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2G Vorstoß: Hamburg als Vorreiter

2G Vorstoß : Hamburg als Vorreiter

Die Pandemie entzieht sich aufgrund ihrer Wucht einem Vergleich. Gleichwohl ist die Suche nach Parallelen wichtig, um Antworten auf die Frage zu bekommen, wie eine Gesellschaft einen geordneten Weg aus der pandemischen Notsituation zurück zur Normalität finden kann.

Eine Normalität, die vielleicht nicht überall so aussieht wie vor der Pandemie, in der aber wieder unbeschwertes Lernen und Arbeiten, Kunst, Kultur und Sport möglich sein müssen. Denn klar ist: Corona geht nicht mehr weg.

Dabei helfen möglicherweise die Erfahrungen mit zwei anderen Erkrankungen: Aids und Grippe. Als sich Aids in den 80er Jahren immer stärker ausbreitete, bedeutete eine Ansteckung ein Todesurteil. Heute sieht die Lage zumindest in der westlichen Welt völlig anders aus. Wir haben gelernt, mit der Krankheit umzugehen. Auch bei der Grippe hat die Gesellschaft einen Weg gefunden. Viele Menschen lassen sich impfen, aber eben nicht alle. Dass jedes Jahr Tausende Menschen an der Grippe sterben, wird hingenommen. Das erscheint zwar unbefriedigend, ist aber ein breiter gesellschaftlicher Konsens. Motto: Wer sich nicht schützt, ist selbst schuld. 

Grundsätzlich muss auch bei Corona gelten: Wer sich nicht impfen lassen will, trägt ein individuelles Gesundheitsrisiko und kann nicht einfordern, dass andere ihn beschützen. Das Hamburger 2G-Optionsmodell, das nahezu vorschriftsfreie Veranstaltungen ermöglicht, wenn nur Geimpfte und Genesene zugelassen sind, ist ein riesiger Schritt in Richtung Normalität. Der Ellbogen-Stoß von Wuppertals OB Uwe Schneidewind (Grüne) an die Landesregierung ist daher richtig. Es braucht Alternativen. Auf 3G-Veranstaltungen sollte der Schutz sogar noch verstärkt werden, indem Getestete nur mit einem sicheren PCR-Test Zutritt bekommen. Wenn später für die gesamte Bevölkerung Impfungen zur Verfügung stehen, müssen alle Vorschriften fallen, auch für die (gewollt) Ungeimpften. Sie können sich weiter mit Abstand und Masken schützen – oder eben nicht.