Ahaus will den Jülicher Atommüll nicht

Zwischenlagerung: Ahaus will den Jülicher Atommüll nicht

Bürgerinitiativen wollen den Atommüll nicht und fordern den Neubau eines Zwischenlagers in Jülich. Sie werfen Staat wie Atombranche Konzeptlosigkeit vor.

Die Anti-Atom-Bewegung wirft der Atombranche und dem Staat bei der Frage der Zwischenlagerung „Durchwursteln“ vor. Das bisherige Konzept sei gescheitert. In einem gemeinsamen Positionspapier von rund 70 Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbänden aus dem gesamten Bundesgebiet werden „neue Konzepte für eine längerfristige Zwischenlagerung“ gefordert.

Das bisherige Konzept sei nur auf 40 Jahre ausgelegt. Da aber der Bundestag frühestens 2031 über einen Standort für ein Endlager entscheidet und dann noch Jahrzehnte bis zur Inbetriebnahme vergehen, „werden die Genehmigungen auslaufen, bevor ein Endlager in Sicht ist“, sagte Henning Garbers von der Atommüllkonferenz, einem bundesweiten Treffen von Bürgerinitiativen, am Dienstag bei der Vorstellung des Positionspapiers in Düsseldorf. Seine Prognose: Der Atommüll müsse noch 50 bis 100 Jahre an der Erdoberfläche gelagert werden.

Genehmigung für Ahaus läuft 2036 aus

„Viele Initiativen sind dafür, dass in Deutschland produzierter Atommüll auch in Deutschland bleiben soll“, sagte Garbers und wandte sich damit auch gegen Pläne, die 152 Castorbehälter aus dem ehemaligen Versuchsreaktor Jülich in die USA zu exportieren. Auch eine Einlagerung im Zwischenlager Ahaus nordwestlich von Münster wird abgelehnt. Dort seien die Behälter noch weniger sicher. Die Genehmigung für Ahaus läuft 2036 aus. Aus Sicht der Initiativen ist der Neubau eines Zwischenlagers in Jülich die sinnvollste Lösung.

Rückendeckung kommt von den Grünen in NRW. Ahaus dürfe  nicht zum Atom-Klo der Bundesrepublik werden, erklärte die Landesvorsitzende Mona Neubaur. „Landes- und Bundesregierung sind dringend aufgefordert, für den Jülicher Atommüll eine sichere Lösung zu finden, die unnötige Atomtransporte dringend vermeidet.“

„Wir sind da emotionslos“, reagierte Jörg Kriewel, Sprecher der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN), auf die Forderung. Alle drei Optionen würden weiter geprüft, „im Grunde sogar vier, denn wir sind auch aufgefordert, uns weiter um eine neue Genehmigung für das bisherige Lager zu bemühen“. Die nur 20-jährige Genehmigung für Jülich war 2013 ausgelaufen und wegen der Erdbebengefahr in der Region nicht verlängert worden. Damit ist Jülich das erste Zwischenlager ohne gültige Genehmigung.

2014 hatte das NRW-Wirtschaftsministerium als zuständige Atomaufsicht die unverzügliche Entfernung der Brennelemente angeordnet. Will heißen: Die schnellste Lösung muss gewählt werden. „Für keine der drei Optionen liegen bislang alle nötigen Genehmigungen vor“, heißt es aus dem Ministerium. Für eine Einlagerung der 152 Castorbehälter in Ahaus gibt es zwar schon seit zwei Jahren eine Genehmigung. Nach einer Klage der Stadt Ahaus wurde der sofortige Vollzug aber ausgesetzt. Das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Münster ist weiter anhängig.

Keine Transporte vor 2020?

Ohnehin fehlt der JEN noch die zusätzlich nötige Transporterlaubnis. „Wir haben massive Probleme, die Genehmigung zu erlangen“, so Kriewel. Grund seien gestiegene Sicherheitsanforderungen im Bereich des Terrorschutzes. Das gelte sowohl für einen Transport nach Ahaus als auch in die USA. Nach jetzigem Stand sei daher an Transporte vor 2020 nicht zu denken. Für den Neubau eines Zwischenlagers in Jülich kalkuliert die JEN aber wegen der aufwendigen Planungs- und Genehmigungsverfahren mit einem Zeitraum von neuneinhalb Jahren. Eine Aussage, die allerdings von Felix Ruwe, Sprecher der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“, angezweifelt wird. In Darmstadt sei ein erdbebensicheres Zwischenlager innerhalb von vier Jahren gebaut worden.

In Ahaus wehrt man sich nicht nur gegen die Castorbehälter aus Jülich, sondern will auch verhindern, dass im kommenden Jahr Atommüll aus dem Forschungsreaktor im bayrischen Garching ins Münsterland transportiert wird. Die abgebrannten Brennelemente hätten noch eine Urananreicherung von 87 Prozent und seien damit waffenfähig. Klagen gegen die Transporte seien in Vorbereitung, kündigte Ruwe an.

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