Rechtsextremismus 20. Jahrestag des NSU-Anschlags: Köln plant Gedenkfestival

Köln · 2004 verübte die Terrorzelle NSU in der Kölner Keupstraße einen Nagelbombenanschlag. 20 Jahre später plant die Stadt ein Gedenkfestival, das auch die Zukunft in den Blick nehmen soll.

Bundespräsident Joachim Gauck und andere Politiker und Prominente gedenken am 09.06.2014 beim Kulturfest "Birlikte - Zusammenstehen"  dem NSU-Anschlag in Köln vor zehn Jahren (Nordrhein-Westfalen) in einer Schweigeminute.

Bundespräsident Joachim Gauck und andere Politiker und Prominente gedenken am 09.06.2014 beim Kulturfest "Birlikte - Zusammenstehen" dem NSU-Anschlag in Köln vor zehn Jahren (Nordrhein-Westfalen) in einer Schweigeminute.

Foto: Henning Kaiser/dpa

Mit einem Kulturfest unter dem Motto „Birlikte“ (Zusammenstehen) will Köln am 9. Juni des NSU-Anschlags in der Keupstraße vor 20 Jahren gedenken. Das Festival solle für ein respektvolles und friedliches Zusammenleben werben, kündigten Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) und Schauspielintendant Stefan Bachmann am Mittwoch an. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier werde kommen.

Die rechtsextremistische Terrorzelle NSU hatte am 9. Juni 2004 in der für ihre türkischen Restaurants und Geschäfte bekannten Keupstraße in Köln-Mülheim eine Nagelbombe explodieren lassen. 22 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Danach ermittelte die Polizei jahrelang in der türkischen Community nach den Tätern. Erst sieben Jahre später stellte sich heraus, dass die NSU-Mörder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt für den Anschlag verantwortlich waren.

Bachmann sagte, es sei tragisch zu sehen, dass die Wunden auch 20 Jahre nach dem Ereignis noch sehr tief seien. „Birlikte“ sei der Versuch, das Gedenken und das Bemühen um die Zukunft gleichsam „unter einen Hut zu bringen“.

Vor zehn Jahren hatte es zum zehnten Jahrestag bereits ein ähnliches Gedenkfest unter dem Titel „Birlikte“ gegeben, das damals 70.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angezogen hatte. Auch diesmal werde überall etwas los sein, sagte Bachmann. Es werde eine Konzertbühne und andere Bühnen geben, viele kleine Acts und buntes Hinterhoftreiben. „Ich glaube, man kann unglaublich viel an diesem Tag erleben.“ Das Festival am Tag der Europawahl solle auch als klare Positionierung gegen rechts gelesen werden: „Erst wählen und dann zu Birlikte kommen“, appellierte Bachmann, der demnächst an das Burgtheater in Wien wechselt.

© dpa-infocom, dpa:240522-99-122686/3

(dpa)
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