Meinung: Wuppertaler Steuerfahnder - Fataler Seitenwechsel

Meinung: Wuppertaler Steuerfahnder - Fataler Seitenwechsel

Steuerfahnder und Betriebsprüfer, Beamte im gehobenen Dienst, dürften sich oft fragen, ob sie nicht auf der falschen Seite arbeiten. Jedenfalls was ihr Salär betrifft. Wenn sie in den Chefetagen von Unternehmen in Gespräche darüber kommen, was eben dort legal oder auch illegal passiert.

Wenn ihr Einblick in Zahlenwerke ihnen wieder und wieder zeigt, dass ihr Gegenüber in finanziellen Sphären schwebt, von denen er, der kleine Beamte, nur träumen kann. Wundert es da, dass man der Verlockung nicht mehr widerstehen mag, das Mehrfache der bisherigen Bezüge zu kassieren, wenn man sein Know-how der Gegenseite zur Verfügung stellt? Dass finanzielle Aspekte irgendwann mehr wiegen als das Gefühl, auf der Seite „der Guten“zu stehen — nämlich dafür zu sorgen, dass die Allgemeinheit nicht um das ihr zustehende Steuergeld betrogen wird.

Es muss großartig gewesen sein, über Jahre zu denen gehört zu haben, die Steuerbetrügern das Handwerk legen und so für ein Stück Gerechtigkeit sorgen. Dabei zu helfen, diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die gern die Infrastruktur des Staates nutzen, sich aber drücken, wenn es um ihre Beteiligung an deren Aufbau und Erhalt geht. Doch diesen Elan kann man wohl nur so lange haben, wie das Ganze auch gesellschaftliche Anerkennung erfährt.

Nun hat der neue CDU- Finanzminister schon früher und auch gestern wieder ein Bekenntnis zur Verfolgung der Steuerhinterzieher abgelegt. Inklusive dem Ankauf von Steuer-CDs. Aber so richtig leidenschaftlich wie bei seinem Vorgänger klingt das nicht. Doch Leidenschaft und Motivation braucht es, wenn man qualifizierte Leute halten will.

Dass diese nun durch ihren Weggang die bei Steuerhinterziehern berüchtigte Wuppertaler Steuerfahndung schwächen, ist das eine. Noch dramatischer dürfte sein, dass nun die Gegenseite über Insiderwissen bestens darüber informiert wird, wie das denn im Detail so läuft bei der Steuerfahndung. Wie man da alles richtig macht, um nicht auf die Nase zu fallen bei der „rechtssicheren Umsetzung steuerlicher Vorgaben“, wie es der neue Arbeitgeber der Seitenwechsler ausdrückt.