedenen Ausschüssen der Stadt Willich“.

Fraglich ist, wie weit die Stadt dem Roten Kreuz entgegenkommen kann, schließlich war das Projekt damals mit konkreten Anforderungen ausgeschrieben worden. Sollte man von diesen nun allzu stark abweichen, könnte das möglicherweise Investoren, die damals von einer Bewerbung Abstand genommen haben, auf den Plan rufen, weil sie zu anderen Konditionen doch Interesse hätten, ein Altenheim in Neersen zu betreiben. msc